Anatomie einer Liquiditätsblase

Der große Entwertungsschub

Viele Währungsräume (mit Ausnahme des Dollarraums, der die Vorteile seiner Stellung als Weltleitwährung voll ausspielt) wollen nun durch Währungsabwertungen und expansive Geldpolitik "billiger" werden, was letztendlich die globale Liquiditätsblase weiter anfacht.

Und es ist genau diese globale Spekulationsdynamik, die ein weiteres Merkmal der gegenwärtigen Krisenphase hervorbringt: die niedrige Inflation, die anscheinend der expansiven Geldpolitik der Notenbanken zuwiderläuft - und Keynesianer wie Paul Krugman dazu verleitet, gegen eine Erhöhung der Zinsen zu argumentieren.

Dabei löste die Gelddruckerei der Notenbanken bereits einen enormen Inflationsschub aus - eine gigantische Inflation der Wertpapierpreise in der Finanzsphäre, die im Endeffekt eine jede Spekulationsblase konstituiert. Die Liquidität, mit der die Geldpolitik den kriselnden Spätkapitalismus seit 2008 überschwemmt, floss ja in die Finanzmärkte, und nicht in die unter einer systemischen, krisenbedingten Investitionsschwäche leidende Realwirtschaft (was ein Henrik Müller irrigerweise zu einer "Vertrauenskrise" umdeutet).

Erst wenn die derzeitige Liquiditätsblase - die etwa in China mit Milliardenbeträgen gestützt wird - den Weg aller Blasen geht und platzt, wird der große Entwertungsschub einsetzen. (Tomasz Konicz)