Angriffe auf und Streit um Roboter im öffentlichen Raum

Der K5-Roboter der Tierschutzorganisation. Bild: Knightscope

In San Francisco wurde ein Sicherheitsroboter mit Grillsauce übergossen und umgestoßen, weil der Passanten behinderte und Obdachlose vertreiben sollte

Das Dasein - oder sollte man Leben sagen? - als Roboter kann nicht einfach sein. Wenn sich nun nicht nur Mäh- und Saugroboter auf Privatgrundstücken, sondern auch Liefer- oder Sicherheitsroboter zunehmend im öffentlichen Raum bewegen, werden sich die Interaktionen zwischen Menschen und Roboter häufen. Während man sich über Regeln für die Roboter Gedanken macht oder gar eine Ethik für intelligente Roboter für nötig hält, dürften Roboter zunehmend zum Objekt von Angriffen werden oder allerhand Versuchen, Schabernack mit ihnen zu treiben, ausgesetzt sein.

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Da ist zum Beispiel der kegelförmige Sicherheitsroboter K5 von Knightscope, der autonom ein bestimmtes Gebiet abfährt und sicherheitsrelevante Aktivitäten und Personen ausmachen soll. Er ist 1.5 Meter groß und im unteren Bereich 1 Meter breit, aber unbewaffnet. Für den Rundumblick ist er mit vier Kameras ausgerüstet, die Gesichtserkennung ermöglichen. Dazu besitzt er Infrarotkameras, Radar, Sensoren für die Luftqualität und ein Mikrofon, um alles aufzunehmen, was um ihn herum vor sich geht.

K5 ist also eine rollende Überwachungsmaschine. Und er bringt 135 kg auf die Waage. Damit hat er nicht nur einen raumgreifenden Körper, sondern kann auch wuchtig fallen oder auf Menschen mit einer Geschwindigkeit von 5 km/h aufprallen. Das ist letztes Jahr auch einmal passiert, als ein K5 mit einem 16 Monate alten Kleinkind in einem Einkaufszentrum in Palo Alto zusammenstieß und über seine Füße rollte. Für Spott sorgte ein anderer, der versehentlich in einen Brunnen fiel.

Gerade aber hat ein K5 in San Francisco für Unruhe gesorgt. Sie ging zunächst einmal davon aus, wie und von wem er eingesetzt wurde. Die Society for the Prevention of Cruelty to Animals (SPCA) hatte sich nämlich einen Roboter zugelegt, um die Straßen um ihr Gebäude zu kontrollieren. Mit den Menschen haben es die Tierschützer womöglich nicht so. Anwohner beschwerten sich, dass der patrouillierende Roboter Obdachlose am Schlafen und am Aufenthalt in der Nähe des Gebäudes zu hindern und sie zu vertreiben suchte.

Die Tierschutzorganisation verteidigte sich. Ihr Gebäude liege in einem Gebiet, das zum Aufenthaltsort von Obdachlosen wurde. San Francisco hat wie andere amerikanische Städte schon länger ein Problem mit Obdachlosen, die auf den Straßen campieren und dort betteln. Der Abfall häuft sich, überall liegen Injektionsnadeln herum. So soll es auch um das Gebäude herum gewesen sein.

Es wurden schon mehrere "Navigation Centers" aufgebaut, das sind große Zelte, in denen Obdachlose mit ihren Partnern, Tieren und Gepäck Unterschlupf finden, bis für sie eine Unterkunft bereitsteht. Im Laufe eines Jahres habe man so 13000 Obdachlose von der Straße gebracht und 1800 kleine Unterkünfte gebaut. Aber es gibt weiterhin mindestens 7500 Obdachlose, die Zahl scheint sich konstant zu halten.

Die Präsidentin von SPCA erklärte: "Wir konnten die Bürgersteige wegen all der Nadeln, Zelte und Fahrräder nicht mehr benutzen." Man habe mit dem Roboter nur versucht, so eine Mitarbeiterin, die Sicherheit der Angestellten zu verbessern, nachdem die Kriminalität in der Umgebung angestiegen sei: Autoeinbrüche, Diebstahl und Vandalismus. Es sei auch zweimal in das Gebäude eingebrochen worden.

Der Sicherheitsroboter, den man getestet hat, sei sehr effektiv zur Abschreckung krimineller Vorfälle gewesen: "Das Gerät hilft uns dabei, Kriminalität zu verhindern, es versucht nicht, die Obdachlosen vom Bürgersteig zu vertreiben." Wenn aber ein 135 kg schwerer und 1,5 Meter hoher Roboter regelmäßig den Bürgersteig entlangfährt und mal hier und mal da für Rempeleien sorgt sowie die Anwesenden unter Dauerbeoachtung stellt, könnte das freilich schon der beabsichtigte Effekt gewesen sein. Attraktiv ist der Roboter auch finanziell. Angeblich kostet sein Betrieb stündlich 6 US-Dollar, ein Mensch als Sicherheitskraft aber 16 US-Dollar.

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Nach Berichten hat der Roboter Wut geweckt und zu Angriffen geführt. So sollen seine Sensoren mit Grillsauce bedacht worden sein. Er wurde umgestoßen und unter einer Plane versteckt. Angeblich soll er auch mit Exkrementen bearbeitet worden sein. Aber die Wut der Anwohner und Obdachlosen, vielleicht auch die von Anhängern der Organisation Walk SF, die Lieferroboter ganz verbieten will, die sich gegen den Roboter richtete, wurde von der Stadtverwaltung noch einmal aufgegriffen. Da die Organisation für den Sicherheitsroboter auf öffentlichen Wegen keine Genehmigung hatte, musste sie den Einsatz des so gedemütigten und stinkenden Roboter, der hilflos gemacht wurde, auch noch einstellen.

San Francisco will die Ausbreitung von Lieferrobotern einschränken, um einen Wildwuchs zu verhindern. Jede Firmen darf nur noch drei Roboter einsetzen, insgesamt dürfen nur 9 gleichzeitig auf den Straßen sein, wobei sie sowieso nur in Vierteln verwendet werden dürfen, in denen kaum Menschen auf den Straßen sind. Sie dürfen nicht schneller als 5 km/h fahren und müssen, das ist natürlich letztlich die Verhinderungsmaßnahme, dauernd von einem menschlichen Beaufsichtiger begleitet werden. Nach der Regelung käme also zu den Ausgaben, die für einen Roboter aufgewendet werden müssen, noch der Lohn des Beaufsichtigers. (Florian Rötzer)

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