Amerikas neueste Industrie: Hass auf Muslime

Islamfeindliche Übergriffe in den USA nehmen zu, die Stimmungsmache gegen Muslime auch. Eine neue Studie zeigt nun: Das Problem ist noch viel größer - und hunderte Millionen Dollar schwer

Die Vereinigten Staaten haben viele Industrien mit Weltruhm hervorgebracht: Hollywoods Filmindustrie bestimmt die Kinoleinwände dieser Welt. Das Silicon-Valley ist das Zentrum der weltweiten IT-Industrie. Und Detroit stand zumindest einmal synonym für die Automobilindustrie. Eine weitere Industrie ist hingegen weniger bekannt und das obwohl auch sie hunderte Millionen schwer ist: die Islamophobie-Industrie. Deren Existenz wird zumindest von einer neuen Studie behauptet, die dieser Tage von der amerikanischen Bürgerrechtsorganisation CAIR herausgegeben wurde.

Gemeinsam mit der University of California, Berkeley hat die Bürgerrechtsorganisation "Council on American-Islamic Relations" (CAIR) auf knapp 100 Seiten versucht, den Status Quo der Islamfeindlichkeit in den USA zu skizzieren. Eines der Hauptergebnisse des Berichts "Confronting Fear": Organisationen aus allen gesellschaftlichen und politischen Bereichen arbeiten gemeinsam in einem riesigen und Millionen Dollar schweren Netzwerk daran mit, Hass auf die muslimische Minderheit des Landes zu schüren.

Demonstrant 2007 in Washington D.C.Bild: City of Anthrax/gemeinfrei

Die 74 Organisationen dieses "US Islamohobia Network" reichten von Think Tanks bekannter neokonservativer Islamfeinde wie dem Center for Security Politicy, dem Middle East Forum oder David Horowitz Freedom Center bis hin zu feministischen, christlichen und scheinbar unpolitischen Organisationen. Zusammen hätten ihnen in den Jahren 2008 bis 2013 rund 200 Millionen Dollar zur Verfügung gestanden, um "Angst und Hass" gegenüber Muslimen zu verbreiten, so die Studie.

Präsidentschaftswahlkampf führt zu Gewalt gegen Muslime

Der Bericht kommt zu einer Zeit, in der in den USA mehr islamfeindliche Straftaten als je zuvor begangen werden. 78 Angriffe auf Moscheen habe es im Jahr 2015 gegeben, zählt CAIR auf. Das FBI berichtet von einer Verfünffachung islamfeindlicher Hate-Crimes pro Jahr seit 9/11. Ein Grund hierfür seien auch die islamfeindliche Kampagnen im Wahlkampf um das US-Präsidentschaftsamt.

Vor allem Donald Trump hatte immer wieder Stimmung gegen die muslimische Bevölkerung des Landes gemacht. Nach dem Anschlag auf einen Schwulenclub in Orlando erneuerte der republikanische Präsidentschaftskandidat zuletzt seine Forderung, Muslimen generell die Einreise in die Vereinigten Staaten verweigern zu wollen.

Auch ein im Mai erschienener Bericht eines Forscherteams der Georgetown University kommt zu dem Schluss, dass sich der Wahlkampf negativ auf die Sicherheit der Muslime in den USA auswirke. Nach ihrer Zählung hat es seit Beginn des Wahlkampfes im März 2015 180 gewalttätige Vorfälle gegenüber Muslime gegeben, darunter 8 Schießereien und Bombenanschläge, 34 Fälle von Körperverletzungen und 12 Morde. Die Forscher kamen außerdem zu dem Ergebnis, dass islamfeindliche Gewaltakte immer dann anstiegen, wenn Kandidaten im Wahlkampf zuvor gegen Muslime Stimmung gemacht hätten.

Islamophobes Netzwerk bestimmt die US-Politik

Der jetzt veröffentlichte Bericht von CAIR geht noch einen Schritt weiter: Ihm zufolge heizt die US-Politik nicht nur die gesellschaftliche Stimmung an, sondern ist selbst vom "Islamophobia Network" durchdrungen. So hätten mehrere (ehemalige) republikanische Präsidentschaftsbewerber enge personelle Verbindungen zu islamfeindlichen Organisationen.

Mehrere Berater der republikanischen Präsidentschaftsbewerber stammten aus den einflussreichsten islamophoben Think Tank des Landes, wie dem "David Horowitz Freedom Center" und dem "Center for Security Policy". Dessen Chef Frank Gaffney ist zum Beispiel der außenpolitische Berater von Ted Cruz. Auf Gaffney geht unter anderem die Verschwörungstheorie zurück, dass Barack Obama ein in Kenia geborener Muslim sei.

Der Einfluss des Netzwerkes zeige sich aber auch an anderer Stelle. So habe die Anzahl von "Anti-Islam"-Gesetzen in den US-Bundesstaaten in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, berichtet CAIR. Diese richteten sich in den meisten Fällen gegen vermeintliche Bedrohungen wie den Einzug der Scharia an US-Gerichten. 81 solcher Gesetze und Verordnungen hätten die amerikanischen Gesetzgeber in den Jahren 2013 bis 2015 verabschiedet. Darunter unter anderem Präventionsmaßnahmen gegen muslimische No-Go-Areas in Tennessee und ein Verbot von Scharia-Gesetzen in Texas. (Fabian Köhler)