An den Absichten sollt ihr sie erkennen

Britisches Innen- und Verteidigungsministerium wollen die Entwicklung eines technischen Systems fördern, mit dem sich die Absichten von Menschen in großen Mengen erkennen lassen sollen

In den Zeiten der Gehirnscanner und des Terrorismus kam schon bald nach dem 11.9. die Vorstellung auf, dass Techniken praktisch wären, mit denen sich aus der Entfernung und unbemerkt böse Absichten von Menschen erkennen lassen sollten. Daran wurde in den USA nicht nur beim Heimatschutzministerium) weiter gearbeitet (Auch die US-Army will aus der Ferne Absichten erkennen), sondern auch das britische Verteidigungsministerium scheint von der Idee fasziniert zu sein, Gefahrenabwehr irgendwie durch Früherkennung von Absichten betreiben zu können.

Großbritannien, vollgestopft mit Überwachungskameras und vorne dran bei anderen Überwachungstechniken, soll in der Sicherheitstechnologie führend bleiben, sagt das britische Innenministerium. Dazu soll das Programm Science and Technology Counter-Terrorism Strategy (CONTEST) beitragen, in dem beispielsweise ein von Raketen angetriebenes Netz entwickelt wurde, um Schnellboote zu stoppen.

Das Innenministerium hat einen Minister, der für Sicherheit zuständig ist. Wenn man Lord West zuhört, könnte man meinen, dass Terrorismus schon auch notwendig ist, um Großbritannien innovativ in der Sicherheitstechnologie zu halten und deren Anwendung dann auch durchzusetzen. Dazu dient auch das Unterprogramm von CONTEST namens Innovative Science and Technology in Counter-Terrorism (INSTINCT). In Zusammenarbeit mit dem Verteidigungsministerium verfolgt man das "innovative" Projekt Absichten in großen Menschenmengen erkennen zu wollen.

Es gebe eine neue Form des Terrorismus, heißt heißt es zur Begründung. Die Täter hätten es darauf abgesehen, möglichst viele Menschen bei Anschlägen zu treffen. Deswegen seien öffentliche Orte, wo sich viele Menschen befinden oder bewegen, sehr gefährdet. Notwendig seien Maßnahmen zum Schutz der Menschenmengen, die aber die Freiheit der Menschen und der Unternehmen nicht behindern sollen. Man kann also nicht einfach Plätze absperren oder überall Sicherheitsschleusen einrichten. Zudem sei es schwer, Terroristen in der Menschenmenge aufzuspüren, weil sie sich nicht offenkundig von den anderen Menschen unterscheiden und sie ihre Waffen versteckt mit sich führen.

Man kann Techniken entwickeln, um versteckt Waffen zu entdecken, INSTINCT setzt hingegen darauf, die Bösen anhand ihrer Absichten und Verhaltensweisen herauszupicken. Jetzt sucht man also "innovative Ansätze, um Absichten an belebten öffentlichen Orten zu verstehen, zu charakterisieren, zu entdecken und zu beeinflussen". Wenig erstaunlich ist man dabei ganz offen, schließlich handelt es sich um eine Wunschtechnologie. Vorschläge könnten auf dem Kontext, dem Verhalten oder physiologischen und neurologischen Informationen beruhen.

Man sei vor allem an der Entdeckung bösartiger Absichten interessiert, aber auch die von Unschuldigen sei nicht unwichtig, heißt es, da sich die Bösen auch aus den Guten herausfiltern lassen könnten. Man ist sich schon klar, dass es erst einmal darum geht, überhaupt zu definieren, was Absichten sind und wie sich entwickeln und verändern. Weiß man einmal, was Absichten sind, so die Hoffnung, dann könne man sie auch entdecken und quantifizieren. Man fände auch schön, die Absichten von bösartigen Menschen irgendwie beeinflussen zu können oder zumindest die möglichen Opfer schnell vom Ort der Gefahr weglocken zu können. Q, der innovative Wissenschaftler der James Bond-Filme, war da geradezu bescheiden, auch wenn er nun als Vorbild zur Entwicklung der Wunschmaschinerien zur Terrorabwehr dient. Man fragt sich auch beispielsweise, ob die erwünschte Technik nur diejenigen herausfiltern soll, die an Ort und Stelle direkt einen Anschlag – oder eine Schlägerei? – planen oder ob "Terroristen" entdeckt werden sollen, die gerade ein Eis schlecken und mit den Gedanken ganz woanders sind? (Florian Rötzer)

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