Alle Straßen führen zu den Inhalten

Trends 2014: Online Video Streaming

Der Tod des Fernsehens wurde immer wieder vorhergesagt, auch von keinem geringeren als Bill Gates in den ersten Jahren nach dem Beginn des 3. Millenniums, doch es gab noch nie so viel Inhalte wie heute. Blockbuster, YouTube, amerikanische Serien, Video-Plattformen, der Content-Markt boomt mehr denn je. Allerdings dürften sich die Spielregeln, nach denen der TV-Markt in den kommenden Jahren funktionieren wird, ändern.

Unternehmen wie Netflix haben den Video-on-Demand Markt so richtig in Schwung gebracht. Video-on-Demand erschließt sich immer mehr dem Massenmarkt, denn der Kunde kann 365 Tage im Jahr rund um die Uhr die gewünschten Inhalte auf dem Fernseher, dem Laptop oder einem iPad abrufen. Die Höhe der monatlichen Datendownloads dürfte bis 2017 auf 70GB ansteigen. Neue Videokompressionstechnologien wie HEVC (High Efficiency Video Coding) werden die Marktdurchdringung weiter forcieren. Nach Problemen im Jahr 2011 hat sich Netflix wieder erholt und das Unternehmen wächst stärker denn je. Alle Straßen führen zu den Inhalten. Durch die neuen Kooperationen mit Walt Disney Co. ,DreamWorks Animation oder Virgin Media scheint das Kabelfernsehmodell immer mehr der Vergangenheit anzugehören.

Ausblick Deutschland

Der Fernsehmarkt in Deutschland hatte 2012 Umsätze von 13 Milliarden Euro. Das Fernsehen bleibt mit 242 Minuten Nutzungszeit das beliebteste Medium der Deutschen. Getrieben wird hierbei das Marktwachstum von immer mehr internetfähigen Endgeräten, die neue digitale Medienerlebnisse ermöglichen.

Die breitere Medienauswahl verändert hierbei auch das Nutzungsverhalten. So werden iPads über Apple TV als Fernseher genutzt oder diese werden an einen 3D-Fernseher angeschlossen. Das Schlagwort heißt hierbei parallele Nutzung unterschiedlichster Endgeräte und deren drahtlose Kopplung über das bestehende Wifi. Die parallele Nutzung individueller Anwendungen über verschiedene Endgeräte benötigt jedoch hohe Bandbreiten mit sehr guter Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit. Mit Apple TV kann man selbst sein Smartphone an einen Fernseher koppeln und dessen Inhalte auf einen großen Bildschirm bringen. So surfen immer mehr Menschen neben dem Fernsehen, was sich bei Google und sozialen Netzen erkennen lässt. Der Empfänger wird zunehmend auch zum Sender von Inhalten und benötigt deshalb zunehmend höhere Geschwindigkeiten im Upload.

Bei der Bezahlung kann der Kunde unter unterschiedlichen Modellen wählen: vom Bezahlmodell je Nutzung über monatliche Abonnements bis hin zu Internetportalen, es gibt für jeden die passende Lösung. Beim Einzelabruf-Streaming bezahlt der Kunde pro Film oder Serienfolge, während er beim Abo-Streaming von Netflix eine bestimmte Gebühr pro Monat entrichtet.

Neue Vermarktungsmodelle

Bei den sogenannten Unique visitors (UVs) dominiert Netflix den Markt mit einem Durchschnitt von 34.7 Millionen UVs pro Monat. Mittlerweile schauen mehr als 100 Millionen US-Amerikaner Videoinhalte online. Dabei hat das exponentielle Wachstum des Smartphone- und des Tablet PC-Marktes diesen Trend untermauert. Dies wird auch die TV-Vermarktung umkrempeln, die immerhin Umsätze von 64 Milliarden USD pro Jahr erwirtschaftet.

Um die Vermarktung zu steigern, hat AOL ein neues Modell entwickelt. Das Unternehmen ist mit Nielsen eine Kooperation eingegangen, um garantierte Zuschauerzahlen wie in der TV-Industrie anzubieten. Dies dürfte bei der digitalen Videoindustrie zu höheren Vermarktungspreisen führen. AOL, aktuell Nummer 2 hinter Google bei Online Videos, hat sich hier eine gute Ausgangsposition verschafft, um von den zu erwartenden hohen Wachstumsraten zu profitieren. Besonderes der Marktführer Google könnte mit seinen mehr als 150 Millionen UVs hier hohe Umsätze erzielen und sein eigenes Wachstum forcieren. Auch Walt Disney, News Corp. oder Comcast werden davon massiv profitieren.

Inhalte sind der Schlüsselrohstoff in der Welt der Online-Videos. Wer die Inhalte kontrolliert, hat die Marktmacht und wird die Richtung vorgeben. So wird bis zum Jahr 2018 ein Marktvolumen in den größten Märkten USA, China und Italien von 1785, 549 und 481 Millionen USD beim TV on Demand erwartet. (Artur P. Schmidt)