Areva: Riskante Teile für AKWs weltweit verbaut

Sicherheit in Frankreich und in den USA zweitrangig

Obwohl die ASN angesichts eines kollabierenden Stromnetzes versucht - der Energieversorger ruft wegen der Kälte schon zum Stromsparen auf - schnell wieder möglichst viele Atomkraftwerke ans Netz zu bringen, gilt das weiterhin nicht für Fessenheim 2. Gerade nach der ersten Kältewelle, als Frankreich am Tropf der Nachbarländer hing, und gerade vor der angekündigten zweiten Kältewelle, unter der Frankreich nun noch stärker bibbert und schon mit kurzen Stromausfällen kämpft, hat die ASN trotz der festgestellten "Kohlenstoff-Anomalien" das Wiederanfahren von neun von zwölf weiteren Meilern genehmigt. Dabei muss befürchtet werden, dass damit versucht wird, dem befürchteten Blackout zu entgehen, der die Atomkraft in Frage stellen würde. Sicherheitsfragen werden wohl als zweitrangig erachtet.

Auffällig ist, dass der Uraltmeiler Fessenheim 2 - direkt an der deutschen Grenze - nicht dabei ist. In den USA, wo der Kraftwerkspark ebenfalls meist schon überaltert ist, täte man gut daran, die Meiler sicherheitshalber vom Netz zu nehmen, bei denen nun noch massivere Sicherheitsbedenken bestehen. Nach Angabe der NRC sind folgende Atomkraftwerke und Blöcke betroffen: FirstEnergy's Beaver Valley 1, Luminant's Comanche Peak 1, Scana's VC Summer, Southern's Farley 1, 2, STP's South Texas 1, 2, TVA's Sequoyah 1, TVA's Watts Bar 1, Entergy's ANO 2, Dominion's North Anna 1, 2, Dominion's Surry 1, Dominion's Millstone 2, NextEra’s St. Lucie 1, Xcel Energy Prairie Island 1, 2. Doch weil man auch in den USA offensichtlich dringend auf den Strom aus den Reaktoren angewiesen ist, übernimmt man die Lesart von Areva und erklärt derzeit, man habe "keine dringlichen Sicherheitsbedenken" an den "potentiell defekten Teilen" in den US-Atomkraftwerken. Man fragt sich ernsthaft, welche Zustände in so gefährlichen Anlagen geduldet werden, wenn sogar Zweifel daran bestehen, dass Reaktordruckbehälterdeckel spröde sind oder deren Zertifikate gefälscht wurden. Dabei behauptet die US-Atomaufsicht aber, dass sie die Probleme "nicht auf die leichte Schulter" nehmen würde. Während die Untersuchungen andauern, werde man weiter alarmiert bleiben.

As the investigation continues, we remain alert to any indication that the documentation irregularities at Creusot Forge might call into question the safety of these components and U.S. nuclear plants.

US-Atomaufsicht

In Bezug auf die Probleme von Areva, die dem Kraftwerksbauer zunehmend über den Kopf wachsen, ist vielleicht noch anzumerken, dass EU gerade neue Staatshilfen für den Atomkonzern genehmigt hat. Schon im vergangenen Jahr hatte der Pleite-Konzern von der Regierung eine Gesamtlösung zur Rettung gefordert. Nun darf der Atomkonzern Staatshilfen in Höhe von 4,5 Milliarden Euro erhalten. Die EU-Wettbewerbshüter kamen vergangene Woche zu dem Schluss, dass die von der Regierung in Paris geplante Unterstützung mit europäischen Vorschriften im Einklang stehe.

Die Staatshilfe ist an einen Umstrukturierungsplan und letztlich an die Zerschlagung des Konzerns geknüpft. Angeblich soll mit der Milliardenspritze in die angeblich so günstige Atomkraft die Rentabilität wiederhergestellt werden. Auf 4,5 Milliarden Euro soll die Wettbewerbsverzerrung begrenzt werden. Areva muss das Geschäft mit den Atomreaktoren allerdings an den großen Stromversorger EDF abgeben, der damit eine enorme Bürde aufgeladen bekommt.

Allerdings knüpft die EU-Kommission die Genehmigung für die Subventionen an eine erfolgreiche Überprüfung des EPR-Baus in Flamanville durch die Behörde für nukleare Sicherheit in Frankreich. Vorher darf die Staatshilfe nicht ausgezahlt werden. In weiser Voraussicht aber, dass sich die Behörde nicht trauen wird, dem Fiasko-Reaktor den Segen abzusprechen, hat man in Brüssel schon einmal vorweg ein Überbrückungs-Darlehen Frankreichs in Höhe von 3,3 Milliarden Euro an Areva genehmigt.

Allerdings glauben viele in der EDF - 85% in Staatshand -, dass sich der große Energieversorger mit Areva verhebt, vor allem mit dem geplanten Bau des Atomkraftwerks im britischen Hinkley Point. Das ist das Projekt, mit dem Frankreich seine Pleite-Atomsparte wieder aufleben lassen und für eine Renaissance der Atomkraft sorgen will. Diverse Führungsmitglieder traten wegen der erratischen Strategie ab und auch Gewerkschaften befürchten, dass nun über Areva auch die EDF auf den Pleitekurs geführt wird. Bisher sind alle EPR-Neubauten ein Fiasko, Siemens hat sich schon frühzeitig aus den Projekten verabschiedet und weiß wahrscheinlich warum.

Das gilt neben Flamanville noch stärker für das finnische Olkiluoto. Dort haben sich die Baukosten von geplanten 3,3 Milliarden Euro sich zwischenzeitlich auf etwa 10,5 Milliarden schon mehr als verdreifacht. Eigentlich sollte der Reaktor schon seit Jahren am Netz sein. Ob er jemals fertiggestellt wird, wird immer fraglicher, nicht einmal die EDF wollte das Areva-Projekt übernehmen. Man darf auch gespannt sein, welcher Stahl in Finnland verwendet wurde, denn auch hier bestehen Zweifel an den Kohlenstoffkonzentrationen. (Ralf Streck)

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