Atomkraft weltweit in der Krise

Ein Kommentar

"Die japanische Atomenergie ist am Ende" titelte die "Zeit" in ihrer Neujahrsausgabe. Auch französische, schweizerische und englische Atomkraftbetreiber haben immer größere finanzielle Schwierigkeiten. Ohne staatliche Gelder geht nirgendwo mehr ein Atommeiler ans Netz.

Die "Japan Times" prophezeit, dass Japans Premierminister Abe 2017 wegen seiner Unterstützung der Atomenergie die Wahlen verlieren könnte, denn selbst in seiner eigenen Partei sei die Mehrheit inzwischen gegen Atomenergie. In den nächsten 15 Jahren müssen weltweit aus Sicherheits- und Altersgründen mehr als die Hälfte aller AKW vom Netz.

Hinzu kommt, dass es global kein einziges Endlager für Atommüll gibt und die erneuerbaren Energien immer preiswerter werden.

Aus all diesen Gründen brach Ende Dezember 2016 der Börsenkurs des japanischen Atomkonzerns Toshiba um 40% ein. Vorher war bekannt geworden, dass die Kosten für zwei von Toshiba in den USA geplanten AKWs weit höher sein werden als bisher angegeben und sich die Bauzeiten enorm verlängern werden - wie überall auf der Welt.

Die Rating-Agenturen Standard & Poor's und Moody's haben daraufhin die Bonität von Toshiba herabgestuft. Die Börsenkurse von Deutschlands Atomkonzernen RWE und E.ON sind in den letzten 15 Jahren um bis zu 80% abgestürzt.

Japan kämpft nicht nur mit der Toshiba-Krise, sondern seit der Fukushima-Katastrophe immer noch und immer mehr mit der Tepco-Krise, dem anderen Atomriesen im Land der aufgehenden Sonne. Toshiba hatte schon früher seine Bilanzen um weit über eine Milliarde Dollar geschönt. Von den 54 japanischen AKWs hat allein Toshiba 22 gebaut. Jetzt aber ist das Vertrauen in die Atomriesen und in die Attraktivität der Atomenergie bei den Aktionären zerstört.

Anfang November 2016 hatte mich der Bürgermeister von Fukushima, Kaoru Kobayashi, zu einem Vortrag über erneuerbare Energie und gegen Atomkraft eingeladen. Es kamen 300 Bürgermeister aus Japan und 100 weitere aus der ganzen Welt.

Dabei sagte Kobayashi, die Fukushima-Schäden werden schon jetzt auf über 100 Milliarden Dollar geschätzt, 150.000 Gebäude seien zerstört worden, tausende Umgesiedelte seien krank. Die psychischen Schäden wie Depressionen, Angstzustände und Traumata seien am schlimmsten. Die atomare Verstrahlung breite sich noch weiter aus - der Region Fukushima stehe die strahlende Zukunft erst noch bevor.

Als ich anschließend darauf hinwies, dass sich "das Märchen vom billigen Atomstrom" längst als Lüge erwiesen habe, meinte ein Besucher: "Dieses Märchen glaubt spätestens jetzt in Japan kaum noch jemand. 80% der Japaner sind heute gegen Atomenergie - ähnlich wie in Deutschland. Nur die derzeitige Regierung hat das noch nicht begriffen."

Die Veranstaltung stand unter dem Motto "Community Power" und meinte damit, dass die Kommunen künftig ihre Energieversorgung selbst in die Hand nehmen - zu 100% erneuerbar. 2017 hat in Japan der Atomstrom noch einen Anteil von 0,9 % am Gesamtstromverbrauch. Es waren mal über 30%.

Japans ökonomische Kernschmelze ist ein weiterer Rückschlag für die globale Atomlobby.

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