Angst vor ansteckender Schia-Häresie

Ägypten stoppt Touristenflüge aus dem Iran

Der ägyptische Tourismusminister Hesham Zaazou stoppte am Sonntag den Tourismusflugverkehr aus dem Iran. Nun soll bis in die zweite Junihälfte überprüft werden, ob er wieder aufgenommen wird. Die regelmäßigen Flüge waren erst am 30. März dieses Jahres eingerichtet worden. Vorher hatte es in Ägypten 34 Jahre lang kaum Besucher aus Persien gegeben, weil das diplomatische Verhältnis zwischen den beiden Ländern nach 1979 sehr schlecht war.

Nach der Machtübernahme der Moslembrüder 2012 schien sich dieses Verhältnis zu bessern: Im Februar 2013 empfing der ägyptische Präsident Mohammed Mursi seinen iranischen Kollegen Mahmoud Achmadinedschad in der Kairoer Al-Azhar-Universität. In Folge dieses Besuchs schlossen die Regierungen der beiden Länder unter anderem ein bilaterales Tourismusabkommen.

Hatschepsuttempel bei Luxor. Foto: Daniel Fafard. Lizenz: Public Domain.

Bereits vor Ankunft der ersten iranischen Urlauber an den antiken Sehenswürdigkeiten von Assuan und Luxor meldeten sich jedoch ägyptische Salafisten zu Wort, die öffentlich befürchteten, die schiitischen Iraner könnten sunnitische Ägypter mit ihrer "Häresie" anstecken. Yasser Borhamy, der Vizepräsident der Organisation Salafi Dawah, warnte in diesem Zusammenhang vor einer "Schiaflut".

Elhami El-Zayat, der Chef der ägyptischen Tourismuskammer, versuchte diese Warnungen mit der geringen Zahl der Iraner und mit dem Hinweis zu entkräften, dass sie keine von ihrer Regierung gesandten Missionare seien, sondern Touristen, die etwas sehen wollten, was es nur in Ägypten gibt. Borhamy dagegen sprach sich gegen jeglichen Kontakt zwischen sunnitischen Ägyptern und schiitischen Iranern aus - einerlei, ob es sich dabei um Touristen handelt oder um Missionare.

Tourismusminister Zaazou versuchte den Protesten der Salafisten zuerst mit dem Argument zu begegnen, die Ängste vor einer Gefahr der Ausbreitung des Schiitentums wären "übertrieben", weil das bilaterale Tourismusabkommen lediglich Reisen zu antiken Stätten umfasse - und nicht zu Moscheen und anderen religiösen Einrichtungen.

An diesen antiken Stätten könnten diese kulturinteressierten Perser helfen, die ägyptische Tourismusindustrie wiederzubeleben, die seit 2011 erhebliche Einbußen erleiden mussten: Besuchten vor Hosni Mubaraks Sturz 2010 noch 14,7 Millionen Fremde das Land, lag ihre Zahl im letzten Jahr bei nur knapp über 10 Millionen. Die meisten davon besuchten abgeschlossene Urlauberressorts am roten Meer. Historische Bauwerke werden dagegen immer noch deutlich weniger besucht.

Dies liegt auch daran, dass viele Touristen aus westlichen Ländern der Sicherheit an diesen Orten nur bedingt trauen: 1997 hatten sechs als Polizisten verkleidete salafistisch orientierte Terroristen in der Nähe eines 3400 Jahre alten Totentempels der Königin Hatschepsut bei Luxor im Laufe eines etwa einstündigen Überfalls 36 Schweizer, zehn Japaner, sechs Briten, vier Deutsche, zwei Kolumbianer und vier Ägypter ermordet, wobei die Täter den Opfern zum Teil Nasen und Ohren abschnitten.

Konkreter Anlass der Einstellung der Flüge war einem Bericht der Zeitung Egypt Independent zufolge ein Gesuch der iranischen an die ägyptische Regierung, für einen besseren Schutz iranischer Staatsbürger zu sorgen, nachdem der Kairoer Sitz des Diplomatischen Geschäftsträgers Mojtaba Amani vor drei Tagen von einem Salafistenmob attackiert wurde. Vertreter der Mursi-Regierung haben deshalb angeblich für die nächsten Tage ein Treffen mit Salafistenführern anberaumt. (Peter Mühlbauer)