Arbeitslosigkeit in den USA steigt stärker als erwartet

Anders als allseits erwartet, hat die Quote die 10%-Marke überschritten und das ist ein erneuter harter Schlag für Obama

Am Freitag musste das US-Arbeitsministerium eine neue Hiobsbotschaft für die Regierung unter Barack Obama verkünden. Die Arbeitslosenquote ist auf 10,2 % gesprungen und damit auf den höchsten Stand seit 1983 geklettert. Damit waren im Oktober offiziell fast 16 Millionen Menschen in den USA arbeitslos. Statt von 9,8 auf 9,9 zu steigen, wie die Experten erwartet hatten, schnellte die Quote deutlich über die psychologisch bedeutsame Marke von 10 %, weil offiziell erneut fast 200.000 Menschen ihren Job verloren. Seit dem Dezember 2007, als die USA in die Rezession abrutschten, stieg die Zahl der Arbeitslosen um 8,2 Millionen, womit die Quote um 5,3 % Prozentpunkte gestiegen ist. Damit ist sie weit über die Marke geschnellt, die im so genannten Bankenstresstest als "Worst-Case-Szenario" mit höchstens 8,9 % angegeben wurde.

Präsident Barack Obama nannte die neuen Zahlen bedauerlich. Sie zeigten, dass noch viel getan werden müsse, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. "Ich werde nicht eher ruhen, bis jeder Amerikaner, der arbeiten will, auch Arbeit findet", erklärte Obama im Rosengarten des Weißen Hauses. Das klingt immer weniger überzeugend. Ohnehin zeigte der Household-Survey,, dass in den vergangenen drei Monaten tatsächlich jeweils etwa 600.000 Stellen abgebaut wurden. Die Diskrepanz ergibt sich, weil viele Arbeitslose sich schlicht nicht mehr registrieren lassen. Der starke Anstieg der Arbeitslosigkeit lässt für die US-Wirtschaft nichts Gutes erwarten, da sich dadurch das Konsumklima weiter verschlechtern wird. Für eine Ökonomie, deren Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu 70 % auf dem nationalen Konsum beruht, ein fatales Zeichen.

Klar ist, dass das Obamas Schönreden nach einem Jahr im Amt immer weniger verfängt. Seine Demokraten mussten bei den Gouverneurswahlen in Virginia und New Jersey im Laufe der Woche herbe Niederlagen einstecken. Der Sieg der Republikaner im eher konservativen Virginia ist für Obama noch einigermaßen leicht zu verschmerzen, auch wenn er dort vor einem Jahr gewonnen hat und er sich persönlich im Wahlkampf engagierte. Viel tragischer ist für Obama, dass in New Jersey, ein Stammland der Demokraten, der republikanische Herausforderer Chris Christie den Amtsinhaber Jon S. Corzine ausstechen konnte.

Angesichts der Arbeitsmarktzahlen darf eigentlich auch niemanden wundern, dass das Bankensterben weiter an Fahrt aufnimmt. Nach der Insolvenz der Mittelstandsbank CIT – die größte Pleite seit dem Absturz der Lehman Brothers wurden am Freitag erneut von der US-Einlagensicherungsbehörde (FDIC) fünf Banken geschlossen. Mit der United Commercial Bank in San Francisco, die Vermögenswerte von 11,2 Milliarden US-Dollar aufwies, war erneut auch ein größeres Institut dabei. Die neuen Pleiten bringen inzwischen auch die FDIC an den Rand des Kollapses, denn deren Reserven waren schon vor den fünf neuen Pleiten auf nur noch gut sieben Milliarden Dollar eingedampft, weil in diesem Jahr schon 120 Banken geschlossen werden mussten. Die USA sind drauf und dran, den Rekord von 1992 zu knacken, als während der Sparkassenkrise 181 Institute geschlossen wurden. Allerdings handelt es sich heute um ganz andere Kaliber als damals. Wie sich das Bankensterben analog zur steigenden Arbeitslosigkeit entwickelt, ist leicht aufgezeigt. Während 2007 drei Banken geschlossen wurden, waren es 2008 schon 25 Institute.

Bei den Zahlen muss auch beachtet werden, dass die wirklich großen Pleiteinstitute verstaatlicht wurden, um sie vor dem Umfallen zu retten. Bestes Beispiel sind die großen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac. Es war kein Geheimnis, dass die verstaatlichten Immobilienriesen den Steuerzahlern noch tiefer in die Tasche greifen würden, weil die sich Kreditausfälle wegen der steigenden Arbeitslosigkeit bei den Instituten häufen, die für gut die Hälfte aller Immobilienkredite garantieren (mehr als fünf Billionen Dollar) garantieren. Im dritten Quartal hat allein Fannie Mae einen erneuten Verlust von fast 20 Milliarden Dollar eingefahren. Nach dem neunten Quartalsverlust in Folge summiert sich das Minus allein beim großen Immobilienfinanzierer auf etwa 120 Milliarden Dollar auf. Das Finanzministerium muss erneut 15 Milliarden Dollar in das schwarze Loch pumpen, in dem schon 60 Milliarden versenkt wurden. Beim kleineren Freddie Mac sieht es wohl ähnlich aus. Auch der Autofinanzierer GMAC braucht wegen Kreditausfällen erneut zwischen zwei und fünf Milliarden vom Steuerzahler, die sich zu den 13,5 Milliarden gesellen werden, die er schon als Staatshilfe erhielt, um ihn vor dem Absturz zu bewahren.

Die enorme Arbeitslosigkeit wird zu einem immer größeren Problem für die Regierung. Es war kein Zufall, dass US-Präsident Obama trotz der Rekordverschuldung ein Gesetz auf den Weg gebracht hatte, um den Bezug von Arbeitslosengeld zu verlängern. Der US-Senat hat schon dafür gestimmt, dass die am stärksten von Arbeitslosigkeit betroffenen Staaten den Bezug auf bis zu zwei Jahren ausweiten können. Auch soll das Programm verlängert werden, das den darbenden Immobilienmarkt mit Anreizen zum Häuserkauf stützen soll. Allerdings muss das Gesetz mit diesen beiden Maßnahmen noch vom Repräsentantenhaus verabschiedet werden, bevor es Obama unterschreiben kann.

Für die Zinsentscheidung der Notenbank (FED) in dieser Woche, den Leitzins "eine längere Zeit" bei Null zu belassen, dürfte von der Hiobsbotschaft vom Arbeitsmarkt genauso getrieben worden sein, wie die Gesetzesinitiative von Obama. Beide Maßnahmen sind klare Anzeichen dafür, dass man der eigenen Propaganda, wonach man das Tal der Tränen verlasse, nicht glaubt. Allen ist klar, dass mit der Flutung der Geldmärkte die Gefahren steigen, neue "Monsterblasen" zu erschaffen. Doch man versucht weiter, den Teufel mit dem Belzebub zu auszutreiben, weil man offenbar im Weißen Haus und in der FED ratlos ist.

Dass diese Politik irgendwann zu einer massiven Inflation führen dürfte, ist auch allen klar. Anders kann der Schulden-Junkie USA die massiven Schulden wohl auch nicht mehr tilgen, als sie über Inflation zu beseitigen. Trotz eines über Konjunkturprogramme herbeigedopten Wachstums im dritten Quartal glauben auch viele Anleger nicht an eine wirkliche Erholung der USA. Das kann an der Flucht ins Gold deutlich aufgezeigt werden.

Es ist keine gute Nachricht für den abstürzenden Dollar, der sich inzwischen im Bereich von 1,5 zum Euro eingependelt hat – Tendenz fallend -, dass der Goldpreis am Freitag nun auch die Schwelle von 1100 Dollar geknackt hat. Der Goldpreis hat damit einen historischen Höchststand erreicht und der Trend zeigt wegen des schwachen Dollars und der Probleme in den USA weiter aufwärts. Auslöser für den Sprung war genau der Arbeitsmarktbericht, der die Anleger dazu bringt, noch stärker ins Gold zu fliehen, um sich gegen einen erwarteten Dollar-Verfall und Inflation abzusichern.

Indien und China, die große Dollarreserven halten, treten verstärkt als Goldkäufer auf dem Markt auf. Indien hat gerade dem Internationalen Währungsfonds (IWF) 200 Tonnen Gold abgekauft. Die Hälfte der geplanten IWF-Goldverkäufe in Höhe von 403 Tonnen ist damit schon abgewickelt und die übrigen 203 Tonnen wird wohl China kaufen, womit wichtige Notenbanken erstmals seit langer Zeit wieder als Nettogoldkäufer auf dem Markt auftreten. Neben ihnen greift vor allem auch Russland den Dollar als Leitwährung an.

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