Asymmetrisch hohe gesundheitsgefährdende Emissionen von Mopeds

Autos und LKWs sind in manchen Städten nicht Hauptverursacher des Feinstaubs, besonders im Leerlauf sind Mopeds nach einer Studie extreme Dreckschleudern

Mopeds sind billig, klein, verbrauchen relativ wenig Sprit und wendig, wenn auch laut. Sie werden gerne in Städten, vor allem in Südeuropa, Asien und Afrika verwendet und fallen beispielsweise nicht zuletzt Fahrradfahrern auch durch ihre starken Abgase aus. Zweitaktmotoren stoßen bekanntlich viele Emissionen aus, weil ihre Verbrennungsleistung schlecht ist. Nach einer Studie sind sie tatsächlich wahrhafte Dreckschleudern, die die Luft in Großstädten stärker als Autos und LKWs belasten können, auch wenn ihre Zahl wesentlich geringer ist. In China wurden die Dreckschleudern teils schon seit den 1990er Jahren aus einigen Städten verbannt, aber diese versinken trotzdem aufgrund des rasant steigenden übrigen Verkehrs, der Industrialisierung, der Umweltschäden und der Kohlekraftwerke weiter in Smog.

Dreckschleudern: Trotz ihrer geringen Anzahl steuern Zwei-Takt-Mopeds in vielen Städten den Grossteil der Emissionen an Feinstaub und anderen Luftschadstoffen bei. Bild: Paul Scherrer Institut

Weiterhin sind die Emissionen von Kleinkrafträdern in der Regel wenig oder nicht reguliert. In der EU wird erst ab 2017 für Motorräder und Mopeds die Emissionsstufe Euro 5 eingeführt, bislang gilt für Mopeds Euro 2. Ein internationales Team der Leitung von Wissenschaftlern des Schweizer Paul Scherrer Instituts (PSI) haben nun die Emission von organischen Aerosolen und aromatischen Kohlenwasserstoffen im Labor und in Standard-Fahrzyklen gemessen. Organische Aerosole sind Bestandteile des Feinstaubs, Aromaten können zu Feinstaub umgewandelt werden, aber können schon als Gas wie Benzol gesundheitsschädlich sein.

In den Versuchen in der vom PSI entwickelten Smogkammer stellte sich aber auch heraus, wie die Wissenschaftler in ihrer Studie schreiben, die in Nature Communications erschienen ist, dass aus den Abgasen von Zweitaktmotoren noch weitere gesundheitsgefährliche Produkte in Form von "reaktiven Sauerstoffspezies", die wie Feinstaub in die Lunge gelangen können.

Besonders im Stillstand stoßen Mopeds erhebliche Mengen an organischen Aerosolen und Aromaten aus, aber auch wenn sie fahren, liegen die Emissionen noch um Größenordnungen über den in Europa und den USA zulässigen Grenzwerten. Mopeds emittieren 300,000 µg m-3</sup> oder 146 p.p.m. im Leerlauf, der jährliche Grenzwert der EU liegt bei 5 µg m-3</sup> .

Gesundheitliche Risiken gehen besonders Fahrradfahrer, aber auch andere Verkehrsteilnehmer ein, die auf der Straße hinter Mopeds im Leerlauf warten müssen und die Abgase einatmen. Für die Wissenschaftler können diese "sehr schädlich für die Gesundheit" sein. Die Ursachen der unverhältnismäßig großen Luftverschmutzung der Zweitakt-Motoren sind bekannt: "die unvollständige Verbrennung, das hohe Verhältnis von Brennstoff zu Luft in der Brennstoffmischung oder die Notwendigkeit, das Schmieröl direkt dem Brennstoff beizumischen".

Da diese Faktoren bei Viertaktmotoren keine große Rolle spielen, sprechen die Wissenschaftler von einer "asymmetrischen Luftverschmutzung" von Mopeds. Ihre Emissionen können tausende Male höher liegen als die jedes anderen Fahrzeugs. Am Beispiel von Bangkok haben sie ausgerechnet, dass der Anteil der Mopeds an den Emissionen primärer organischer Aerosole bei mindestens 60 Prozent liegt, wenn man die Emissionsfaktoren europäischer Mopeds zugrunde legt, dass aber auf sie nur 10 Prozent des Spritverbrauchs in der Stadt entfallen. Autos und Lastwagen sind zumindest hier nicht Hauptverursacher.

Selbst in Europa, vor allem in Südeuropa, würde eine Reduzierung der Zahl der Mopeds eine kostengünstige Reduzierung der Emissionen aus dem Straßenverkehr zur Folge haben, sagen die Autoren. Möglich sei aber auch der Umstieg auf elektrische Mopeds oder Viertakter. Den erheblichen Rückgang der Belastung könne man anhand der chinesischen Städte Guangzhou und Dongguan sehen, in denen gewissermaßen eine Feldstudie stattgefunden hat. In Guangzhou ist die Konzentration nach dem Verbot von Zweitakt-Mopeds im Jahr 2005 um mehr als 80 Prozent gesunken, während in Dongguan, wo die Mopeds nicht verboten sind, trotz einer deutlich geringeren Verkehrsbelastung die Aromatenkonzentration mittlerweile höher liegt. Auf jeden Fall scheint es seltsam zu sein, wenn in Europas Städten Umweltzonen verordnet werden, die größten Dreckschleudern aber weiterhin fahren dürfen.

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