Anschlag in New York: Täter vom "IS inspiriert"

Der Anschlagsort. Foto (von 2014): The All-Nite Images / CC BY-SA 2.0

Laut Ermittlern wählte der Mann aus Bangladesch den Anschlagsort in der Nähe des Times Square wegen der Weihnachtsposter. Er wollte Vergeltung üben an den US-Luftangriffen gegen den IS

Alles spricht dafür, dass der Mann gestern Morgen in einer belebten unterirdischen Fußgängerpassage mitten in New York zur rush hour ein Selbstmordattentat versuchte. Nach Angaben der Polizei hatte er eine selbst gebaute Bombe mit Kreppverschluss- und Plastikbändern um seinen Bauch geschnallt.

Er brachte die Bombe auch zur Explosion, der Schaden hielt sich in glimpflichen Grenzen: Der Attentäter selbst trug die schwersten Verletzungen davon, drei Passanten wurden zum Glück nur leicht verletzt. Auf dem Überwachungsvideo, das im Netz kursiert, sieht man eine Rauchwolke und dann den vermutlichen Attentäter auf dem Boden, der sich leicht bewegt. Der New Yorker Bürgermeister sprach von einem "versuchten Terroranschlag".

Es gibt noch einige Bilder mehr, die zum Attentat gehören, das für den IS ein echter Erfolg ist, zeigt und behauptet die Terrorismus-Spezialistin Rukmini Callimachi. Es sind Bilder, die einmal einen Weihnachtsmann auf dem Times Square zeigen mit der Bildunterschrift: "Wir treffen uns zu Weihnachten in New York" und zum anderen Bilder, die New Yorker-U-Bahnfährgäste in Panik zeigen sollen.

Am Beispiel-Foto, das Callimachi auf ihrem Twitter-Account vorstellt schauen die Fahrgäste bei genauerem Hinsehen eigentlich nicht panisch drein, sondern normal, aber die Bildunterschrift macht es wohl aus: "Die Kuffar (die Ungläubigen) räumen das Busterminal, wo der Istishhadi-Angriff stattgefunden hat."

Das Foto ist einem Chat namens Dawah-Insider entnommen und illustriert die These Callimachis, wonach das "versuchte" oder "gescheiterte Attentat", wie der Anschlag in den Medien bezeichnet wird, für die Anhänger des IS ein Erfolg ist. Die Sache, worauf es dort ankomme, sei, dass es jemand geschafft habe, in eine der bestbewachten Zonen der Welt einzudringen und dass den Ungläubigen Angst und Schrecken eingeflößt werde ("terrified infidels").

Das Plakat vom Weihnachtsmann auf dem Times Square mit der Androhung "We meet at Christmas in New York" würde seit einigen Wochen auf Dschihad-Seiten kursieren.

Laut Informationen der New York Times gehen die Ermittler davon aus, dass der Attentäter den Anschlag als Vergeltung für Angriffe auf den IS ausführte. Doch gibt es zur Stunde keinen Beweis für einen direkten Konktakt mit dem IS.

Bislang war es meist so, dass vom IS selbst keine Bekennerbotschaft an die Öffentlichkeit gegeben wird, wenn der Attentäter überlebt hat und in den Händen der Polizei ist (aber es gab auch Ausnahmen). Da auch die Medienarbeit des IS von der Niederschlagung des Kalifats in Syrien und im Irak betroffen ist, wie Experten in den letzten Wochen mutmaßten, ist ebenfalls möglich, dass eine "offiziellen Bestätigung" durch eine mit dem IS verbündete Medienagentur, z.B. Amaq, ausbleibt.

Bei dem Mann mit der selbstgebauten Rohrbombe handelt es sich um einen 27-Jährigen aus Bangladesch namens Akayed Ullah, der seit 2011 in den USA lebt. Seine Wohngegend in Brooklyn ist geprägt von einer Community aus dem Staat, über 3.000 Bewohner sollen aus Bangladesch kommen. Es gibt Verbindungen des IS zu islamistischen Grupperungen in Bangladesch, wie die Geiselnahme in Dhaka 2016 einer größeren Öffentlichkeit bekannt machte.

Der ideologische Hintergrund und die genauen Motive von Ullah werden erst untersucht. Laut Ermittler, welche die New York Times befragte, gab er an, dass er sich den Anschlagsort wegen der vielen Weihnachtsposter in der Umgebung (in der Nähe ist der Times Square) ausgesucht habe. Mit der Bombe wollte er Vergeltung für US-Luftangriffe auf Ziele des "Islamischen Staates in Syrien und anderswo" üben.

Nach seinen Angaben Ermittlern gegenüber habe er sich online radikalisiert. Die Anleitung zum Bau der Bombe habe er sich aus dem Netz geholt. Er habe in den letzten fünf Jahren einige Reisen in andere Länder unternommen und sei vor Monaten auch in Bangladesch gewesen.

US-Präsident Trump reagierte auf den Anschlag mitten in Manhattan mit Kritik am Einwanderungssystem. Es sei zu wenig restriktiv, wenn es um den Nachzug von Familienmitgliedern gehe. Der Schaden, der daraus entstehen könne, sei seit langem klar, wird Trump zitiert. Er sei entschlossen, dies zu verbessern.

(Thomas Pany)

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