Arabische Clans: Die harte Realität

Ralph Ghadban. Foto: Privat

Ralph Ghadban über die Kriminalität arabischer Clans in Deutschland

Der libanesischstämmige Migrationsforscher und Islamwissenschaftler Ralph Ghadban untersucht in seinem Buch Arabische Clans - Die unterschätzte Gefahr das Entstehen, die Struktur und das Agieren krimineller arabischer Großfamilien im deutschen Raum.

Herr Ghadban, wie viele arabische Clans gibt es in Deutschland, wie häufig werden sie kriminell und wie viele Mitglieder haben sie?
Ralph Ghadban: Die arabischen Clans werden in der Statistik nicht erfasst. Erfasst wird die Staatsangehörigkeit, der Clan der Mhallamis und die Palästinenser werden deshalb, weil sie keinen Staat haben, als staatenlose oder ungeklärte Staatsangehörige registriert und vermischen sich mit anderen Migrantengruppen. Auch fehlen in der Statistik die Eingebürgerten, weil sie als Deutsche ausgeführt werden. Lokale Erhebungen haben allerdings gezeigt, dass die Kriminalitätsraten der Clans überproportional hoch sind.
Was unterscheidet die Clankriminalität von anderen Arten der Kriminalität?
Ralph Ghadban: Die Clankriminalität gehört zur organisierten Kriminalität. Diese beruht eigentlich auf Freiwilligkeit: Menschen tun sich freiwillig zusammen, um eine Straftat zu planen und zu begehen. Die Abmachung kann punktuell oder langfristig sein, ein Ausstieg einzelner Mitglieder ist immer möglich.
Bei der Clankriminalität dagegen ist die Freiwilligkeit nicht gegeben. Man wird in einen Clan hineingeboren und unterliegt seinen Regeln, Normen und Weltanschauung. Wenn die Kriminalität im Clan überdimensional wächst und die nichtkriminellen Clanmitglieder aus freiwilliger oder erzwungener Clansolidarität zusammenhalten und ihre Verwandtschaft decken, dann wird der Clan zu einer kriminellen Organisation. Bei den Clans ersetzt die Verwandtschaft die Freiwilligkeit.
Wie wirkt sich diese Art von Kriminalität auf die gesellschaftliche Umwelt aus?
Ralph Ghadban: Die Clans sehen ihre Umwelt nicht als Lebensraum, den es zu schützen und lebensfreundlich zu gestalten gilt. Deshalb sind sie im Kiez nicht verwurzelt und beteiligen sich nicht an den Aktivitäten der Zivilgesellschaft. Sie betrachten ihre Umwelt als Feindesland, das es zu erobern und zu kontrollieren gilt. Wo sie ansässig sind, spürt die Umwelt ihre Kontrollen in der Form von Erpressung und Schutzgeld, Eigentumsdelikten, Raubüberfällen und so weiter.
Inzwischen beschränkt sich ihre Kriminalität nicht mehr auf ihre armen Wohnviertel in der Stadt, sie werden immer aktiver in wohlhabenden Bezirken. Außerdem haben sie entdeckt, dass auf dem Land eine Bevölkerung lebt, die noch gutmütig und ziemlich schutzlos ist, die noch leichter auszunehmen ist als die Städter.
Wie stark sind diese Clanstrukturen in Religion und Kultur verwurzelt?
Von Marokko bis Zentralasien haben die Clans und die Stämme immer existiert. Der Stamm besteht aus vielen Clans. Man darf nicht übersehen, dass von diesem Gebiet nur 14 Prozent landwirtschaftlich nutzbar sind, dort lebten die Bauern organisiert in Großfamilien. Im Rest lebten die Nomaden organisiert in Stämmen.
Dazwischen an den Rändern der Wüste und in den Bergregionen lebten Halbnomaden, das sind Bauern und Hirten zugleich. Weil die landwirtschaftlichen Erträge unzureichend sind, müssen sie Viehwirtschaft betreiben. Ihre Großfamilie ähnelt dem Clan der Nomaden mehr als die Großfamilie der Bauern.
Der Islam hat die Großfamilie bzw. den Clan und den Stamm in seiner Rechtsvorstellung integriert, deshalb hat die Großfamilie als soziale Grundeinheit in ihren drei Formen bis heute überlebt.
Wie unterscheiden sich in puncto Rechtsauffassung muslimisches und europäisches Recht - und wie wirkt sich das auf die Verhaltensmuster der Clans aus?
Ralph Ghadban: Der organisierte Islam erkennt die Menschenrechte nur im Rahmen der Scharia an, das heißt er erkennt sie nicht an. Im Islam gilt das göttliche Recht, die Scharia und nicht das von Menschen geschaffene Recht. Diese Auffassung teilt meinem Eindruck nach die Mehrheit der Muslime in Europa; für sie steht die Scharia über dem Grundgesetz. Das ist für die Clans ähnlich mit dem Unterschied, dass sie sich nach den Clannormen richten, die vom islamischen Recht abweichen, diesem aber nicht grundsätzlich widersprechen.
Sie untersuchen in ihrem Buch konkret die Clanstruktur der Mhallamis. Was sind die Mhallamis, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten existieren mit den hiesigen muslimischen Communities?
Ralph Ghadban: Die Mhallamis sind Halbnomaden genau wie die Kurden aus der Türkei, sie stammen auch aus denselben Regionen, sprechen aber einen arabischen Dialekt. Ihre ethnische Abstammung ist jedoch unklar, das bindet sie noch enger an den Clan, als identitätsstiftend. Die zweite klare Bindung ist ihre Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Muslime. Dass sie Teil der islamischen Parallelgesellschaft in Deutschland sind, ist für sie eine Selbstverständlichkeit. Sie befolgen allerdings die Gebote einer religiösen Organisation, die die anderen Muslimen als Sekte betrachten.
Warum haben die Mhallamis in Deutschland eine solche Entwicklung genommen?
Ralph Ghadban: Als sie nach Ausbruch des Bürgerkrieges 1975 im Libanon illegal nach Westdeutschland kamen, waren sie die ersten Bürgerkriegsflüchtlinge. Das war neu und man betrachtete sie als Wirtschaftsflüchtlinge. Mit der Verschärfung des Asylrechtes wollte man eine abschreckende Wirkung erzielen und sie dazu drängen, das Land verlassen. Man hat aber nur ihre Verdrängung an den Rand der Gesellschaft erreicht: Wegen der Genfer Flüchtlingskonvention konnte man sie nicht abschieben. Dort haben sie ihre mitgebrachten Clanstrukturen reproduziert und ihre Raubzüge begonnen.
Später, am Ende der 80er Jahre, wurde ihnen mit der Altfallregelung der Zugang zur Integration in der Gesellschaft geöffnet, sie blieben jedoch an ihrem Rand und betrachteten sie als Beutegesellschaft.
Welche politischen Fehler in der deutschen Politik begünstigten den Clan bei seiner Entwicklung?
Ralph Ghadban: Erstens fehlte eine Integrationspolitik, was aber andere Migrantengruppen nicht daran gehindert hat, sich zu integrieren. Zweitens hat man nicht gewusst, was Bürgerkriegsflüchtlinge sind. Das wurde im Ausländergesetz von 1990 berücksichtigt und korrigiert. Drittens hat man das Phänomen der Großfamilie gar nicht wahrgenommen. Man fand die Ehe unter Verwandten, beziehungsweise unter Cousin und Cousine, eher bizarr oder lustig. Man war von der Überlegenheit unserer offenen, individualisierten freiheitlich demokratischen Rechtsordnung tief überzeugt und glaubte, die Migranten werden sich automatisch integrieren. Das war ein fataler Fehler.
Warum wurde die Gewaltaffinität der Mhallamis so spät bemerkt?
Ralph Ghadban: In den 80er Jahren hat man schon gemerkt, dass zum Beispiel in Westberlin dieselben Familiennamen von jugendlichen Straftätern in den meisten Bezirken vorkommen. Eine Sensibilisierung zur Clanproblematik war im Gange, wurde aber durch den Einzug der Ideologie des Multikulturalismus gestoppt. Im Rahmen der Bekämpfung der Ausländerfeindlichkeit wollte man die ethnischen Minderheiten nicht stigmatisieren und diskriminieren, man zollte ihnen und ihrer Kultur Respekt, schließlich seien alle Kulturen gleichwertig. Es war politisch nicht mehr korrekt, andere Kulturen zu kritisieren und hinterfragen. Man wurde blind. Bis heute weigern sich viele Mulikulturalisten, die harte Realität so zu sehen, wie sie ist.
Gibt es in anderen europäischen Ländern eine ähnliche Entwicklung?
Ralph Ghadban: Wo es eine große Konzentration von Mhallamis gibt, wie in Schweden, ist die Entwicklung ähnlich, allerdings mit einem Unterschied: Schweden hat die Flüchtlinge nicht ausgegrenzt, sie hat ihnen die besten Bedingungen für die Integration geschaffen, trotzdem sind ihre negative Haltung und ihre Kriminalität so ausgeprägt wie in Deutschland. Schweden hat von Anfang an eine offizielle Multikulti-Politik gehabt, das ist der Grund für die gescheiterte Integration. Das zeigt, dass die materielle Versorgung allein nicht ausreicht, um Migranten zu integrieren, entscheidend ist die kulturelle Integration durch Akzeptanz der Menschenrechte und des Rechtsstaates.
Sie schreiben, dass die Mhallimis häufig untereinander Minderjährige verheiraten. Warum schreitet bei dieser illegalen Praxis die Justiz nicht ein?
Ralph Ghadban: Die meisten Islamverbände sind dagegen, aber viele von ihnen haben keine effektive Kontrolle über ihre Moscheen, ein Grund, warum sie nicht als Religionsgemeinschaften vom Oberverwaltungsgericht Münster anerkannt wurden. Viel wichtiger ist die Anwesenheit von salafistischen und radikal islamistischen Moscheen, die unseren Rechtsstaat ablehnen und nach dem Vorbild des Propheten Mohammads die Ehe mit neunjährigen Mädchen abschließen. Der Staat hat diese uralte illegale Praxis toleriert und bis jetzt nichts unternommen.
Wie reagieren Polizei und Justiz auf die Clan-Kriminalität?
Ralph Ghadban: Der Multikulti-Schleier wirkt sich bei der Justiz besonders negativ aus. Über ihre milden Urteile lachen die Clans, sie haben sie nie erschrocken oder abgehalten, weiter zu machen. Der Polizei ist durch die Politik die Hände gebunden. Sie sieht das Problem, darf es aber nicht benennen, weil es politisch inkorrekt ist, von Clankriminalität zu reden. In der ganzen Republik gibt es ein einziges Landeskriminalamt, das ein Lagebild zur Clankriminalität erstellt.
Was kann von staatlicher Seite aus gegen diese Clanstrukturen unternommen werden?
Ralph Ghadban: Man muss den Multikulti-Schleier lüften, dann kommen die Lösungen von selbst. Die Clankriminalität kann man mit Polizei und Justiz allein nicht bekämpfen, weil sie an erster Stelle ein Integrationsproblem darstellt. Deshalb ist eine koordinierte Aktion zwischen allen Behörden notwendig, um die Clanstruktur zu sprengen und die Integration, die immer individuell geschieht, zu ermöglichen.
Diese Kooperation kann dann die Aussteiger aus dem Clan unterstützen und begleiten. Das sind einzelne Personen und Familien, die ihrem eigenen Weg folgen wollen, die soziale Isolierung und den sozialen Druck jedoch befürchten und vor allem Frauen, die ihr eigenes Leben führen wollen; sie werden vielfach von ihren Angehörigen bedroht. (Reinhard Jellen)
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