Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen

Plakat: Initiative gegen Lichtverschmutzung

Städtische Lichtverschmutzung hat einen Einfluss auf die Luftverschmutzung

Exzessive nächtliche Beleuchtung, wie sie gerade jetzt zur Weihnachtszeit wieder rasant zunimmt, stört nicht nur Astronomen, sie kann auch zur Luftverschmutzung beitragen, wie eine wissenschaftliche Studie der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) in Zusammenarbeit mit dem Institute for Research in Environmental Sciences (CIRES) an der Universität von Colorado darlegt.

Diese Erkenntnis wurde auf dem Treffen der American Geophysical Union in San Francisco am vergangenen Montag veröffentlicht; ihrzufolge können Lichter zur Außenbeleuchtung, die für die typische nächtliche Lichtglocke über den Städten verantwortlich sind, chemischen Reaktionen negativ beeinflussen, die allnächtlich die Luft auf natürliche Weise reinigen.

Jede Nacht werden chemische Verbindungen aus Abgasen und anderen menschlichen Quellen mit Hilfe von Stickstoffoxid "gecrackt" und auf diese Weise daran gehindert Smog, Ozon oder andere Reizstoffe zu bilden. Sonnenlicht zerstört dieses als Radikal wirkende Gas auf natürliche Weise, so dass die Reaktion nur in den Nachtstunden stattfinden kann.

Bei Messungen über Los Angeles mit Hilfe von Flugzeugen wurde nun entdeckt, dass die Lichtverschmutzung die Bildung und Wirkung dieses Radikals ebenso zu unterdrücken imstande ist, wie Sonnenlicht. Obwohl das künstliche Licht nur ein zehntausendstel der Helligkeit des Sonnenlichtes besitzt, ergaben die ersten Ergebnisse der Studie, dass das Stadtlicht bis zu 7% der Reinigungsleistung von Stickoxid unterbindet und dadurch eine Zunahme von Verbindungen wie Ozon am kommenden Tag bis zu 5% verursacht wird.

Da jetzt schon zahlreiche Städte die Höchstgrenzen bei den Ozonwerten erreichen, könnte diese Nachricht mehr Aufmerksamkeit auf die Lichtverschmutzung richten, wenn es darum geht, die Luftverschmutzung zu reduzieren und die Luftqualität in den Städten zu verbessern. „[Dieser Effekt] ist in höheren Luftschichten wichtiger als direkt in Bodennähe“, so der NOAA-Wissenschaftler Harald Stark in den BBC News. "Wenn es also gelänge, die Lichtquellen so auszurichten, dass sie in Richtung Boden strahlen anstatt nach oben, könnte der Effekt dadurch bereits merklich reduziert werden."

Bob Parks, der geschäftsführende Direktor der International Dark-Sky Association (IDA), hofft das die Forschungsergebnisse die Stadtverwaltungen dazu bringen, umweltbewusstere Praktiken der künstlichen Beleuchtung zu verwirklichen, etwa indem nach oben abgeschirmte Strahler oder niedrigere Lichtstärken benutzt werden und die Zahl der künstlichen Lichter grundsätzlich auf das Notwendigste reduziert wird. „Der bevorstehende Wechsel zur LED für die Außenbeleuchtung ermöglicht es den Städten zusätzlich anpassungsfähige Beleuchtungskontrollen oder Dimmer einzusetzen beziehungsweise die Lichter ganz auszuschalten,wenn sie nicht benötigt werden. Damit würde nicht nur die gewaltige Energieverschwendung reduziert, sondern – basierende auf den Ergebnissen der neuen Studien – die Luftqualität verbessert. Damit würde IDAs langjähriges Ziel die nächtliche Illumination zu reduzieren, unterstützt“, so Parks.

Seit dem Jahr 2008 führt die IDA jährlich Informationsveranstaltungen vor beiden Häusern des US-Kongresses durch, um das öffentliche Bewusstsein für die Lichtverschmutzung zu sensibilisieren. Nach der Veranstaltung 2008 haben elf Kongress-Mitglieder einen Aufruf des EPA-Administrators Jonson, in dem zur Erforschung der und Aufklärung über die ökologischen, gesundheitlichen und Sicherheitseffekte künstlicher Nachbeleuchtung aufgerufen wurde. Am 9. Oktober 2009 wurde die EPA im Rahmen des Clean Air Act beauftragt die Lichtverschmutzung zu untersuchen um die Verfärbung des nächtlichen Himmels kontrollieren und reduzieren zu können. (Stefan Höltgen)

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