Als Deutschland 1914 in den Dschihad zog

Christliches Kriegsgeschrei vom "Heiligen Krieg"

Der Begriff des "Heiligen Krieges" stammt noch aus der griechischen Antike. Im 11. bis 13. Jahrhundert zur Rechtfertigung der Kreuzzüge. Der Begriff kam im 19. Jahrhundert erneut auf zur Mobilmachung in den anti-napoleonischen Kriegen, so etwa durch den Schriftsteller und Historiker Ernst Moritz Arndt.

Im Ersten Weltkrieg erlebte der Begriff in Deutschland eine Renaissance. Anlässlich des Kriegsbeginns hielt Bruno Doehring, einer der vier evangelischen Hof- und Domprediger des Berliner Doms, am 2. August 1914 vor dem Reichstag einen Gottesdienst vor mehreren zehntausend Gläubigen ab. In seiner Predigt war nichts von der Feindesliebe à la Bergpredigt zu hören, stattdessen forderte der evangelikale Pastor - in Anlehnung an die Lehre vom "gerechten Krieg" - zum "Heiligen Krieg" auf:

Ja, wenn wir nicht das Recht und das gute Gewissen auf unserer Seite hätten, wenn wir nicht - ich möchte fast sagen handgreiflich - die Nähe Gottes empfänden, der unsere Fahnen entrollt und unserm Kaiser das Schwert zum Kreuzzug, zum heiligen Krieg in die Hand drückt, dann müssten wir zittern und zagen. Nun aber geben wir die trutzig kühne Antwort, die deutscheste von allen deutschen: Wir Deutschen fürchten Gott und sonst nichts auf der Welt!

Bruno Doehring

Doehring machte später Karriere als erzkonservativer Politiker der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) und Professor der Humboldt-Universität und gilt als einer der Erfinder der Dolchstoßlegende.

Dabei war Doehring kein Einzelfall, sondern typisch für den damaligen "Nationalprotestantismus". Der Religionspädagoge und spätere Superintendent Dietrich Vorwerk veröffentlichte 1914 sein Kriegsliederheft "Hurra und Halleluja". Darin hatte er auch das "Vaterunser" zu einem "Kriegsvaterunser" umgedichtet mit folgenden Worten:

Eile, den Deutschen beizustehen,
Hilf uns im heiligen Kriege! (...)
In die Versuchung führe uns nicht,
Dass unser Zorn dein Gottesgericht
Allzu milde vollendet!
Uns und unserem Bundesfreund
Gib Erlösung vom höllischen Feind
Und seinen Dienern auf Erden!
Dein ist das Reich, das deutsche Land;
Uns muss durch deine gepanzerte Hand
Kraft und Herrlichkeit werden!Dietrich Vorwerk

Und Lazarettpfarrer Paul Althaus verkündete: "Wir stehen mit Gott in diesem Krieg als seine Diener zum Tun seines Willens berufen und gedrungen. Darum ist es ein heiliger Krieg (…) Kriegsdienst ist für jeden, der ihn mit reinem Herzen tut, Gottesdienst."

Im Jahre 1933 begrüßte Althaus die Machtergreifung der Nationalsozialisten als "Geschenk und Wunder Gottes". Er wurde Professor für Theologie an den Universitäten in Rostock und Erlangen und Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Der Berliner Gemeindepfarrer Dr. Dr. Adolf Schettler veröffentlichte 1915 seine morbide Schrift "In Gottes Namen Durch - für die deutschen Streiter in Heer und Flotte":

Jesus, Gottes Sohn, in der Nacht da er verraten war, brach das Brot, spendete den Wein zum Zeichen, daß sein Tod ein Opfer sei: für euch gegeben und vergossen. Wer immer sein Leben im heiligen Kampf einsetzt, kämpft unter dem Banner Jesu, folgt seinen Fußstapfen, und über seine Treue schwebt die Verheißung: Gott mit uns. (…)

Der Soldat soll totschießen, soll dem Feind das Bajonett in die Rippen bohren, soll die sausende Klinge auf den Gegner schmettern. Das ist seine heilige Pflicht. Ja, das ist Gottesdienst. Denn der ihn auf den Platz gestellt hat, daß er dem Guten und dem Rechten zum Siege verhelfe, das ist Gott. Wer nicht schießt, wenn er schießen sollte, ist ein Schurke. (…)

Der Soldat stirbt für seine Pflicht. Das Gebot lautet nicht nur: 'Gehe hin und töte'. Sondern auch: 'Gehe hin und lass dich töten'. (…) Wer für seine Pflicht stirbt, stirbt im Dienste Gottes. (...)

Wir müssen so aus dem Kampf hervorgehen, dass auf hundert Jahre unseren Gegnern die Lust vergangen ist, mit Deutschland wieder anzubinden.

Adolf Schettler
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