Amsterdam und Kopenhagen sollen die fahrradfreundlichsten Städte sein

Radler in Amsterdam. Bild: Copenhagenize Design

Nach einem internationalen Ranking rangiert in Deutschland Berlin vor München

Wenn es darum geht, welche Städte weltweit am fahrradfreundlichsten sind, liegt Europa an der Spitze. Das mag auch deswegen kein Wunder sein, weil die Urbanisierung in Europa am weitesten fortgeschritten ist, aber auch daran, dass das Ranking von einer europäischen Beratungsfirma erstellt wird, der Copenhagenize Design, die aus einem Blog hervorgegangen ist und sich für die Ausweitung des Fahrradfahrens stark macht.

Der Copenhagenize Index wurde dieses Jahr zum zweiten Mal durchgeführt. Untersucht wurden mit der Hilfe von 400 freiwilligen Mitarbeitern 150 Städte auf Fahrradtauglichkeit. Für das Ranking wurden 13 Kriterien geprüft, die oft auch offen für Interpretation sind:

Wie stark ist die Fahrradlobby? Welche Fahrradkultur gibt es, also ist Fahrradfahren schon ein Massenphänomen? Wie sieht es mit der Infrastruktur, also mit Fahrradwegen etc. aus? Gibt es Fahrradverleihangebote? Gibt es einen Unterschied zwischen der Fahrradnutzung zwischen Frauen und Männern? Der modale Anteil des Fahrradverkehrs am Gesamtverkehr und der Zuwachs seit 26. Dann wird die Sicherheit in der Wahrnehmung der Fahrradfahrer, die Haltung der Politik, die soziale Akzeptanz, die Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung und die Ausrichtung der Verkehrsplanung auf die Schaffung von Infrastruktur für das Fahrradfahren eingeschätzt. Dazu kann es weitere Punkte für besonders beeindruckende Pläne und Ergebnisse geben. An der Spitze der Rangliste steht erneut Amsterdam, wo fast alles richtig laufe. Fahrradfahren sei hier entspannt, wozu auch die vielen 30-km-Zonen ihren Beitrag leisten. Es fehle vor allem eine einheitliche Infrastruktur. An zweiter und fast ebenso guter Stelle rangiert Kopenhagen. Hier ist man allerdings skeptisch, ob die Stadt weiter an dem Ziel festhält, einen Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehr von 50 Prozent zu erreichen. Zuletzt sei der Anteil bereits von 37 auf 35 Prozent gefallen, was aber auf die Helmpflicht zurückgeführt wird. Es gebe auch Tendenzen, den Autoverkehr wieder zu stärken.

Utrecht folgt auf Platz drei vor Sevilla, wo der Anteil des Radverkehrs in den letzten Jahren stark auf jetzt 7 Prozent zugenommen hat. In einem Jahr seien 80 km Radfahrwege entstanden. Sevilla punktet, weil die Transformation zu einer radfreundlicheren Stadt so schnell und entschlossen durchgeführt wurde. Eine ähnliche Erfolgsgeschichte gibt es in Bordeaux, wo besonders hervorgehoben wird, dass neben dem Ausbau der Radwege und der Einführung eines breit genutzten Bike-Share-Angebots auch das Straßenbahnnetz ausgebaut wurde. Eine Straßenbahnstadt werde oft zu einer fahrradfreundlichen Stadt.

Nach Nantes, Antwerpen, Eindhoven und Malmö rangiert Berlin als erste deutsche Stadt auf Platz 10. Ein Anteil von 13 Prozent sei für eine Stadt dieser Größe beeindruckend, zumal er in manchen Vierteln bis zu 25 Prozent ansteige. Gut sei der pragmatische Ansatz, die Menschen machen es einfach und setzen sich aufs Rad. Es gebe auch keine Geschlechterkluft und einen guten Altersdurchschnitt, die Infrastruktur sei zwar vorhanden, aber erstaunlich unterschiedlich. Kritik an der Stadtverwaltung gibt es, weil kaum mehr angeblich wegen Geldnöten gemacht werde, dann aber doch Geld für Straßen und den Flughafen da sei. Im Ranking 2011 lag Berlin noch an fünfter Stelle.

Die zweite deutsche Stadt auf Platz 11 nach Dublin und Tokyo ist München. Die Stadt, die den Platz mit Montreal und Nagoya teilt, sticht durch die Kampagne für das Fahrradfahren hervor. München bezeichne sich als Radlhauptstadt, ein Anteil von 20 Prozent am Verkehr sei beachtlich (die Stadt spricht von 17 Prozent). Die Infrastruktur sei aber nur akzeptabel. Und die Stadt ist von Platz 6 auf Platz 11 zurückgerutscht, weil das Ranking erweitert wurde und mehr Städte auf den Ausbau des Radverkehrs setzen. Man warte aber nun auf den nächsten mutigen Schritt, vor allem um Berlin zu überholen. Die Zeit sei reif, Raum vom Autoverkehr abzuzwacken und den Fahrradfahrern in Form von modernen Radfahrspuren zu übergeben. München könne dann auf den ersten Platz landen, aber wenn zu lange gewartet werde, würden andere Städte kommen und die "sozioökonomischen Vorteile" ernten, die aber nicht näher genannt werden.

Hamburg liegt nach Rio (12), Barcelona, Budapest und Paris (alle 13) auf Platz 14. Darüber sei man überrascht gewesen. Der Anteil des Fahrradverkehrs steige langsam an, aber die Stadtplaner hätten noch nicht realisiert, dass ein neues Jahrhundert angebrochen sei. Die Infrastruktur lasse zu wünschen übrig (Florian Rötzer)