Amerikaner erwarten ein Land im politischen, wirtschaftlichen und weltpolitischen Niedergang

Nach einer Umfrage ist das Vertrauen gering, dass Amerika wieder groß wird, Politiker werden als unfähig gesehen, die großen Probleme zu lösen

Donald Trump, der siegreich aus der "Hexenjagd" hervorgegangen ist, hat immer verkündet, er werde Amerika wieder groß machen. Nach Gallup sind allerdings Anfang März gerade einmal 37 Prozent mit ihm als Präsidenten zufrieden. Bei Trumps Lieblingsmeinungsforschungsinstitut Rasmussen erzielt er bei Amerikanern, die wählen wollen, 50 Prozent.

Eine gerade veröffentlichte Umfrage von NPR/PBS NewsHour/Marist kommt auf 42 Prozent, nur 36 Prozent, das sind die harten Trump-Fans, sehen ihn nach dem Mueller-Bericht als völlig unbelastet, also so, wie er sich selbst sieht. Laut einer Umfrage nach dem Ende der Mueller-Ermittlungen sind es 45 Prozent, der Mueller-Bericht hat daran nichts verändert. Am meisten Zuspruch findet er für die Schaffung von Jobs und für seine Wirtschaftspolitik überhaupt.

Pew hat Ende Dezember 2018 eine kürzlich veröffentlichte Umfrage zur Stimmung unter den Amerikanern durchgeführt, die erkennen lässt, dass die Meisten kaum sehen, wie Amerika mit Trump wieder groß werden könnte. Wenn sie gefragt werden, wie es mit den USA in 30 Jahren aussehen wird, erwarten sie, wie Pew schreibt, ein Land im politischen, wirtschaftlichen und weltpolitischen Niedergang.

60 Prozent sagen, die USA werden 2050 weniger wichtig sein, 73 sind überzeugt, dass sich die Kluft zwischen Arm und Reich vertieft, 65 Prozent gehen von einer weiteren politischen Polarisierung aus. Die Staatsverschuldung wird steigen, aber auch die Zahl der Arbeitslosen durch Automatisierung. Die Wirtschaft wird stottern, die medizinische Versorgung noch teurer sein, die Umwelt wird weiter zerstört und die Möglichkeit, täglich über die Runden zu kommen, beschwerlicher. Selbst wenn sie in Rente gehen, erwarten die meisten eine geringere, über 40 Prozent gar keine Rente, bei den jüngeren Menschen unter 50 Jahren geht fast die Hälfte davon aus. 83 Prozent sagen, dass 2050 die meisten auch in ihren 70er Jahren noch arbeiten müssen.

87 Prozent glauben nicht an die Kompetenz von Politikern

Das ist auch eine Folge davon, dass Vertrauen in die Politiker gering, wenn überhaupt vorhanden ist. 48 Prozent zweifeln sehr an der Fähigkeit der Politiker, die großen Probleme zu lösen, 39 Prozent ziemlich. Nur 12 Prozent sind nicht sonderlich beunruhigt, davon "gar nicht" 2 Prozent. Aber wenn 87 Prozent den Politikern nicht zutrauen, angemessen handeln zu können, ist letztlich auch das Vertrauen in die demokratischen Strukturen erodiert oder implodiert. Dazu sind keine russischen Medien, Beeinflusser und Hacker notwendig.

Die Unzufriedenheit mit dem Kurs der USA ist so hoch wie in den 1990er Jahren und wieder am Ende der Präsidentschaft von George W. Bush. Jetzt sind 70 Prozent damit unzufrieden, wie die Dinge in den USA laufen. Und das, obwohl knapp die Hälfte meint, es gehe für die nächste Zeit mit der Wirtschaft aufwärts und dass es für ihre persönlichen Finanzen besser aussehen werde. 60 Prozent sagen auch - ein Rekordwert -, dass es leichter geworden sei, einen Job zu finden. Aber das sind kurzfristige Aussichten, auf die Länge ist man düster gestimmt.

Bis 2050 werden die Weißen nicht mehr die Mehrheit der Bevölkerung sein. 38 sehen darin eine Schwächung der amerikanischen Kultur - natürlich vorwiegend Weiße -, 30 Prozent eine Stärkung. 2050 wird die Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung vermutlich auch über 65 Jahre alt sein, was 56 Prozent Sorgen bereitet. In vielen Hinsichten bestätigt sich der Graben zwischen den politischen Lagern.

Das Vertrauen in die Politik ist gering, aber 87 Prozent glauben, dass Wissenschaft und Technik einen positiven Einfluss haben werden. Die Amerikaner setzen auch auf bessere Bildung, bei den Demokraten sind 66 Prozent der Meinung, der Staat müsse mehr Geld in die Bildung investieren, bei den Republikanern nur 40 Prozent. Gleichzeitig zweifeln 77 Prozent, ob die öffentlichen Schulen eine ausreichende Bildung gewährleisten können, auch nur 34 Prozent meinen trotz der Hoffnungen auf die Wissenschaft, dass vermehrte Ausgaben für diese wichtig sind. Nur 41 Prozent sind über die Klimaerwärmung besorgt, bei den Republikanern sind es 15, bei den Demokraten 61 Prozent. Bei den Republikanern gehen aber auch 43 Prozent aus, dass die Umwelt weiter zerstört wird, bei den Demokraten sind es 70 Prozent.

Aber irgendwie will man doch nicht alles schwarz malen. 56 Prozent sind trotz aller Bedenken optimistisch für die USA 2050, 44 Prozent sind pessimistisch. Wie zu erwarten, sehen deutlich mehr Weiße, deren Dominanz schwindet, die Zukunft düster, während es bei den Latinos und den Schwarzen eine überwiegende Mehrheit optimistisch ist. (Florian Rötzer)