Alpha Kevin, ORAV und skylern

Online-Abstimmung: Langenscheidt sucht das Jugendwort des Jahres 2015

Der Langenscheidt-Verlag lässt seit 2008 jedes Jahr ein Jugendwort des Jahres wählen. Gestern wurden die 30 Halbfinalisten für das Jahr 2015 bekannt gegeben, über die bis 31. Oktober online abgestimmt werden kann. Am 13. November wählt eine Jury dann unter den Bestplatzierten einen Sieger.

Mit 45 Prozent der Stimmen eindeutig in Führung liegt derzeit eine Beleidigung, die sich aus dem ersten Teil des der Verhaltensforschung entnommenen Begriffs "Alphatier" und dem Vornamen "Kevin" zusammensetzt, der exemplarisch für Bildungsferne steht: "Alpha Kevin". Auf Platz zwei folgt mit 16 Prozent das Verb "merkeln", das für "Nichtstun" und "keine Entscheidungen treffen" steht. Den dritten Platz besetzt mit neun Prozent das denglische Substantiv "Earthporn", das ansprechende Landschaftsbilder bezeichnet.

Der lange Weg zum Jugendwort: ORAV 1981

Unter den dreißig Finalisten findet sich auch das Akronym ORAV (Ohne Rücksicht auf Verluste), mit dem der damalige Musiker und Sounds-Autor Xao Seffcheque bereits vor 34 Jahren seine Platten und Texte kennzeichnete. Weniger überraschend ist die Platzierung des Verbs "skylern" ("nerven"), das vom Vornamen von Walter Whites Ehefrau aus der Serie Breaking Bad abgeleitet wurde.

Ein Verb, dessen Bedeutung sich weniger intuitiv erschließt, ist "krimmen". Erst wenn man weiß, dass es von der Halbinsel Krim abgeleitet ist, die Nikita Chrustschow 1954 der Ukrainischen SSR geschenkt hatte, kann man nachvollziehen, warum es mit "Jemandem etwas wegnehmen, was man ihm vorher geschenkt hat" erklärt wird.

Von den in vergangenen Jahren präsenteren Lehnwörtern aus dem Türkischen gibt es dieses Jahr nur eines: "Hayat" ("Leben"), das Langenscheidt mit dem Beispielssatz "Du bist Hayat, ich lieb dich!" präsentiert. Nicht abgenommen hat offenbar die Beliebtheit von Einflüssen aus dem Englischen: Mal werden sie halb übersetzt ("gesichtspalmieren"), mal grammatikalisch angepasst ("threestaren") und manchmal nur etwas in der Bedeutung eingeengt (zum Beispiel bei "Haul", das für einen Großeinkauf steht).

Im letzten Jahr siegte bei der Abstimmung das Kompliment "Läuft bei dir", im vorletzten der aus Gangsterrap-Stücken und CSU-Wahlplakaten bekannte "Babo" ("Chef"). 2012 war das Jugendwort des Jahres das Akronym YOLO (You Only Live Once), 2011 Swag ("Lässig-coole Ausstrahlung"), 2010 das selbst erklärende "Niveaulimbo", 2009 "hartzen" und 2008 die "Gammelfleischparty" für die damals frischen Ü30-Veranstaltungen.

Davor gab es nur die (nicht spezifisch jugendbezogenen) Worte des Jahres, die häufig politische Ereignisse widerspiegeln: 1980 gewann beispielsweise die Rasterfahndung, 1986 Tschernobyl, 1989 die Reisefreiheit, 2002 der Teuro, 2008 die Finanzkrise und 2012 die Rettungsroutine. (Peter Mühlbauer)