Angriffe auf syrische Militärbasen

Bild: WikiLeaks Twitter

Die syrische Nachrichtenagentur Sana berichtet von "feindlichen Raketen"

In der Nacht auf Montag, gegen 22 Uhr 30 Ortszeit, wurden syrische Militärbasen im Umland der Städte Hama und Aleppo von "feindlichen Raketen" angegriffen, berichtet die syrische Nachrichtenagentur Sana.

Die Explosion bei der Militärbasis in Hama, wo die Brigade 47 der syrischen Armee stationiert ist, sei so heftig gewesen, dass Seismographen ausschlugen und für 22 Uhr 40 eine Stärke von 2,6 auf der Richter-Skala registrierten, wie Wikileaks twittert. Lokale Nachrichten sollen Israel des Angriffs bezichtigen. Möglicherweise wurde er mit bunkerbrechenden Waffen ausgeführt, was die ungewöhnliche Stärke erklären würde.

Es gab Tote. Laut der israelischen Zeitung Haaretz, die mehrere Berichte zusammenfasst, liegen - Stand Montagmorgen - wie immer unterschiedliche Angaben von Medien zu den Opfern vor. Medien, die der Opposition nahestehen würden, melden 38 Regierungssoldaten, die in Hama getötet wurden. Das syrische Beobachtungszentrum für Menschenrechte (SOHR) berichtet von 26 getöteten Personen, "überwiegend Iraner und Iraker".

Die angegriffenen Militärbasen wurden sowohl von der syrischen Armee wie auch von den iranischen Militärgarden bemannt. Gemäß der libanesischen Zeitung al-Akhbar befinden sich dort einige Raketenlager. Laut Zeitungsbericht wurden bunkerbrechende Lenkwaffen benutzt, die mit einer Wahrscheinlichkeit darauf schließen lassen, dass deren Abschuss aus der Luft erfolgte.

Ha'aretz

Syrian Digital Media referiert auf bislang unbestätigte Berichte, die von mehr als 40 Toten und 60 Verwundeten ausgehen. Die Opfer des Angriffs in Hama würden vorwiegend der pakistanischen, manche erwähnen auch afghanische Mitglieder, Zaynabiyoun-Miliz zugeordnet, die von Iran unterstützt wird und bei der Nachschubbasis für die Brigade 47 stationiert waren.

Bei dem Abgriff auf die Basis bei Aleppo seien 7 Raketen auf "verlassene Areale" in der Nähe des internationalen Flughafens abgefeuert worden, dort wurde zwar mindestens ein Einschlag verzeichnet, aber es gebe keine Meldungen über Tote und Verletzte, heißt es bei Syrian Digital Media.

Auch die Übersicht im Ha'aretz-Bericht zitiert einen Bericht (der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim), wonach die Angriffe im Umland von Aleppo keine Schäden versursacht haben - nach bisherigem Informationsstand wäre hinzuzufügen, da es ungewöhnlich ist, dass Angriffe, die einerseits den Anschein erwecken, ziemlich zielgenau ausgeführt worden zu sein, in einem Fall treffen und anderem Fall überhaupt nicht.

Als Angreifer würde nicht nur Israel, sondern auch Mitglieder der US-Koalition in Frage kommen, spekuliert der Syrien-Reporter Makki am Morgen nach dem Angriff.

Offizielle Signale liegen erwartungsgemäß keine aus Israel vor und auch nicht von den USA, Großbritannien und Frankreich, die zuletzt syrische Ziele angegriffen haben.

Für manche Beobachter des Kriegsgeschehens in Syrien steht fest, dass Israel für die Angriffe verantwortlich ist. Das deutschsprachige Blog Flutterbareer lässt zwar mit dem Wort "angeblich" offen, ob es sich bei dem Ziel in Hama, wo riesige Mengen an Sprengstoffen detoniert sind, "um eine unterirdische Anlage für etliche Ballistikraketen iranischen und syrischen Bautyps" handelt, ist sich aber sicher, dass es um einen israelischen Einsatz handelt. Mit dieser Ansicht steht das Blog nicht alleine.

Dafür spricht, dass Israels Regierung immer wieder betonte, dass man in Syrien angreife werde, wenn es um Waffenlager iranischer Proxies gehe. Offensichtlich hat die syrische Luftabwehr beim Angriff bei Hama nicht funktioniert, weswegen zu erwarten ist, dass aufgerüstet werden wird, Russland hatte eine Aufstockung in Aussicht gestellt. Das wird aber nur ein Teil der Reaktion sein.

Der Schlag war heftig, er spielt sich während der Diskussion darüber ab, ob die Atomvereinbarung mit Iran von den USA aufgekündigt wird. Die Regierung Netanjahu ist dafür. Am gestrigen Sonntag war der neue US-Außenminister Pompeo zu Besuch in Israel. Er gilt als jemand, der einen harten Iran-Kurs fährt. Sollte tatsächlich Israels Luftwaffe für den Angriff verantwortlich sein, so dürfte Pompeo eingeweiht sein. (Thomas Pany)

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