Amerika spielt Monopoly, Russland spielt Schach

König Donald beschwerte sich umgehend über dieses Datenleck, was man ihm in diesem Fall nur übel nehmen kann, wenn man das Belauschen von Mitgliedern der königlichen Regierung durch königseigene Lauscher für normal und die Weitergabe des Belauschten an die Öffentlichkeit für üblich hält.

Einigen fiel in diesem Zusammenhang sofort der berühmte Pfeifenbläser Edward Snowden ein, den die Meister der Intelligence um den ganzen Erdball gejagt hatten, bis ihm Wladimir in seiner Hauptstadt Asyl gewährte. Der mutige Ed hatte anhand von Daten, die er aus den Tiefen des Reichs entwendet hatte, aufgezeigt, dass die Meister der Intelligence mit ihren Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen systematisch gegen sämtliche höchsten Gesetze des Königreichs verstießen.

Weil die Meister das für Verrat hielten, wollten sie ihn dafür lebenslang im Kerker schmachten sehen. Für sich selbst sahen sie dort aber keine Verwendung, obwohl sie gerade einen viel übleren Verrat begangenen hatten. Anders als der mutige Ed, den fast alle Leute als Held ansahen, weil er die Verbrechen der Intelligence aufgedeckt hatte, hatten die feigen Meister aus dem Hinterhalt ihren eigenen König verraten und seinen Chefstrategen ans Messer geliefert. Und anders als Ed, der kriminelle Machenschaften offenbarte, ging es den Meistern bei ihrem Verrat um nichts anderes, als einen ihrer politischen Gegner auszuschalten.

Zusammen mit dem General hatte König Donald bekanntlich vor, mit dem Ultrabösen "klar zu kommen" - statt die Spannungen weiter zu eskalieren -, um sodann mit vereinten Kräften dem Wickelmützen-Kalifat ISIS den Garaus zu machen, statt diese islamistischen Terroristen weiterhin als verdeckte Söldner-Truppe zu fördern. Mit dieser Strategie hatten die Meister ja seit langem operiert und nicht nur ihr eigenes Budget, sondern auch das für den gesamten Bereich, den König Ike einst den "militärisch industriellen Komplex" genannt hatte, Jahr für Jahr kräftig erhöht. Dieser "Great War On Terror", wie sie die Operation nannten, war eine geniale Geldmaschine, denn ein definiertes Ziel des Kriegs gab es genauswenig wie ein Ende, denn Terror konnte ja mit Krieg genauso wenig beendet werden wie Feuer mit Benzin.

Die zweite wichtige Quelle, aus der beständig Geld für die Meister und ihre befreundete Gilde der Waffenschmiede floss, war die Angst vor dem "aggressiven Ultrabösen", die man auch "Russophobie" nannte und die in Zeiten des Eisernen Vorhangs erfunden worden war. Dass König Jack, den alle nur JFK nannten, diesen Kalten Krieg damals beenden und die Macht der unsichtbaren Meister in den Tiefen des Staats zerschlagen wollte, sahen viele im Königreich als den eigentlichen Grund für seine Ermordung an.

Weil nun die angekündigte Politik König Donalds und seines Chefstrategen die beiden wichtigsten Fleischtöpfe der Meister bedrohte, hatten sie ihm schon vor seiner Inauguration durch den berühmtesten Herold, die alte Tante "Times", ausrichten lassen: "Könige, die sich mit den Meistern anlegen, leben gefährlich" - wovon Donald sich aber nicht beirren lies. Die Art und Weise, wie sie jetzt seinen wichtigsten Berater beseitigten, zeigt ihm aber, dass die Einschläge näher kommen.

Vor Schreck schwenkte er dann gleich auf Rhetorik der Meister ein und ließ die illusorische Forderung verkünden, dass Wladimir die zum ihm übergelaufenen Bewohner der Krim samt ihrer Halbinsel an die Ukraine zurückgeben müsse. In seiner jüngsten Pressekonferenz allerdings betonte er wieder mehrfach, wie vorteilhaft es für das Land sei, mit dem Ultrabösen zu reden und klar zu kommen.

Anders als damals bei König Jack, dessen Anstrengungen einer Deeskalation des Kalten Kriegs vor allem von den Leuten im Königreich unterstützt wurden, die man "Liberale" oder "Linke" nannte - während sogenannte "Konservative" und "Rechte" zusammen mit den Meistern der Intelligence und den Waffenschmieden auf Konfrontation und Bomben setzten -, hat sich die Lage unter König Donald um 180 Grad gedreht. Den unsichtbaren Meistern ist der Coup gelungen, die von der Epidemie des Anti-Donald Syndroms (ADS) infizierten "Liberalen" und "Linken" zusammen mit ihren mächtigen Herolden und Lautsprechern ins Boot zu holen, wo sie nun gemeinsam mit den Waffenschmieden der Russophobie huldigen und das Märchen von Wladimirs gefährlicher Unterwanderung des Königreichs immer weiter spinnen.

Dass einer wie Donald überhaupt auf den Thron kommen konnte, hatte ja schon viele gewundert. Die merkwürdige Koalition, die nun gegen seine Regentschaft geschmiedet wurde, war aber noch wundersamer: Die Freunde der Freiheit und der Demokratie arbeiteten jetzt mit Leuten und Methoden, die sie bisher als absolute Feinde der Freiheit und Demokratie betrachtet hatten. Die Anhänger des Fortschritts, des Friedens und der Transparenz zogen mit Big Brother, den Dunkelmännern des Tiefenstaats, an einem Strang. Der disruptive Donald hatte im exzeptionalistischen Königreich wirklich einiges durcheinander gebracht ...

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