Alien-Jagd im 19. Jahrhundert

Der erste Kandidat für außerirdisches Leben war erwartungsgemäß unser nächster Begleiter … Bild: NASA

Ein Kaleidoskop der ungewöhnlichsten Ideen unserer Vorväter, die einst den Kontakt zu außerirdischen Zivilisationen suchten

Das 19. Jahrhundert steht für jene Epoche, in der über außerirdische Intelligenzen viel geschrieben, diskutiert und spekuliert wurde. Es war die Ära der mehrheitlich naiven Ideen und vollmundig angekündigten großen Pläne, um mit Bewohnern auf dem Mond, auf dem Mars oder der Venus zu kommunizieren. Es war das Jahrhundert der optimistischen CETI-Konzepte (Communication with Extraterrestrial Intelligence = Kommunikation mit außerirdischer Intelligenz), die gleichwohl keine echte Chance auf Verwirklichung hatten, weil sie technisch und finanziell kaum realisierbar sowie in wissenschaftlicher Hinsicht kaum sinnvoll waren.

Siegeszug der Außerirdischen

Die Lunar- und Mars-Mania, die Debatte um die Außerirdischen auf dem Erdtrabanten und dem Roten Planeten, die auch teilweise die Venus erfasste, erreichte im 19. Jahrhundert ihren unbestrittenen Höhepunkt. Dem US-Wissenschaftshistoriker Michael J. Crowe zufolge sind zu dem Sujet Leben im All in dem Zeitraum von der griechischen Antike bis zum Jahr 1916 sage und schreibe mehr als 140 Schriften respektive Bücher verfasst worden, wobei die meisten Abhandlungen zu diesem Thema in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erschienen sind. Sie handeln vornehmlich von den Seleniten, den Mondbewohnern, wohingegen in den drei letzten Dekaden des vorletzten Jahrhunderts die Marsmenschen peu à peu Oberwasser gewinnen.

Allein in dieser Ära okkupierten Tausende von Buchbeiträgen, Artikeln, Essays und Buchbesprechungen die Regale der ohnehin schon gut bestückten Bibliothek des Alien-Genres. Dank ihrer „Medienpräsenz“ waren die Außerirdischen laut Crowe schnell in aller Munde.

Von Kapstadt bis Kopenhagen, von Dorpat bis Dundee, von Sankt Petersburg bis Salt Lake City redeten Erdlinge über Außerirdische. Ihre Thesen erschienen in Büchern und Streitschriften, in Groschenblättern und gediegenen Zeitschriften, in Predigten und Bibelkommentaren, in Gedichten und Dramen […] Oxford-Professoren und Observatoriumsdirektoren, Schiffskapitäne und Staatsoberhäupter, radikale Reformer und Ultrakonservative, Wissenschaftler und Weise, Orthodoxe und Heterodoxe – jeder hatte etwas zu sagen.

Michael Crowe

Dass sich just in dieser Ära Wissenschaftler erstmals mit der Frage auseinandersetzten, wie ein direkter Kontakt mit einer fernen Zivilisation zu realisieren sei, mag daher kaum zu verwundern.

Mars mitsamt Polarregion. Auf ihm vermuteten so einige Wissenschaftler intelligente Lebensformen. Bild: NASA