Arabische Hinweisschilder gegen Wildbiesler

Bangladesch nutzt das sakrale Image der Koransprache

Die bayerische Sprache kennt Wörter, für die es im Hochdeutschen keine wirklich gute Entsprechung gibt. Zum Beispiel den "Wildbiesler". Das ist eine (meist männliche) Person, die ihre Notdurft an Stellen verrichtet, die dafür nicht vorgesehen sind. Häufig geschieht dies unter Alkoholeinfluss - zum Beispiel beim Münchner Oktoberfest, wo Anwohner Wildbiesler zunehmend als Problem wahrnehmen.

Ein Anwohner hat deshalb öffentlich angekündigt solche Personen zu filmen und die Videos auf YouTube zu zeigen. Das könnte in Deutschland jedoch zu rechtlichen Problemen führen. Der Rat der Polizei, sich an sie anstatt an die YouTube-Öffentlichkeit zu wenden, ist allerdings wenig praxistauglich, weil sie wenigsten Wildbiesler sich so lange Zeit lassen werden, bis ein Streifenwagen kommt.

In Bangladesch hat man jetzt eine Abschreckungsmethode gefunden, die sehr wirksam ist und ohne YouTube auskommt: Dort ersetzten die Behörden wirkungslose Urinierverbotschilder in der Landessprache Bengalisch (die in einer indischen Schrift geschrieben wird) mit solchen in Arabisch. Diese Sprache wird von den meisten Einwohnern nicht verstanden, aber erkannt, weil sie Moslems sind. Weil sie die Zeichen aus dem Koran kennen, schrecken die meisten Männer, die sich gerade erleichtern wollten, zurück, wenn sie die Schilder sehen und verschieben ihr kleines Geschäft.

Werbevideo der Religionsministeriums von Bangladesch

Obwohl die Kampagne von Religionsminister Matior Rahman initiiert wurde, der in einem Werbevideo darauf hinweist, dass Männer mit starkem Harndrang, eine der zahlreichen Moscheen aufsuchen könnten, die sanitäre Einrichtungen zur Verfügung stellen, stößt sie nicht bei allen Bangladeschis auf ungeteilte Zustimmung: Der einflussreiche Kleriker Fariduddin Masud beklagte gegenüber dem Portal Natunbarta, die Verwendung für solche Zwecke mindere langfristig das Ansehen der arabischen Sprache, weshalb die Regierung kein Recht habe, sie dafür einzusetzen.

In anderen Ländern wäre die Methode nur dann wirksam, wenn zwei Voraussetzungen gegeben sind: Erstens muss es sich bei den Einwohnern (oder wenigstens bei den Wildbieslern) weitgehend um Moslems handeln. Und zweitens dürfen diese nicht Arabisch sprechen, sondern höchstens eine oberflächliche Kenntnis dieser Sprache haben. Aber auch wenn diese beiden Voraussetzungen gegeben sind, besteht die Gefahr, dass sich der Effekt schneller abnutzt als sich die Wildbiesler an einer Verhaltensänderung gewöhnen. (Peter Mühlbauer)

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