Amerikanisches Rohöl wird in Golfstaaten exportiert

Der Kauf von leichtem amerikanischem Rohöl durch die Vereinigten Arabischen Emirate kann als Symbol für die Veränderungen der Energie- und Geopolitik gesehen werden

Jahrzehnte war eine zentrale Position der amerikanischen Geopolitik, den Einfluss im Nahen Osten zu sichern, um damit die Versorgung mit Erdöl zu garantieren. Noch der Einmarsch in den Irak hat damit zu tun, obgleich sich bislang die Vorstellung nicht erfüllte, dass die großen Ölressourcen des Landes zugunsten der amerikanischen Konzerne erschlossen würden und die Einnahmen in den Wiederaufbau des Landes wieder zugunsten der US-Wirtschaft fließen. Das Öl fließt bis jetzt nicht in der erwarteten Größenordnung, Bagdad steht überdies stark unter iranischem Einfluss.

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Vermisst wurde das irakische Öl auf dem Weltmarkt nicht, zumal die Preise sowieso eingebrochen sind. Das geschah nicht zuletzt dadurch, dass die USA mit billigem Fracking-Öl und -Gas die Märkte überfluteten und mit Lieferung von Schiefergas versuchen, Russland aus Europa zu drängen. Überdies reduzierte sich die Abhängigkeit der USA von Erdölimporten seit 2006 kontinuierlich. Während die USA 2013 erst 100.000 Barrel exportierten, waren es letztes Jahr bereits 1,53 Millionen. Dagegen sank der Import von täglich 12 Millionen Barrel im Jahr 2016 auf jetzt nur noch 3 Millionen.

Unter Druck von Saudi-Arabien hatte die Opec die Fördermenge erhöht, was 2015 den Preis noch einmal einbrechen ließ. Das traf kurzfristig die amerikanische Fracking-Produktion, es mussten Löcher geschlossen werden und die Förderung ging im Sommer 2016 zurück, aber mit verbesserter Technik konnte die Fracking-Förderung verbilligt und Fracking-Öl schnell wieder konkurrenzfähig gemacht werden. Seit Februar 2017 wurden wieder über 9 Millionen Barrels täglich produziert, in der ersten Februarwoche 2018 wurde erstmals die 10 Millionen-Marke überschritten. Die US-Energieagentur EIA sagt voraus, dass 2019 bereits mehr als 11 Millionen Barrel täglich gefördert werden. Die Versuche der Opec, die Fördermenge zu drosseln, um den Preis zu steigern, wird daher u.a. von den USA unterlaufen, auch wenn sie seit Mitte 2017 langsam wieder angestiegen sind.

2016 importierten die USA nur noch 25 Prozent ihres Verbrauchs, 1977 waren es noch 70 Prozent, vorwiegend aus Opec-Ländern, allen voran Saudi-Arabien. 2016 wurde das meiste Öl aus Kanada importiert, Saudi-Arabien steht noch an zweiter Stelle. Überdies wurden die USA zum Nettoexporteur von Erdöl und Ölprodukten vor allem nach Mexiko, Kanada, den Niederlanden, Brasilien und Japan. Inzwischen hat China die USA als größtes Importland überholt, wovon Russland, weniger Saudi-Arabien profitiert.

Jetzt berichtet Bloomberg, dass im Dezember erstmals die Vereinigten Arabischen Emirate, ein Opec-Mitglied, das täglich 2,85 Millionen Barrel fördert, mit 700.000 Barrel eine geringe Menge an amerikanischem Rohöl kauften, das im Januar von Houston nach Abu Dhabi in den Persischen Golf verschifft wurde. Es soll sich um ein sehr leichtes Rohöl gehandelt haben, das wegen seiner hohen Qualität lokalen Sorten vorgezogen worden sei. Bereits im vergangenen Juli kauften die Vereinigten Arabischen Emirate Kondensat von den USA. Vermutlich hat der Kauf etwas mit dem Konflikt der saudischen Allianz mit Katar zu tun, woher die Vereinigten Arabischen Emirate bislang Kondensat besorgten. Seit Juni 2017 dürfen Schiffe aus Katar hier nicht mehr anlegen. (Florian Rötzer)

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