Amerikanische und westeuropäische Rüstungskonzerne dominieren den Markt

Thunderbird F-16 Fighting Falcons mit einer F-35A Lightning II. Bild: DoD

Nach den Rüstungsausgaben und den Waffenverkäufen ist die "russische Gefahr" nicht sonderlich hoch, westeuropäische Rüstungskonzerne erleben einen Boom

Bewaffnete Konflikte und Spannungen, die zu solchen werden könnten, sind immer auch Geldmaschinen für die Rüstungsindustrie und die Länder, in denen sie angesiedelt sind. Kriege dienen bekanntlich zudem als Möglichkeiten, neue Waffensysteme zu testen und möglichen Interessenten vorzuführen. Es können letztlich auch staatliche Konjunkturprogramme sein, die Arbeitsplätze im Militär und vor allem in der Rüstungsindustrie erhalten und schaffen sowie für Steuereinnahmen sorgen.

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Die US-Rüstungsunternehmen, die Waffen und militärische Dienstleistungen anbieten, dominieren trotz leichter Rückgänge weiter den Markt. Aber auch westeuropäische Rüstungskonzerne gehören zu den größten Unternehmen. Amerikanische und westeuropäische Länder sind zusammen für mehr als 80 Prozent der Waffenverkäufe der 100 weltweit größten Rüstungskonzerne verantwortlich, wie das Friedenforschungsinstitut Sipri berichtet.

Vor wenigen Tagen hatte Sipri auf eine erstaunliche Tatsache noch einmal hingewiesen und mit Zahlen belegt. Man sollte ja meinen, dass die Rüstungsausgaben der USA im Kalten Krieg höher gewesen waren als nach dessen Ende. Sieht man die Daten an, die Sipri vorstellt, dann ist tatsächlich unter der Präsidentschaft von Reagan, also während des enormen Rüstungs- und Überbietungswettlaufs, eine Spitze der Ausgaben, umgerechnet in konstanten Dollar-Preisen von 2014, seit 1949 erzielt worden. Reagan übertraf mit seiner Aufrüstung die Spitze der Ausgaben im Korea-Krieg und auch im Vietnam-Krieg.

Nach dem Ende der Sowjetunion und des Kalten Kriegs fielen die Ausgaben stetig bis 2000. Allerdings auf keinen Tiefstand, sondern auf eine mittlere Höhe in den Zeiten des Kalten Kriegs. Schon ab der Präsidentschaft von George W. Bush waren die Ausgaben wieder in Höhe geklettert, um dann mit 9/11, dem Krieg in Afghanistan, gefolgt von dem im Irak stetig rasant anzusteigen. Während auf der Höhe des Koreakriegs um die 450 Milliarden US-Dollar an Militärausgaben getätigt wurden und diese im Vietnamkrieg auf 550 Milliarden anstiegen, wurde 2010 mit 800 Milliarden mehr als jemals zuvor seit 1949 für den so genannten "Globalen Krieg gegen den Terror" (GWOT) ausgegeben, der allerdings unter Barack Obama erst einmal so nicht mehr genannt werden sollte. Immerhin sanken dann nach der Finanzkrise und nach dem ersten Abzug der Kampftruppen aus dem Irak und der meisten aus Afghanistan die Ausgaben kontinuierlich bis 2015. Das klingt allerdings besser, als es der Wirklichkeit entspricht, denn die Ausgaben hielten sich etwa auf der Rekordhöhe, die Reagan erreicht hatte.

Sieht mal allerdings auf den Anteil am BIP, so waren die Ausgaben mit 13 Prozent des BIP im Koreakrieg am höchsten, im Vietnam-Krieg lagen sie zwischen 5 und 9 Prozent, unter Reagan erreichten sie 6 Prozent, 2010 lagen sie bei 4,7 Prozent. In Deutschland waren die Ausgaben 1990 am höchsten, was mit der Wiedervereinigung zusammenhängen dürfte, um dann kontinuierlich zu sinken. Erst 2015 kehrte sich der Trend um, allerdings blieb der Anteil am BIP bei 1,2 Prozent. In den sechziger Jahren lagen die Ausgaben der BRD im Verhältnis zum BIP mit bis zu 5 Prozent am höchsten.

In Russland waren die Ausgaben, die Sipri erst ab 1988 ermittelte mit Schwankungen zwischen 3 und 4 Prozent am BIP, ab 2011 stiegen sie an und lagen 2015 bei 5,4 Prozent. Das entspricht in US-Dollar (2014) 91 Milliarden, was die viel beschworene "russische Gefahr" doch ziemlich relativiert. In Deutschland lagen die Ausgaben im Vergleich bei 47 Milliarden, in den USA bei 595 Milliarden. Für China weist Sipri nur Schätzungen aus, wobei die Ausgaben kontinuierlich zugenommen haben und jetzt bei 214 Milliarden US-Dollar liegen könnten. Das entspräche allerdings 1,9 Prozent des BIP, so dass die Militärausgaben im Verhältnis zum BIP seit Jahren in etwa gleich blieben.

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