Alle Jahre wieder: Bankenkrise

Die Europäische Bankenaufsicht stellte die Banca Carige unter Zwangsverwaltung, eine Abwicklung könnte Italien teuer zu stehen kommen

Vor gerade einmal 18 Monaten wurde in Italien - gegen die Abwicklungsrichtlinien - zur Rettung der Absturzbank Monte dei Paschi di Siena (MSR) angesetzt. Nach dem drittgrößten Kreditinstitut des Landes ist mit der Banca Carige nun das zehntgrößte Institut in schweres Wasser geraten und wurde von der Europäischen Zentralbank (EZB) inzwischen unter Zwangsverwaltung gestellt.

Verwunderlich ist das nicht, denn sogar bei den unstressigen Banken-Stresstests, bei denen eigentlich keine Bank durchfallen kann, ist die Carige zuletzt als "anfällig" aufgefallen. Das ist ja schon einmal etwas, da zuvor die Stresstests nicht einmal Banken als anfällig gemeldet hatten, die kurz darauf mit Steuermilliarden gerettet wurden.

Über die Zwangsverwaltung will die Bankenaufsicht, die in der EZB angesiedelt ist, die Stabilität der Bank sichern. Es soll dafür gesorgt werden, dass die Kapitalvorgaben wieder erfüllt werden. Nach dem Stresstest-Ergebnis sollte eigentlich das Kapital erhöht werden. Der Verwaltungsrat des Geldhauses hatte sich einstimmig im Oktober für einen neuen Finanzplan ausgesprochen, der eine Kapitalerhöhung um mindestens eine weitere halbe Milliarde Euro vorsah. Seit 2014 hatte Carige das Kapital schon um 2,2 Milliarden Euro erhöht. Sie kommt aber weiter nicht aus der Verlustzone. In den letzten vier Jahren hat die Carige einen Verlust von etwa 1,5 Milliarden Euro eingefahren, wofür vor allem die vielen faulen Kredite in den Büchern verantwortlich sind.

Allerdings scheiterte die Kapitalerhöhung kürzlich am Widerstand des größten Aktionärs Vittorio Malacalza. Die Familie Malacalza hält 27,5% der Aktien an dem Geldhaus. Blockiert wurde darüber auch die Ausgabe von nachrangigen Anleihen im Umfang von 320 bis 400 Millionen Euro. Daraufhin war die gesamte Führung des Geldinstituts zurückgetreten. Die EZB setzte drei Interimsverwalter und einen Überwachungsausschuss ein, die das Geldhaus übergangsweise führen sollen.

Eigentlich überwacht die EZB eine relativ kleine Bank nicht, die nur eine Bilanzsumme von 24 Milliarden Euro ausweist. Aber man wirft ein besonderes Auge auf die angeschlagenen italienischen Geldhäuser, was als Vorbereitung auf einen neuen Crash gewertet werden kann. Die Initialzündung könnte aus dem drittgrößten Euroland Italien kommen, denn von dem gesamten Volumen fauler Kredite im Umfang von fast 660 Milliarden Euro in Europa sitzen die italienischen Banken allein auf fast einem Viertel. Sie sind deshalb weiter besonders anfällig.

Auch sie leiden weiter unter der Nullzinspolitik der EZB. Allerdings kam für die italienischen Geldhäuser zuletzt die unsägliche Debatte über den Haushaltsentwurf Italiens hinzu. Es folgten Kursverluste an den Börsen - und das wirkt sich auf die Kapitalausstattung aus.

Die Interimsverwalter Pietro Modiano, Fabio Innocenzi und Raffaele Lener sollen nun die Kapitalbasis der Carige stärken und Partner für eine Fusion suchen. Als möglicher Käufer für die Absturzbank wird nach Gerüchten auch die große Mailänder UniCredit gehandelt. Die fällt aber selbst immer wieder wegen hoher Verluste auf, weil auch sie viele faule Kredite schultern musste. Zuletzt war die UniCredit wieder wegen Verlusten in der Türkei-Krise aufgefallen.

Inzwischen wird auch gemeldet, dass es teuer für italienische Banken würde, sollte es ausnahmsweise doch einmal zu der Abwicklung einer Bank wie die Carige kommen. Der italienische Einlagensicherungsfonds (FITD) müsste dann für Sparkonten von bis zu 9,4 Milliarden Euro geradestehen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters mit Bezug auf einen Insider. (Ralf Streck)