Angela Merkel fordert "Verzicht auf Sozialkontakte"

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Die Staaten sind im Wettrüsten gegen die Coronavirus-Pandemie, keiner will zurückbleiben und als verantwortungslos gelten

Es scheint ein Sog der Süchtigen zu sein. Die Regierungen überbieten sich mit Sicherheitsmaßnahmen gegenüber der Coronavirus-Pandemie und setzen die anderen Regierungen unter Druck, ihrerseits die Maßnahmen zu verschärfen. Getrieben von der Angst, als unverantwortlich bezichtigt zu werden, wird die Aufrüstung angeheizt. Wir kennen dies nach 2001 angesichts der islamistischen Terrorgefahr, aber die Spirale scheint jetzt noch besser zu funktionieren.

Italien macht schon mal das ganze Land zum Sperrgebiet, die USA verbieten die Einreise aus Europa, Tschechien verbietet Veranstaltungen mit mehr als 100 Teilnehmern. Wer bietet mehr?

Offenbar ist Bundeskanzlerin Angela Merkel nun auch in den Überbietungswettlauf eingestiegen. Bislang war man sich einig, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern zu verbieten und mit mehr als 500 zu schauen, ob sie stattfinden können. Solche Obergrenzen sind natürlich willkürlich und symbolisch, es reicht schließlich der Kontakt mit einem Infizierten, der sich auch in der Wohnung aufhalten kann. Größere Menschenmengen erhöhen sicherlich das Risiko, aber eine Grenze über die Quantität zu ziehen, ist eher Magie als rationales Verhalten.

Merkel ging den Schritt im Wettrüsten gegen den Virus weiter und forderte jetzt, wie die Tagesschau berichtet, alle nicht notwendigen Veranstaltungen abzusagen und auf Sozialkontakte zu verzichten. Unter nicht notwendig meint sie auch Veranstaltungen unter 1000 Teilnehmern, wobei sie aber nicht präzisiert, welche Veranstaltungen notwendig wären. Offenbar noch jene, die in der Arbeitswelt stattfinden, da müssen Risiken hingenommen werden. Merkel agiert nicht alleine. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder sagte: "Alles, was nicht dringend notwendig ist, sollte man verschieben. Die Lage verschlechtert sich täglich."

Im proklamierten Ausnahmezustand müssen die Menschen eben auch auf Sozialkontakte verzichten und sich in der Einsamkeit einrichten. Am besten wäre eine Gesellschaft von Singles, die räumlich getrennt voneinander leben und eben mal darauf verzichten können, sich irgendwo zu begegnen. Was fehlt, ist ein Aufruf, virenverdächtige Face-to-Face-Kontakte durch Online-Beziehungen im "Neuland" zu ersetzen. Das ist freilich auch höchst gefährdet durch Viren und andere Parasiten, die Geheimdienste, Hacker und andere Filous verbreiten. Aber darüber spricht man bei der Gelegenheit nicht gerne. (Florian Rötzer)