Ankara im Konflikt mit Washington, Moskau und Bagdad

Kurden fordern eine Flugverbotszone gegen die Türkei: #NoFlyZone4Rojava. Bild: YPG

Mit den Angriffen auf Nordsyrien und Nordirak geht Erdogan ein großes Risiko ein

Gestern griffen türkische Militärmaschinen erneut Ziele in Nordsyrien und im Nordirak an. Am Dienstag waren die ersten Angriffe auf mutmaßliche Stellungen der PKK und der YPG erfolgt, das türkische Verteidigungsministerium spricht von 70 Toten, die alle "Militante" sein sollen. Am Mittwoch sollen mehrere "Terroristen", wie es heißt, "neutralisiert" worden sein. Zudem wurden Ziele in Afrin angegriffen, angeblich hätten YPG-Kämpfer dort auf ein türkisches Militärlager in der Provinz Hatay gefeuert. Dabei soll es Tote auf beiden Seiten gegeben haben. Auch gestern kam es zu Kämpfen zwischen Syrern und Türken an der Grenze bei Kobane.

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Die Angriffe am Dienstag hatten zur Verärgerung beim amerikanischen und russischen Militär geführt, das die SDF-Kämpfer, die zum großen Teil Kurden sind und der YPG angehören, bei der Offensive auf Raqqa nicht nur mit Luftangriffen, sondern auch mit Bodentruppen unterstützt. In der Nähe von Kobane hat das Pentagon einen Luftwaffenstützpunkt ausgebaut. Wie viele US-Soldaten in Syrien und im Irak eingesetzt sind, ist nicht bekannt. Man kann davon ausgehen, dass es mehr als die offiziellen Zahlen (5.262 im Irak und 503 in Syrien) sind. Angeblich hat Donald Trump das Pentagon angewiesen, die Truppenstärke selbst bestimmen zu können. Dann kann man von einer Erhöhung in beiden Ländern ausgehen. Mit der Hilfe von US-Truppen wurden SDF-Kämpfer am Damm von Tabqa abgesetzt und rücken auf die strategisch wichtige Stadt Tabqa vor.

Irakische Politiker sind erzürnt, der Verteidigungsausschuss wurde zu einer Sondersitzung einberufen. Es sollen Empfehlungen für das Parlament ausgearbeitet werden, wie Bagdad auf die Angriffe reagieren soll. Möglich sei, dass das Parlament die Regierung auffordert, gegen die Aktivitäten von Nachbarländern vorzugehen. Seit die Türkei vor einem Jahr Truppen in die Nähe von Mosul geschickt und dort stationiert hat, ist die Spannung zwischen Bagdad und Ankara hoch. Noch kann Ankara hier mit der Unterstützung der kurdischen Regionalregierung (KRG) in Erbil rechnen, die im Clinch mit Bagdad, aber auch mit der PKK und den syrischen Kurden liegt. Aber da die Demokratische Partei Kurdistans (PDK) auch aus innenpolitischen Gründen die Unabhängigkeit anstrebt, gibt es hier auch Probleme mit Ankara.

Aus dem russischen Außenministerium wurden die Angriffe auf die Kurden kritisiert. Sie richteten sich gegen die kurdischen Verbände, "die wirklich gegen Terrorgruppen, vor allem den Islamischen Staat, auf dem Boden vorgehen". Solche Aktionen würden dem Antiterrorkampf schaden, der noch lange nicht zu Ende sei. Besorgt zeigt sich Russland, weil die Luftangriffe "auf dem Gebiet souveräner Staaten unter Umgehung der legitimen Regierungen" gegen die Grundprinzipien der internationalen Beziehungen verstoßen.

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