Anti-UBER-Demo in München: "Taxi ist sexy"

Bild: Flo Osrainik

Es war nicht die erste Demo gegen den US-Konzern. Auch Vertreter von CSU, SPD und den Grünen bekundeten Mal wieder ihre Solidarität mit der Branche. Uber stört das alles aber nicht

Bei hellblauem Himmel und Temperaturen von gefühlt klar über 30 Grad in der Sonne am Dienstag pünktlich um 12 Uhr die Protestfahrt des vereinten Münchner Taxigewerbes gegen Uber und andere, sich nicht gesetzeskonform verhaltende Mobilitätsanbieter. Ziel der über eine Nord- und eine Südroute ins Zentrum strategisch einfallenden Taxis war das Münchner Siegestor. Nach Angaben des Mitveranstalters Taxi Times, einem überregionalen Branchenmagazin, waren rund 750 Taxis an dem Protestzug beteiligt. Also etwas weniger als noch bei der letzten Demo gegen Uber.

Ob der Münchner Triumphbogen, ursprünglich dem Bayerischen Heere gewidmet, aber auch für einen glorreichen Sieg des Heeres bayerischer Kraftdroschken über das noch immer mit seinen in und um München herumlungernden Pseudotaxis des gesetzeswidrig agierenden US-Konzerns stehen wird, bleibt weiter ungewiss. Die Uber-Autos verstopfen jedenfalls noch immer den Verkehr und besetzen weiterhin den hartnäckig umkämpften Parkraum in der bayerischen Landeshauptstadt.

Zwar gelang es dem Taxigewerbe gestern wieder die eigenen Reihen zu schließen und eine schwer zu überhörende und kaum zu übersehende Einheitsfront rund um das Siegestor zu bilden, den Krieg gegen den US-Konzern hat man aber längst noch nicht für sich entschieden. Und das, obwohl der Eindringling, ob in Deutschland oder sonstwo in Europa, jüngst in Wien etwa, vor Gericht eine Niederlage nach der anderen kassiert. Ubers Schlachtplan für Deutschland, Europa und die ganze Welt lautet schließlich: Gesetze und Gerichtsurteile gelten nur für die Anderen.

Der US-Konzern hat eben viel Geld in seiner Kriegskasse. Sehr viel Geld, Lobbyisten und Kontakte - zu den Medien etwa. Hierzulande zur Springer-Presse. Die, das sollte man nicht ganz vergessen, finanziell an Uber beteiligt ist. Uber-Chefs referieren aber auch gerne mal auf diversen Einladungen - zum Beispiel über Ubers nächstes Kapitel im "Digital-Live-Design" - bei Burda-Media.

Bild: Flo Osrainik

Aber der Reihe nach. Bevor die Kolonne aus hellelfenbeinfarbenen Fahrzeugen die nahezu komplette Ludwigstraße, bis hin zur Leopoldstraße mit geparkten Taxis lahmlegen konnte, veranstalteten die Veranstalter der Sternfahrt noch ein Pressegespräch in den Räumen der Münchner Taxi Genossenschaft.

Der Einladung vom Landesverband Bayerischer Taxi- und Mietwagen, des Taxiverbands München und der beiden lokalen Taxi-Zentralen folgten aber nur ein Vertreter vom Bayrischen Rundfunk und noch einer von der dpa. Bloß das Thema, besser gesagt die Problematik mit Uber und Konsorten - "Was ist denn der Unterschied zwischen Taxi- und Mietwagen?", "Wie läuft es denn so in München?" oder "Uber investiert nicht nur in Autos, auch in Fahrräder" - war den beiden Gästen noch etwas unklar.

Die Bild, in München am Isartor stationiert, wusste erst gar nichts von einer Demonstration des Münchner Taxigewerbes gegen den Konzern aus San Francisco zu berichten. Beim Ableger der Springer-Presse findet man aber auch traditionell gut, was aus den Staaten über den großen Teich geflogen kommt, ob mit oder ohne Bomben.

Stattdessen brachte das Kampagnenblatt am selben Tag lieber einen Artikel über fünf Selbstmorde von New Yorker Taxifahrern in fünf Monaten wegen des "desaströsen" Zustands des Gewerbes dort, an dem Uber und dessen zweiter Lieblingsfeind Lyft zwar nicht ganz unbeteiligt wären. Aber hey: der Uber-Chef schlägt doch immerhin eine Gebühr auf alle App-basierten Fahrdienste vor. Und die Einnahmen könnten dann, also könnten, ohne zu müssen, in einen Fonds fließen, um Taxifahrern in Not zu helfen.

Außerdem, so Bild, würden über die Uber-Plattformen in Berlin und München jetzt ja nur noch professionelle Fahrer vermittelt. Und nachdem der Ortskundeschein für Mietwagenfahrer hier schon - ganz nach dem Gusto von Uber, es muss Zufall gewesen sein - gefallen ist, erfährt man leider nicht mehr, ob es sich bei dem Hinweis in der Bild um einen Witz, ein Gerücht oder doch nur um Werbung á la Bernays, also astreine Propaganda handelt.

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