Alle 35 Millionen Jahre wird es gefährlich

Wenn das Sonnensystem durch die Ebene der Milchstraße reist, steigt nach Berechnungen von britischen Astronomen die Wahrscheinlichkeit, dass Kometen mit der Erde kollidieren

Astrobiologie ist, zumindest solange kein Leben jenseits der Erde gefunden wurde, per se ein Feld von Spekulationen. Das trifft insbesondere auch für die Wissenschaftler am Cardiff Centre for Astrobiology zu, wo der Mathematiker Chandra Wickramasinghe die Panspermie-Theorie fortführt, die er zusammen mit dem Astronomen Fred Hoyle entwickelt hat (Leben auf dem Mars oder auf Europa?). Die Theorie besagt, dass das Leben irgendwo im Weltall entstanden ist und beispielsweise durch Kometen auf die Erde gebracht wurde (Leben aus dem Weltall). Und, so die anschließende These, womöglich wird das irdische Leben weiterhin durch Bakterien oder Viren beeinflusst (Grippeviren aus dem Weltall?).

Wissenschaftler am Cardiff Institute unter Leitung von Professor William Napier haben nun eine Simulation der Bewegung unseres Sonnensystems erstellt und so gesehen, dass das Sonnensystem etwa alle 35-45 Millionen Jahre durch die Ebene der Milchstraße bewegt oder vielmehr dabei hin und her springt. Und da auch alle 35-40 Millionen Jahre Kometen für ein bis zwei Millionen Jahre Kometen auf die Erde niederprasseln sollen, könnte dies für die wiederholten Massenaussterben des Lebens verantwortlich sein, beispielsweise für das vor 65 Millionen Jahren, als die Dinosaurier untergingen.

Komet 73P/Schwassmann- Wachmann 3: Fragment B Copyright: NASA, ESA, H. Weaver (APL/JHU), M. Mutchler and Z. Levay

Wenn das Sonnensystem sich durch den dichtesten Teil der Milchstraßenebene bewegt, so die These, lenken die Gravitationskräfte der riesigen Gas- und Staubwolken Kometen aus ihrer, von denen einige ins Sonnensystem geraten und auf die Erde fallen können. Die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenstoßes mit einem Kometen würde sich dann um das Zehnfache erhöhen.

Wir würden uns jetzt allmählich wieder einem solchen Zeitpunkt nähern, an dem das Risiko von Kometeneinschlägen wächst. Aber Napier sieht nicht nur Schlimmes auf die Erde zukommen, wenn das Sonnensystem wieder durch die Milchstraßenebene springt. Einschläge von Kometen könnten, so die Penspermie-These von den kreativen Katastrophen, auch Mikroorganismen auf die Erde bringen, die der Evolution des irdischen Lebens einen neuen Schub geben. Die Studie wird in den Monthly Notices of the Royal Astronomical Society erscheinen.

Chandra Wickramasinghe ist von den Ergebnissen der Simulation und den an sie geknüpften Spekulationen sichtlich angetan. Er sagt, dass diese Studie die Beziehung von Kometen und Leben "auf eine feste Grundlage" stelle und zeige, "wie sich das Leben in einem galaktischen Maßstab verbreiten kann". Je größer die Kometen sind, desto höher ist für Wickramasinghe und Napier auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie Leben mit sich führen könnten. (Florian Rötzer)

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