Amazon will mit Mini-Drohnen ausliefern

Mit der neuen Methode könnten bestellte Waren innerhalb von 30 Minuten beim Kunden ankommen

Amazon-Chef Jeff Bezos hat in der CBS-Fernsehshow 60 Minutes Prime-Air-Octocopter vorgestellt, die Waren ohne Personaleinsatz ausliefern. Bislang werden die Mini-Drohnen nur in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung des mindestens 25 Milliarden US-Dollar schweren Konzerns getestet.

Ein Praxiseinsatz vor 2015 ist aufgrund eines Genehmigungsverfahrens bei der US-Luftfahrtbehörde FAA ausgeschlossen. Bezos rechnet damit, dass die Geräte in vier bis fünf Jahren im regulären Geschäftsbetrieb zum Einsatz kommen. Mit einem Octocopter können Pakete mit einem Gewicht von bis zu zweieinhalb Kilogramm innerhalb von 30 Minuten zugestellt werden, wenn das nächste Amazon-Lager nicht mehr als 16 Kilometer entfernt ist – eine Voraussetzung, die in den USA mittlerweile auf zahlreiche großstädtische Gebiete zutrifft.

Amazon Prime Air

Logistikunternehmen wie DHL waren bislang nicht für Stellungnahmen zum Amazon-Octocopter zu erreichen, dürften aber über die Ankündigung wenig erfreut sein. Sie verdanken ihr Wachstum in den letzten Jahren vor allem der zunehmenden Beliebtheit des Internet-Versandhandels. Bei der Auslieferung orientieren sie sich diese Unternehmen immer noch an den wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen des 20. Jahrhunderts, als Ehefrauen im Regelfall nicht berufstätig waren und tagsüber Pakete in Empfang nehmen konnten.

Eine individuelle Vereinbarung von Lieferterminen steckt trotz entwickelter Software noch in den Kinderschuhen und die Abhollager, in denen die Dienstleister Warensendungen nach fehlgeschlagenen Zustellversuchen bringen, sind häufig weit entfernt vom Wohnort des Empfängers und mit öffentlichen Verkehrsmitteln ausgesprochen schwer erreichbar. Aus diesen Gründen verzichten viele potenzielle Versandhandelskunden auf Online-Bestellungen und kaufen ihre Waren lieber in Geschäften ein. Verbessert sich die Zustellflexibilität durch die Octocopter entscheidend, dann könnte Amazon auch diese Gruppe von Verbrauchern überzeugen.

Für die Konkurrenz zeigt Bezos im Interview mit 60 Minutes wenig Mitleid: Einzelhandelsgeschäfte kämpfen ihm zufolge nicht gegen Amazon, sondern "gegen die Zukunft". Die wird seiner Ansicht nach irgendwann einmal auch sein eigenes Unternehmen zwangsläufig auffressen – allerdings möchte er diesen Zeitpunkt so weit wie möglich hinauszögern, indem er Amazon ständig "neu erfindet": So wurde aus dem einstigen Online-Buchhändler ein Warenhaus, ein eBook-Verleger, ein Anbieter von Cloud-Infrastruktur und neuerdings auch ein Produzent von Fernsehserien wie Alpha House, einer Single-Kamera-Comedy über vier Senatoren, bei der die Crowd die Beurteilung von Drehbuchideen übernimmt.

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