"Ana raicha Al Qaeda"

Vorsicht: Wer auf's Klo muss, könnte unter Terrorverdacht fallen

"Als Kaiser Rotbart lobesam ins heilige Land gezogen kam ..." dichtete Ludwig Uhland einst über die mittelalterlichen Kreuzzüge, wobei die Bewohner der betroffenen Gebiete das mit dem "lobesam" naturgemäß etwas anders sahen. Für sie waren die unzivilisierten "Nordmänner", die nichts von Medizin, Mathematik und Wissenschaft verstanden, blutrünstige Bestien und Barbarossa ein Barbar.

"Zur rechten sieht man wie zur linken einen halben Türken heruntersinken."

Ausgespart allerdings hat der wackere Schwabe Uhland wie auch die westliche Geschichtsschreibung, was die Kreuzritter mit ihren derart tranchierten Gegnern veranstalteten. Sie wurden aufgrund einer schweren Dürre und Hungersnot in der Türkei von den fränkischen Kriegern verspeist. "In Maara kochten unsere Leute die erwachsenen Heiden in Kesseln, zogen die Kinder auf Spieße und aßen sie geröstet", berichtet der französische Chronist Raoul von Caen aus dem Jahr 1098 nach Hause.

In der arabischen Welt verbreiteten die Nachrichten von den türkenfressenden Invasoren Entsetzen - bis heute, so Amin Malouf in seinem Buch "Der Heilige Krieg der Barbaren - Die Kreuzzüge aus Sicht der Araber" (dtv, 2003) sind die "Franken" in Volksliedern die "Menschenfresser".

Etwas über 900 Jahre später scheinen die Verhältnisse umgedreht: Die barbarischen Massenmörder kommen aus der arabischen Welt und seit der Gräueltat des 11.9. verbreitet ihr Ruf im Westen Entsetzen - in Form eines diabolischen Terrornetzwerks von "Schläfern", das jederzeit und in jeder Stadt zuschlagen kann. Der Name dieser Organisation - "Al Qaida". - ist allerdings eine Erfindung des Westens, weder sind Manifeste oder Bekennerschreiben unter diesem Namen bekannt, noch hat Osama Bin Laden, ihr vermeintlicher Chef, ihn selbst verwendet.

Für seine eigene Gruppe hat er meines Wissens nie diesen Namen benutzt. Wenn man sie benennen sollte, würde man "Bin Ladin Gruppe" sagen - Al-Qaida ist nur die Liste all der Leute, die irgendwann in das Gästehaus in Peschawar kamen. Insgesamt bestimmt 20-30.000 Leute, die man unmöglich verfolgen kann. Das meiste dazu ist ohnehin in den Händen der saudischen Regierung, denn die Leute benutzten saudische Airlines, zu einem stark verbilligten Preis. Nur 25% des normalen Preises nach Islamabad...

Der Arzt Saad Al-Faghi, der Bin Ladens Billigflieger in den afghanischen Camps medizinisch betreut hat (Die al-qaidisch-ladinistische Weltverschwörung).

Dass "Al-Qaida" tatsächlich nur diese grundlegende Liste und keine Organisation bezeichnet, scheint zur der Wortbedeutung zu passen:

In Arabic, "Al-Qaeda" has different meanings, among them "Base", "Ground", "Norm", "Rule", "Fundament", "Grammar". The exact meaning is dependent on the context in which it is used. It depends on the word which follows "Al-Qaeda" in the sentence. "Qawa'ad Askaria" is an Army Base, "Qawa'ad Lugha" stands for Grammar Rules (the Bases of Grammar).

Jene Regeln der arabischen Sprache also, mit der die Amerikaner ebenso auf Kriegsfuß zu stehen scheinen, wie mit dem Terror, denn:

"Qa'ada" is the infinitive of the verb "to sit". "Ma-Qa'ad" is a chair. "Al-Qaeda" is the base or fundament of something. "Ana raicha Al Qaeda" is colloquial for "I'm going to the toilet". A very common and widespread use of the word "Al-Qaeda" in different Arab countries in the public language is for the toilet bowl. This name comes from the Arabic verb "Qa'ada" which mean "to sit", pertinently, on the "Toilet Bowl". In most Arabs homes there are two kinds of toilets: "Al-Qaeda" also called the "Hamam Franji" or foreign toilet, and "Hamam Arabi" or "Arab toilet" which is a hole in the ground. Lest we forget it, the potty used by small children is called "Ma Qa'adia" or "Little Qaeda".

Die Journalistin Kawther Salam, der wir diese semantischen Erläuterungen verdanken - ich habe sie einem vereidigten Arabisch-Übersetzer vorgelegt, der sie bestätigte, vor allem der "Ma Qa'adia" ist umgangssprachlich gang und gäbe, nicht als Jugendorganisation Osamas, sondern als Pisspott...) - bemerkt dazu in ihrem Blogeintrag:

Diejenigen, welche die glorreiche Internationale des Islamischen Terrors "Al Qaida" gründeten, wussten vielleicht zu wenig über den gewöhnlichen Gebrauch der arabischen Sprache, um zu wissen, dass sie mit diesem Namen für eine Organisation riskierten, zum Gespött von jedem zu werden, der die arabische Umgangssprache spricht.

Die Araber gaben den westlichen Barbaren einst Namen, die ihrer Herkunft ("Franken") und grässlichsten Tätigkeit entsprachen ("Menschenfresser") - und wir wären mit konkreten Namen von Gruppen ,"Arabern" und "Selbstmordpiloten" heute wahrscheinlich besser bedient, als den Mythos einer Terrororganisation zu pflegen, über deren Namen "Al Qaida" sich Kinder in die Hosen machen - nicht vor Angst, sondern vor Lachen ... (Mathias Bröckers)

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