Angola: Öl-Prinzessin gefeuert

50 Kwanzas-Banknote, 1999, Ausschnitt. In Angola selber profitierte bisher nur eine kleine korrupte Elite vom Ölsegen. Bild: Bernd Schröder

Personalrochaden auch in anderen Bereichen sollen die grassierende Korruption eindämmen. Der anhaltend niedrige Ölpreis auf dem Weltmarkt macht dem Land zusätzlich zu schaffen

Der seit Herbstanfang amtierende angolanische Präsident João Lourenço hat am 15. November 2017 die Tochter seines Vorgängers als Vorstandsvorsitzende des staatlichen Erdölunternehmens Sonangol entlassen. Außerdem wurde eine Reihe weiterer leitender Manager ausgetauscht.

Isabel dos Santos ist die bekannteste Tochter des abgelösten Langzeit-Präsidenten José Eduardo dos Santos, der 38 Jahre im Amt war und nicht noch einmal antrat. Die reichste Frau Afrikas war erst im vergangenen Jahr von ihrem Vater als Chefin von Sonangol eingesetzt worden. Ihre Aufgabe: die Umstrukturierung des Staatsunternehmens voranzubringen.

Eine vom neuen Präsidenten eingesetzte Untersuchung war nun zu dem Schluss gekommen, dass es unter Isabel dos Santos bei Sonangol weder Führung noch eine Strategie gab. Die so kritisierte hat die Vorwürfe energisch zurückgewiesen.

Isabel dos Santos' Karriere als erfolgreiche Geschäftsfrau nahm 1999 an Fahrt auf, als sie in den Diamantenhandel einstieg. Nach Ausweitung der Geschäftsinteressen in die Bereiche Telekommunikation, Banken, Zement und Öl wurde sie 2013 zur ersten Milliardärin Afrikas.

Antrittsrede des seit Oktober regierenden Präsidenten João Lourenço. Screenshot von YouTube-Video

Präsident Lourenço war unter Eduardo Dos Santos Verteidigungsminister und gehört zum MPLA-Establishment. Lourenço, im Volksmund auch als JLo bekannt, hat nun versprochen, sich gegen die verbreitete Korruption im Lande stark zu machen. Die hat ihre Personifizierung unter anderem in der Familie Dos Santos, deren anhaltenden Einfluss Lourenço schwächen will. Den neuen Ölfunktionären gab er noch einen Ratschlag mit auf den Weg: das Goldeier legende Huhn Angolas gut zu behandeln.

Eduardo dos Santos hatte als eine letzte Amtshandlung noch am Tage der Machtübergabe drei führende Sonangol-Manager gefeuert, unter anderem Paulino Jerónimo, der jetzt zum Staatssekretär für Erdölangelegenheiten berufen wurde. Carlos Saturnino wird neuer Chef bei Sonangol. Bis Dezember 2016 war er bei Sonangol bereits für Prospektion und Produktion zuständig, dann wurde er von Isabel dos Santos von seinen Funktionen entbunden, aufgrund von schlechtem Management und gravierenden finanziellen Unregelmäßigkeiten, wie es hieß.

Auch andere Bereiche der Wirtschaft und des gesellschaftlichen Lebens sind betroffen. Lourenço ordnete beispielsweise ebenso an, dem Unternehmen Semba Comunicação den Auftrag zum Betreiben des zweiten Staatskanals im Fernsehen (Televisão Pública de Angola (TPA)) zu entziehen. Die Firma ist im Besitz von Welwitschea "Tchizé" dos Santos und José Paulino dos Santos, beides Kinder von Eduardo dos Santos. Anfang November waren bereits der Aufsichtsrat der staatlichen Eisenbahngesellschaft Ferrangol, stellvertretende Direktoren und Aufsichtsratsmitglieder der Staatsbank Banco de Angola sowie der Aufsichtsrat des staatlichen Diamanten-Unternehmens ENDIAMA entlassen worden.

Die angolanische Gesundheitsministerin wiederum hatte die Führung zweier der größten Krankenhäuser des Landes auf die Straße gesetzt, außerdem den Generalinspekteur sowie den Nationaldirektor für Gesundheitsfragen.

Nur an Isabels Bruder José Filomeno de Sousa dos Santos ist der Kelch bisher vorübergegangen. Er leitet den aus Teilen der Öleinnahmen gespeisten Staatsfonds Angolas (Fundo Soberano de Angola - FSDEA), doch auch er sieht sich mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert. Er hatte der Regierung überzogene Gebühren in Rechnung gestellt, außerdem ist einer seiner engsten Freunde im Rahmen der Paradise Papers-Untersuchungen als quasi alleiniger Vermögensverwalter des Fonds auffällig geworden.

In der Bevölkerung kommt die Säuberungswelle überwiegend gut an. In den sozialen Medien Angolas wird der neue Präsident als "Terminator" stilisiert. Doch einige Beobachter fragen sich besorgt, ob hier nicht nur eine korrupte Elite gegen eine andere ausgetauscht wird.

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