Athen hoffte auf Obama und bangt vor Schäuble

Bei seinem Abschiedsbesuch demonstrierte Barack Obama seine Fitness. Bild: W. Aswestopoulos

Obama würdigte den Einsatz der Griechen für die Flüchtlinge und kritisierte die Austeritätspolitik, in Berlin blieb man bei der Haltung

Die griechische Regierung hatte sich vom Besuch des scheidenden US-Präsidenten Barack Obama Hilfe im Ringen mit Berlin und den Kreditgebern versprochen. Tatsächlich machte Obama den Griechen den Gefallen. Er verwies öffentlich mehrfach auf die Tatsache, dass Austeritätspolitik allein keinen Wirtschaftsaufschwung auslösen könnte. Auch in der Frage der Staatsschulden neigte er dazu den Schuldenschnitt, welchen sich die griechische Regierung wünscht, zu befürworten.

Obamas Abschiedstour

Die Woche in Athen war gezeichnet von Obamas Abschiedstour durch Europa. Auf der letzten Auslandsreise seiner Amtszeit hatte der erste Schwarze im Präsidentenamt, von dessen Amtszeit sich viele mehr erwartet hatten, in Athen noch einmal eindrucksvoll bewiesen, wie charismatisch er ist. Obama zeigte sich als auf alle Gelegenheiten vorbereiteter Vollprofi.

Seine Ankunft am Dienstag am Internationalen Flughafen von Athen, Eleftherios Venizelos, nutzte der Präsident, um seine Fitness zu demonstrieren. Er joggte die Stufen der Flugzeugtreppe bis zum roten Teppich eilig herunter, um dann direkt bei der Begrüßung durch den griechischen Verteidigungsminister Panos Kammenos eine höfliche Verbeugung vor diesem zu machen.

Obama verbeugt sich vor Verteidigungsminister Panos Kammenos. Bild: W. Aswestopoulos

Kammenos war so sehr überrascht, dass er wie angewurzelt stehen blieb, und die Ehrerbietung nicht erwiderte. Später bemühte sich das griechische Verteidigungsministerium darum, die entsprechenden Fotos bei Agenturen löschen zu lassen, was den Fauxpas nur noch schlimmer machte. Später ließ Obama seinen mehr als ein Jahrzehnt jüngeren Gastgeber Alexis Tsipras buchstäblich alt aussehen, als er in seine Sätze und Reden in perfekter Aussprache gesprochene griechische Zitate einfließen ließ. Tsipras war so überwältigt, dass er selbst seine griechischen Sätze zeitweise mit dem für Englischsprechende üblichen Akzent aussprach. Die Körpersprache des griechischen Premiers wirkte neben dem agilen Obama, der keine Spur von Jet-Lag zeigte, eher fahrig.

Obamas offizielles Programm war mit dem ersten Besuchstag, der einen Empfang durch den griechischen Staatspräsidenten Prokopis Pavlopoulos und ein festliches Abendessen mit Tsipras, Pavlopoulos, Oppositionsführer Kyriakos Mitsotakis, Erzbischof Ieronymos sowie den früheren Premiers des Landes beendet.

Während die proeuropäischen Oppositionspolitiker der kleineren Parteien lauthals protestierten, dass sie nicht zu dem Abendessen eingeladen waren, hatten sich linke Gruppen und die Kommunisten auf den Straßen gesammelt, um gegen Obama zu protestieren. Unter die Demonstrationszüge hatten sich US-Amerikaner gemischt, um den Anlass für Missfallenskundgebungen gegen den künftigen US-Präsidenten Donald Trump zu nutzen. Im Anschluss an die friedlich verlaufenden Demonstrationen, die wegen eigens für Obama eingerichteten Bannmeilen im Zentrum von Athen auf Polizeibarrieren stießen, gab es Randale rund um das Hauptgebäude der Technischen Universität von Athen in Exarchia.

Den Mittwoch, der zweiten Tag seiner Anwesenheit in Athen nutzte Obama, um sich einen Kindheitstraum zu erfüllen. Er besuchte die eigens für seinen Besuch gesperrte Athener Akropolis. Auf der Akropolis zeigte sich Obama in sportlicher Kleidung und schaffte es, bei der Fahrt vom markanten Hügel Athens zum knapp 500 m entfernt liegenden neuen Akropolis Museum in einen Anzug zu schlüpfen und sich die Krawatte umzubinden.

Bild: W. Aswestopoulos

Später hielt Obama im Festsaal der Stavros Niarchos Foundation seine Vermächtnisrede als US-Präsident. Journalisten erfuhren, dass Obama den Text komplett selbst verfasst haben soll. Er kritisierte in seiner Rede die lange übersehenen Nachteile der Globalisierung und appellierte, dass die Verlierer der Globalisierung endlich an den Vorzügen dieser teilhaben sollten. Mehrfach betonte Obama die Wichtigkeit der Demokratie, die er als einzige gerechte Regierungsform ansah.

Der Präsident zeigte in einem geschichtlichen Abriss auf, dass die Geburtsstunde der USA mit dem Auflehnen gegen die Kolonialherrschaft der Briten und die wenige Jahrzehnte später stattgefundene griechische Revolte gegen die Herrschaft der Osmanen beide Völker eng verbunden habe. Daran anschließend hätten sich gemäß Obamas Weltbild auch die übrigen Kolonialstaaten sukzessive gegen die Fremdbestimmung und für eine autonome Demokratie gestellt. Dabei unterließ es Obama nicht, auch die von Athen oft kritisch betrachtete Entwicklung in der Ukraine als Schritt zur selbstbestimmten Demokratisierung zu preisen.

Die Griechen lobte er nicht nur für die kulturellen, philosophischen und politischen Errungenschaften der Antike, sondern auch für ihre Bündnistreue. Er meinte, dass allein die Griechen über die Jahre stetig ihre Verpflichtungen gegenüber der NATO eingehalten hätten und auch in Krisenzeiten den Verteidigungshaushalt auf dem von der NATO gewünschten Niveau halten würden.

Schließlich würdigte Obama mehrfach den seiner Ansicht nach vorbildhaften Einsatz der Griechen für die Flüchtlinge. Er kritisierte dabei auch die flüchtlingsfeindliche Einstellung anderer Länder.

Obama schloss seine Rede wie er sie begonnen hatte, auf Griechisch. "Zito i Ellas" - Es lebe Griechenland. Es ist ein Satz, wie er kaum einem der heutigen Politiker des Landes über die Lippen kommen würde. Zu sehr würde er fürchten, in die rechtsnationale Ecke gedrängt zu werden. Aus Obamas Mund hatte der Spruch eine vollkommen konträre Wirkung. Er bekam für seine Rede auch von Seiten linker Zeitgenossen Zuspruch. Von Athen ging es für Obama, der am Flughafen von Tsipras verabschiedet wurde, weiter nach Berlin.