zurück zum Artikel

And the winner is: Donald Trump

Donald Trump am "Flag Day" (14. Juni) , an dem er die "große amerikanische Flagge" feierte. BIld: Weißes Haus

Aktuell wird kaum beachtet, dass es Trump gelingt, eine neue Weltordnung zu etablieren, die sich auf bilaterale Abkommen konzentriert. Donald Trump schätzt schnelle Deals mit Diktatoren, weil er selbst entsprechende autoritäre Ambitionen hat

"Die Ausländer wollen uns ficken und es ist unsere Aufgabe sie zuerst zu ficken." Diese wohlformulierte Maxime stammt ausnahmsweise einmal nicht von Trump und seinem Umfeld, sondern vom Finanzminister Richard Nixons, John Connally Jr.

So viel übrigens zur neuen Vulgarität unter Trump. Die ist überhaupt nicht neu, denn Leute in solchen Positionen reden einfach zuweilen so. Teils weil sie es können, denn wer sollte es ihnen verbieten? (Ein Aspekt, der von jenen bürgerlichen Kommentatoren, die so gerne auf Anstandsregeln pochen, übersehen wird.) Teils weil es ihrer Natur entspricht.

Der schweizerische Psychoanalytiker Arno Gruen hat diese besonderen Defizite einer Herrschaftselite sorgsam diagnostiziert. Deprimierend ist seine Erkenntnis, dass jene, die ihre Verletzungen nicht in eigenes Dominanzstreben verwandeln können, dieses auf die sie Regierenden übertragen. Von letzteren also Dominanz erwarten und diese durch Zustimmung an der Wahlurne belohnen. Kurzum, ob Nixon oder Trump, pathologisches Dominanzstreben, Menschenverachtung, die sich bereits in der Wortwahl zeigt und skrupellose Rücksichtslosigkeit sind keine Karrierehindernisse. Auch hier erweist sich Trump nicht als neuartiges Phänomen.

Wer diesem Primat der Dominanz verhaftet ist, versucht eine Weltordnung zu errichten, die im Kern faschistoid ist und die überall den Kampf aller gegen alle sieht. Innerhalb einer solchen Weltsicht ist der entscheidende Spieler der jeweils stärkste. Laut Donald Trumps "Analyse" sind dies immer noch die USA und da könnte er durchaus Recht haben. Folglich soll eine Ordnung errichtet werden, die einzig aus bilateralen Abkommen mit den USA bestehen.

In jedem direkten Vergleich hat Donald Trump somit den "Bigger Button". Würden sich hingegen die Europäer zusammenschließen, in einer "Europäische Union" beispielsweise, dann sähe die Sache natürlich ganz anders aus. Aber das tun sie nicht und das können sie auch nicht mehr, weil das aktuell bestetablierte Konzept längst ein nationalistischer, gerne auch rassistischer Isolationismus ist. Wer unfähig ist, transnationale Bündnisse zu errichten und überstaatliche Ordnungen aufrechtzuerhalten, gibt automatisch dem Dominanzstreben Trumps klein bei.

Dies ist aber keine politische Notwendigkeit. Wenn die alte Ordnung aus internationalen Vereinigungen unter der Führung der USA nicht mehr funktioniert, dann wäre es gerade jetzt an der Zeit eine neue, bessere und stärker internationalistische Alternative auszuarbeiten.

Bedauerlicherweise wird aber stattdessen der Trumpismus von vielen Mini-Trumps imitiert. Noch die kleinsten Staaten, wie zum Beispiel Österreich, wollen vornehmlich "ihre Grenzen schützen" und versteigen sich in Konzeptionen des "Austria first". Gleichzeitig imitieren sie ihr Vorbild unzureichend, denn im Inneren wird weiter ein strenges Austeritätsdiktat gefahren, das keine neuen Defizite duldet und die Binnennachfrage schwächt.

Genau das macht Donald Trump aber eben nicht. Als größter Spieler hat er dies auch nicht nötig, weil alle Welt ihre Überschüsse sicher in US-Anleihen parken wollen. Er kann damit zum Big Spender werden und wird das größte US-Defizit aller Zeiten einfahren. En Detail zeigt sich, wie mächtig er dadurch ist.

Als Angela Merkel nach der Aufkündigung des Iran-Deals durch Trump zusicherte, deutsche Firmen würden weiterhin mit dem Iran handeln, sagten diese kurzangebunden "Nein" zu ihrer Kanzlerin, um die märchenhaften Steuererleichterungen in den USA für ihre Unternehmungen nicht zu gefährden. Trump sitzt ganz offensichtlich am längeren Hebel und Merkel blickt in die Grube, die sie selbst mit dem "Exportweltmeister"-Handelsüberschuss grub. Der Binnenmarkt mit riesiger Nachfrage ist in den USA und den hat Trump als Trumpf in der Hand.

In dieses Bild passt sehr gut, dass Trump sich schwertut im Kontakt mit demokratisch gewählten Führern, sich aber ausgezeichnet mit autoritären Führen und sogar Diktatoren versteht. Er ist (zumindest zeitweilig) voll des Lobes für Wladimir Putin, Rodrigo Duterte, Xi Jinping oder eben Kim Jong-un. Vermutlich kann Trump so gut mit Diktatoren, weil sie ihm liefern, was er wünscht: Bombast und schnelle Deals.

Im von Trump leidenschaftlich geschmähten US-Iran-Deal waren 110 Seiten mit konkreten und überprüfbaren Maßnahmen aufgeführt, zu denen sich der Iran verpflichtet hatte. Im Deal mit Nordkorea vom 12.6. steht neben den Zugeständnissen an Nordkorea ein einziger Satz: Man wolle auf eine komplette Denuklearisierung hinarbeiten ("to work toward").

Papier ist bekanntlich geduldig, aber dieser Satz ist einer der Engelsgeduld und auch nach 100 Jahren des Nichtstuns ließe sich argumentieren: Nun, wir arbeiten darauf hin etwas zu tun. Trump hätte den Deal, wäre er von Obama "erreicht" worden, in der Luft zerrissen. Jetzt feiert er ihn ausgiebig.

Es ist übrigens nicht einmal völlig auszuschließen, dass Trump in den nächsten Monaten einen Deal mit dem Iran macht, den er ebenso pompös feiern wird, allein um von der Substanzlosigkeit der letzten Deals abzulenken. Wohlgemerkt substanzlos in einem bestimmten Sinne, denn auch bei Trumps Deal ist etwas "dahinter". Dem Regime in Pjöngjang lässt sich eine Menge verkaufen, notfalls auf Pump und damit gewinnen die USA Einfluss in Chinas Hinterhof. Ob sich aber die Menschenrechtssituation in Nordkorea verbessern wird, darf sehr bezweifelt werden. Über die hatte man ja auch nur ganz kurz geredet.

Entscheidend bei all dem ist letztlich Trumps Liebe zu Diktatoren. Aus der er auch nie einen Hehl gemacht hat. Auf die möglicherweise vom russischen Geheimdienst durchgeführten Morde, antwortet er kess, auch die USA hätten schlimme Dinge getan. Den Diktator Kim lobt er dafür, wie er das Land mit harter Hand führen würde.

An dieser Stelle dürfen die Bürger in den USA die Nachtigall trapsen hören. Gefragt nach den Grausamkeiten des nordkoreanischen Regimes meinte Trump lakonisch, die Lage im Land sei rau ("rough situation"), aber dies sei anderswo auch so. Gut zu wissen. Letztlich sei Kim Jong-un ein talentierter Mann und man komme gut miteinander aus. Besser wohl als mit diesem kanadischen Verräter ("Backstabber") Justin Trudeau.

Ohne Frage ist Trumps Bereitschaft zu loben, mit allen und jedem zu reden. Dies ist ungleich besser als wechselseitige Bedrohungsszenarien. Auch lag immer eine nicht ganz unberechtigte Hoffnung darin, dass Donald Trump in der internationalen Politik Erfolg haben kann, indem er die ausgetrampelten Pfade verlässt. Nur müssten diese Erfolge greifbarer sein und deutlich mehr als Fototermine. Sie müssten ihre weltpolitisch stabilisierende Wirkung unter Beweis stellen und deutlich machen, wie sie die Lage der Menschen in den jeweiligen Ländern verbessern. Das wiederum wird Trump weitgehend wurscht sein, solange er persönlichen Erfolg hat, denn der geht ihm über alles. Und den Erfolg hat er. Gerade wird seine neue Weltordnung installiert, in der er als "Schoolyard Bully" andere bedroht und beleidigt, um gleichzeitig bilaterale Deals zu erzwingen, die ihm und seiner Administration nützen.


URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/-4078628