Amazon zahlt Steuern - mit einem Steuersatz von 1,2 Prozent

Gerade hat Jeff Bezos mehr als 1,8 Milliarden US-Dollar durch Aktienverkäufe eingenommen, Amazon versucht sich als braver Steuerzahler darzustellen

2017 und 2018 hat Amazon in den USA keinen Cent an Einkommenssteuern gezahlt, dafür aber Steuerrückerstattungen von 137 bzw. 129 Millionen US-Dollar erhalten. Dafür aber hat Jeff Bezos mit seinem Konzern 2018 mehr als 11 Milliarden an Gewinnen erwirtschaftet. 2019 ist das ein bisschen anders geworden, aber der Konzern musste auch gerade einmal 162 Millionen US-Dollar an Steuern zahlen. Das entspricht bei Gewinnen von 13 Milliarden gerade einmal einem Steuersatz von 1,2 Prozent, so CNBC.

Allerdings scheint Amazon und vor allem sein Besitzer Jeff Bezos zunehmend auch in den USA unter Kritik geraten - weil der Konzern eben kaum Steuern zahlt, obgleich sein Aktienwert gerade über eine Billion US-Dollar wie Apple, Microsoft und Google angestiegen ist, und weil Bezos mittlerweile zum reichsten Menschen der Erde wurde. Zwischen 31. Januar und 3. Februar hat Bezos 905.456 Anteile an Amazon-Aktien verkauft, was ihm in ein paar Tagen 1,82 Milliarden US-Dollar einbrachte.

Letztes Jahr hatte er schon für 3 Milliarden US-Dollar Aktien verkauft, angeblich um das Geld in seine Weltraumfirma zu setzen, die in Konkurrenz mit SpaceX des Multimilliardärs Elon Musk steht. Beide hoffen auf das große Weltraumgeschäft und wollen in den nächsten Jahren in erdnahe Umlaufbahnen Tausende von Satelliten bringen, die den Weltraum vermüllen, zumal das Pentagon und andere Firmen ebenfalls ihre Satellitennetze einrichten wollen (Auch Amazon will Tausende von Satelliten in eine Umlaufbahn schicken, SpaceX will weitere 30.000 Satelliten in Umlaufbahn bringen).

Wenn etwa Bernie Sanders oder Elizabeth Warren es tatsächlich schaffen sollten, die US-Präsidentschaft zu erreichen, würde nach ihren geplanten Steuerreformen, die eine Reichensteuer vorsehen, schon alleine deswegen 9 bzw. 6 Milliarden US-Dollar mehr an Steuern jährlich zahlen müssen. Beide Kandidaten wollen auch die Besteuerung von Aktienverkäufen deutlich heraufsetzen. Davor kann Bezos nur Trump oder vielleicht auch Biden oder Bloomberg schützen (Oligarchie im Panikmodus).

Am 31. Januar hat Amazon, wahrscheinlich nicht zufällig zur Zeit der erneuten Aktienverkäufe von Bezos, noch seine Erfolgsgeschichte erzählt. Er sei als kleines Startup gestartet, habe beständig für seine Kunden Erfindungen gemacht und sei nun zum zweitgrößten und am schnellsten wachsenden Arbeitgeber der USA geworden. Man habe viele Hunderte von Milliarden in Gebäude, Technik und Cloud-Infrastruktur investiert, auch "in Solar- und Windfarmen, ökologischer Ausrüstung und Maschinerie". Der doch so auch grün gesinnte Konzern habe mit 2 Millionen Jobs im letzten Jahrzehnt mehr Jobs in den USA als jede andere Firma geschaffen. Dabei zählt Amazon zu den 500.000 Arbeitsstellen beim Konzern die indirekten Jobs in anderen Firmen mit, die mit ihm Geschäfte machen.

Was die Steuern betrifft, gibt sich Amazon natürlich rechtschaffen, muss aber sicherheitshalber hinzufügen, dass der US-Kongress Steuergesetze eingeführt hat, "die die von Amazon praktizierte Art der Arbeitsplatzschaffung, der Kapitalinvestition, der Technikentwicklung und der Mitarbeiterbeteiligung fördern, weil das die entscheidenden Antriebe einer prosperierenden Wirtschaft sind". Weiter werden die geringen Steuerzahlungen dadurch gerechtfertigt, dass man sich ja an die Gesetze halte und die Steuerabgaben "eine Widerspiegelung unserer fortgesetzten Investitionen, der Gehälter unserer Angestellten und der gegenwärtigen Steuerregeln" seien.

So heißt es, Amazon habe 2019 über eine Milliarde an Einkommenssteuern bezahlt. Bezahlt wurden aber eben nur 162 Millionen, 914 Millionen, die der Konzerne aber dazurechnet, wurden zurückgestellt, also (noch) nicht gezahlt. Durch die Zurückstellung der Steuer lässt sich der zu versteuernde Gewinn reduzieren. Den Trick setzt der Konzern offenbar seit der "Steuerreform" von Donald Trump, die ab 2018 die Unternehmenssteuer von 35 Prozent auf 21 Prozent senkte, stärker ein, 2018 wurden erst 565 Millionen zurückgestellt.

Kritik an den Trumpschen Steuergesetzen war stets, dass sie Geschenken für die Reichen darstellen, Trump hatte behauptet, die Steuersenkung würde mehr Jobs schaffen und so durch den Trickle-down-Effekt die sinkenden Steuereinnahmen bei weitem wieder wettmachen (Trump: "Ich bin der König der Schulden").

Amazon fabriziert beim Weißwaschen weiter Fake News. Man habe sogar insgesamt 9 Milliarden US-Dollar 2019 gezahlt, wird suggeriert. Abgesehen von den 162 Millionen sind das allesamt Steuergelder, die nicht direkt der Konzern zahlt, sondern beispielsweise seine Angestellten oder die Umsatzsteuer von Händlern, die über Amazon Waren verkaufen. Überdies beansprucht Amazon Steuervorteile, da, wie er erklärt, "überschüssige aktienbasierte Vergütungen und beschleunigte Abschreibungen" das zu versteuernde Einkommen mindern. (Florian Rötzer)