Anleitung zum Krankfeiern eingestampft

Eine als Realsatire gedachte CD-ROM wurde zu wörtlich genommen

Krankfeiern am Montag oder Freitag gehört für viele zu den Kavaliersdelikten. Einfach mal das Wochenende zu verlängern, ist für die meisten Arbeitnehmer recht einfach. Wenn man allerdings wirklich einen "gelben Schein" vom Arzt braucht, um ein paar Tage frei zu bekommen, dann gehört schon ein bisschen Fachwissen dazu. Wie täuscht man ein Krankheitsbild perfekt vor, so dass man nicht gleich als Simulant abgestempelt wird? Dieses Wissen konnte man sich bis vor kurzem noch von der CD-ROM "Krankheitssimulator" aneignen. Doch der utech-Verlag hat den Verkauf jetzt eingestellt.

Wer öfter krank ist, wird in der Regel die Verpflichtung vom Arbeitgeber auferlegt, bereits am ersten Tag der Krankheit eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung von seinem Hausarzt vorzulegen. Mit dieser rigiden Anweisung soll Blaumachern das Krankfeiern verleidet werden. Zwar soll es auch Ärzte geben, die ihre Patienten einfach und unkompliziert krankschreiben, doch in der Regel musste man auch diesen Ärzten die Diagnose erleichtern. Mit der CD-ROM "Krankheitssimulator" kam das nötige Fachwissen zumindest zu den Computerbesitzern. Doch die verstanden die Realsatire nach Angaben des Verlages falsch, so dass das Scheibchen recht schnell zu einem der meist verkauften Titel wurde. Wie viele zusätzliche Urlaubstage sich die Käufer ergatterten, ist leider nicht statistisch belegt.

Mit dem Grundwissen der Blaumacher-CD war es kein Problem, dem Allgemeinmediziner etwas von einer schmerzhaften Blasenentzündung, einer unerträglichen Migräne oder ähnlichem Unwohlsein zu erzählen. Mit detaillierten Beschreibungen von der CD instruiert konnte man im Inneren froh gelaunt dem Arztbesuch entgegen sehen. Bei Migräne zum Beispiel, heißt es, sei man gereizt, habe kaum frühstücken können, dann hätten solche Kopfschmerzen eingesetzt, dass selbst Licht oder nur geringe Geräusche diese Schmerzen verstärkt hätten. Letztlich habe man sich sogar übergeben müssen. Leider habe man das in den letzten Wochen öfter über sich ergehen lassen müssen. Für den Arztbesuch sei es auch erforderlich, dass man unausgeschlafen wirke. Außerdem solle man als Patient die Augenlider anspannen wie bei einem grellen Tageslicht.

Mittels eines Karteikastens konnte sich der Besitzer der CD komplette Krankheitsbilder aussuchen. Für ein paar Tage empfahl das Programm die Migräne, für einen längeren Zeitraum sollte es schon eine Gehirnerschütterung oder ein ähnliches Krankheitsbild sein. Doch nur bei einem schludrigen Arzt wäre man mit diesen massiveren Erkrankungen durchgekommen, denn meist wird doch die Überweisung zu einem Facharzt für notwendig gehalten. Wer sich erwischen lässt und während der Krankschreibung Umzüge macht oder in der Kneipe hilft, muss allerdings mit einer fristlosen Kündigung rechnen. Wiederholungskrankschreiber müssen zudem oft mit einer Überprüfung durch den Medizinischen Dienst rechnen, wenn der Arbeitgeber die Erkrankung anzweifelt.

Der utech-Verlag nimmt die Scheibe jetzt aber aus dem Handel, weil er damit zu sehr ins Gerede gekommen sei. "Trotzdem hat unsere CD-ROM ungewollt zu unerwarteten Irritationen beigetragen, die durch das erhebliche Medieninteresse leider auch noch verstärkt wurden." Damit handelt der Verlag gegen die Interessen der auf der Homepage befragten User. Hier fanden nämlich nur knapp 17 Prozent, dass diese CD verboten gehört. Allerdings ist die CD-ROM immer noch bei Amazon.de erhältlich - und das funktioniert sogar noch mit dem rot durchgestrichenen Bestell-Link auf der utech-Homepage. Mit einem Klick war sie im Warenkorb. (Gerald Jörns)