Algerien verleiht Berbersprache Tamazight offiziellen Status

Afroasiatische Sprachen. Karte: Schreiber. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Parlament verabschiedet Reformpaket mit Verfassungsänderungen

Das algerische Parlament hat mit 499 zu zwei Stimmen und 16 Enthaltungen beschlossen, der Berbersprache Tamazight den Status einer offiziellen Sprache neben dem Arabischen zu verleihen. Damit kann die Sprache, die im Nachbarland Marokko schon länger zweite Amtssprache ist, in offiziellen Dokumenten benutzt werden. Im Schulunterricht, im Radio und im Fernsehen werden Tamazight-Dialekte bereits seit 2002 eingesetzt.

Von den insgesamt ungefähr 40 Millionen Algeriern nutzen etwa sechs bis 13 Millionen Berbersprachen. Die meisten davon sprechen Tamazight-Dialekte, zu denen man unter anderem das von zweieinhalb bis sechs Millionen Menschen gesprochene Kabylische und das Atlas-Tamazight rechnet. Daneben betrachten sich auch manche Algerier, die Arabisch sprechen, wegen ihrer Herkunft und Verwandtschaft als Berber.

Die Berbersprachen gehen auf eine Dialektkontinuum zurück, das die ländliche Bevölkerung Nordafrikas vor der arabischen Eroberung im 7. Jahrhundert sprach. Sie sind ein Zweig der afro-asiatischen Sprachen, die früher als hamito-semitische Sprachen bekannt waren. Zu dieser Familie zählen auch das Arabische, das Hausa und das Somali.

Neben dem Tamazight-Standarddialekt gilt die Tuareg-Sprache Tamaschek, die in Niger und Mali den Status einer Nationalsprache hat, als wichtigste Berbersprache. Tamaschek wird von mehr als einer Millionen Sprechern in Teilen Südalgeriens, Libyens, Malis, im Niger und in Burkina Faso gesprochen. In Mali gelang es Tuareg vor vier Jahren kurzfristig, einen eigenen Staat auszurufen und in Libyen kontrollieren Tuaregmilizen, die mit der islamistischen Gegenregierung in Tripolis verbündet sind, fast die gesamte Grenze zu Algerien.

In Marokko beherrschen 50 bis 70 Prozent der Einwohner einen Berberdialekt. Tarifit wird von dreieinhalb Millionen Marokkanern gesprochen, das auch "Taschelhit" genannte Schlöh von sechs bis acht Millionen und der Tamazight-Standarddialekt von einer noch größeren Zahl.

Die in Tunesien und Libyen verbreiteten Zenati-Dialekte beherrschen noch von gut 200.000 Menschen, Audschila und Sokna dagegen nur noch von wenigen Tausend. Gleiches gilt für das ägyptische Siwi. Das lediglich in einer Oase gesprochene libysche Elfoqaha und das tunesische Sened sind bereits ausgestorben.

Das algerische Parlament nahm die Statusänderung von Tamazight in einem Paket von Verfassungsänderungen an, das unter anderem eine Stärkung von Frauen- und Jugendrechten, die Einsetzung einer unabhängigen Wahlkommission und die Begrenzung einer Präsidentschaft auf zwei Amtszeiten vorsieht.

Diese Beschränkung galt früher schon einmal, wurde aber auf drei Amtszeiten heraufgesetzt, damit der amtierende Präsident Abd al-Aziz Bouteflika länger im Amt bleiben konnte, weil man sonst einen Machtkampf und Probleme wie in anderen arabischen Ländern befürchtete. Dass Bouteflika noch länger im Amt bleibt, galt insofern als unwahrscheinlich, als sich der 79-jährige nach mehreren Schlaganfällen kaum noch in der Öffentlichkeit zeigt.

Außerdem ist der algerische Staatspräsident nun dazu verpflichtet, die Regierungsbildung einem Ministerpräsidentenkandidaten der stärksten Partei zu übertragen. Der aktuelle algerische Ministerpräsident Abdelmalek Sellal, dessen FLN derzeit die stärkste Partei ist, lobte das Paket als "Bollwerk gegen Launen" und als Garantie dafür, dass politischer Wandel durch Wahlen geschieht.

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