Anschluss der Schweiz an den Euroraum

Die Schweizer Nationalbank hat den Wechselkurs des Franken an den Euro gekoppelt

Aushebelung des Marktes

Wurden die Schweizer jetzt in einer Millisekunde 10 % ärmer oder aber wird die Festsetzung des Wechselkurses auf 1.20 zum Euro ihrer Wirtschaft neue Wachstumsimpulse verleihen? Nun, die Wahrheit ist, dass die Schweiz schon lange unter dem starken Franken leidet und dass sich Ihre Wirtschaft bis jetzt wie zuvor in den 80er Jahren die bundesdeutsche Wirtschaft mit der starken D-Mark erstaunlich gut diesen Verhältnissen angepasst hat.

Wachstumsimpulse kommen nicht allein von einer wettbewerbsfähigen Währung, sondern vor allem von innovativen Unternehmen, die ihre Produkte wegen ihrer Überlegenheit zu einem höheren Preis anbieten können. Und hier schneidet die Schweiz immer noch sehr gut ab und es wäre auch möglich, bei dem bisher undenkbaren Wechselkurs von 0.8 zum Euro, d.h. einer weiteren Abwertung des Euro um 20 % gegenüber einer Parität, wettbewerbsfähig zu bleiben.

Man unterschätzt die Unternehmen, wenn man glaubt, nur die Außerkraftsetzung der Marktmechanismen würde eine Lösung bringen. Deshalb kann die These aufgestellt werden, je mehr die Schweizerische Nationalbank aufwertet, desto geringer wird der Wettbewerbsdruck auf die schweizerischen Unternehmen werden.

Sieht man die Ereignisse von Seiten der Europäischen Gemeinschaft so wurde die Schweiz gestern quasi sturmreif für den Euro geschossen. Als Deutscher, der seit Jahren in der Schweiz lebt, tut es einem in der Seele weh mitzuerleben, wie sich eine Nation an eine Währung bindet, deren Abwertungspotential gegenüber anderen Hartwährungen, zu denen der schweizerische Franken seit heute nicht mehr gehört, nahezu grenzenlos erscheint.

Das schweizerische Volk hat bisher nicht realisiert, dass der schweizerische Nationalbankpräsident heute quasi den Anschluss der Schweiz an den Euroraum beschlossen hat, und damit das schweizerische Volk quasi über die Hintertür in die Europäische Gemeinschaft führen will. Ein solcher Beitritt muss unter den aktuellen Konstellationen jedoch ganz im Sinne Kants kategorisch abgelehnt werden. So lange Griechenland total pleite, Portugal nahezu pleite, Spanien fast pleite, Italien möglicherweise pleite, Frankreich bald pleite und Deutschland zukünftig pleite ist, sollte ein solcher Beitritt nicht vollzogen werden. Die Begründungen für eine Bindung des Schweizerischen Franken an den Euro als angebliche Hilfe für die Wirtschaft sind nicht stichhaltig und genauso vage wie das, was die Märkte daraus machen werden.

Um den schweizerischen Franken an den Euro zwanghaft zu koppeln, wird es in Bälde einen solchen Überhang an Schweizer Franken geben, dass es zu neuen riesigen Blasen im Alpenstaat kommen wird. Der schweizerische Immobilienmarkt und schweizerische Anleihen scheinen die Topkandidaten hierfür zu sein, die von dieser Geldflut massiv beeinflusst werden. Noch ist es ruhig in den schweizerischen Kantonen, was jedoch gestern beschlossen wurde, ist nichts anderes als eine Entmündigung der schweizerischen Demokratie. Es ist ein Außerkraftsetzen derjenigen Prinzipien, die die Schweiz groß gemacht haben. Ein ehemaliger Hedgefondsmanager wird hiermit zum Statthalter eines postmodernen Gelddarwinismus.

Es bleibt zu hoffen, dass die schweizerischen Politiker, allen voran der Bundesrat, erkennen, dass die angebliche Lösung keine Lösung ist, sondern den Untergang der Schweiz als autonomes neutrales Land einleitet.

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