USA stellen sich weiter hinter die syrischen Kurden

Leutnant John Dorrian, Sprecher der von den USA geführten Anti-IS-Koalition, der die Türkei ebenso angehört wie der Nato, kritisierte, dass die Angriffe auf "unsere Partner in Nordsyrien und die Peschmerga" weder mit der irakischen Regierung noch der Koalition richtig abgesprochen worden seien: "Unsere Partnerstreitkräfte sind durch türkische Angriffe getötet worden, sie haben viele Opfer erbracht, um ISIS niederzuschlagen." Man sei sehr beunruhigt über die Angriffe.

Anzeige

Beunruhigend findet das US-Militär die Angriffe eben auch, weil die "Partnerstreitkräften" auch von US-Soldaten begleitet werden. So seien bei den ersten Angriffen in Nordsyrien US-Soldaten nur 10 km entfernt gewesen. Die Türkei habe über die Angriffe aber erst weniger als eine Stunde zuvor informiert. Das sei viel zu kurz und nur eine Benachrichtigung, aber keine Koordinierung, wie das unter Partnern üblich sei.

Das türkische Verteidigungsministerium weist die Vorwürfe zurück. Die Koalition und die russischen Streitkräfte seien informiert und gewarnt worden, sich aus einer 30 km breiten Zone an der türkischen Grenze zurückziehen, wo die Türkei "Positionen, Ausbildungslager und Aktivitätsbereiche von Terrororganisationen" angreife. Man schlage gegen Angriffe aus dem Nordirak und Nordsyrien zurück.

Auch aus dem US-Außenministerium kommen Warnungen. Mark Toner will aber zwischen Angriffen auf die PKK, die eine Terrororganisation ist, und solchen auf die SDF, die Partner der USA sind, unterscheiden. Die mangelnde Koordination wurde auch von ihm als "alarmierend" bezeichnet, auf die Frage, ob die USA bei der Benachrichtigung die Türkei aufgefordert habe, die Angriffe auf die SDF zu unterlassen, antwortete Toner nicht. Es sei "ein komplexes Schlachtfeld". US-Außenminister Tillerson soll am Dienstag nach den Angriffen erzürnt seinen türkischen Kollegen angerufen haben.

Es habe seit den ersten Angriffen viele diplomatische Gespräche zwischen den beiden Seiten gegeben, berichtet Stripes. Der türkische Präsident Erdogan bedauerte zwar, dass Peschmerga-Kämpfer bei den Luftangriffen getötet worden sind, kündigte aber an, dass die Angriffe auf die "Terroristen" in Nordsyrien und im Nordirak fortgesetzt werden.

Möglicherweise haben die Türken nun die Amerikaner etwas früher von den Angriffen am Mittwoch informiert. Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu sagte am Mittwoch, die Koalition und Russland seien zwei Stunden vorher informiert worden. Er wiederholte die Warnung, die US-Soldaten 30 km zurückzuziehen. Offenbar wollen die Türkei hier nun eigenmächtig eine "Sicherheitszone" einrichten, die sie selbst kontrolliert. Man habe keine "geheime Agenda", erklärte er, was aber auch so aufhorchen lässt. Man respektiere die territoriale Integrität von Syrien und dem Irak, aber die Türkei habe "ein Recht auf diese Interventionen", weil von diesen Gebieten Gefahren für die Türkei ausgehen.

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass die türkische Regierung versucht, die Waffenproduktion auszubauen und stärker in den Waffenhandel einzusteigen. Verteidigungsminister Fikri Işık kündigte gestern ein großes Waffengeschäft mit Saudi-Arabien an. So hat die Türkei erst unlängst im Land produzierte Kampfdrohnen eingesetzt, bzw. Interessierten vorgeführt, wie das die waffenexportierenden Länder so machen. (Florian Rötzer)

Anzeige