Atommüllentsorgung mit neuem Reaktor?

Symbolbild: TP

Deutschland müht sich schon seit Jahrzehnten, ein Endlager für seinen Atommüll zu finden, bislang eher erfolglos. Nun kommt ein Team aus Berlin mit einem Vorschlag, der revolutionär sein könnte.

Seit Jahren geistert das Konzept des Dual-Fluid-Reaktors durch die Lande, das vom privaten Institut für Festkörper-Kernphysik entwickelt wurde, in der westdeutschen Energiewirtschaft jedoch nie Fuß fassen konnte. Der Flüssigsalzreaktor oder Molten Salt Reactor zählt zur Gruppe der Thorium-Reaktoren.

Und beim Stichwort Thorium erinnert man sich sogleich an das im damaligen Forschungszentrum Jülich erprobte Konzept, das 1983 im Thorium-Hochtemperaturreaktor THTR 300 in Hamm-Uentrop erstmals ans Netz ging und 1989 schon wieder abgeschaltet wurde, nachdem 125 meldepflichtige Ereignisse eingetreten waren und der Reaktor sich nicht durchgängig so verhielt, wie man erwartet hatte. Zudem war die Leistung des Kugelhaufen-Reaktors mit nur 300 MW im Vergleich zu den damals noch gebräuchlichen KKWs an anderen Standorten deutlich geringer. Mit dem Abbau des THTR will man im Jahre 2028 beginnen, nachdem man inzwischen nur den Kühlturm gesprengt hat. Bis 2045 soll dann die ganze Anlage vollständig zurückgebaut sein.

Der Dual-Fluid-Reaktor (DFR)

Der DFR soll Atomkraft beherrschbar machen und keine Endlager benötigen, die länger als 300 Jahre betrieben werden müssen. Das schon vor Jahrzehnten entwickelte Grundkonzept, bei welchem der Brennstoff in Form eines Flüssigsalzes durch den Reaktor gepumpt wird, wurde von den Entwicklern des Instituts für Festkörper-Kernphysik gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung der Forschung IFK mit beschränkter Haftung um einen weiteren Kreislauf erweitert, der die Wärme mit flüssigem Blei abtransportiert, das eine Betriebstemperatur von 1.000 Grad Celsius haben soll. Damit will man Dampf erzeugen, mit welchem sowohl Turbinen angetrieben werden sollen, jedoch auch Prozesswärme für die Herstellung synthetischer Treibstoffe bereitgestellt werden soll.

Das Prinzip des DFR wurde im Jahre 2013 einem größeren Publikum bekannt, als das Konzept bei den Clean Tech Media Awards nicht in die Endausscheidung kam, weil es zum Streit zwischen den Protagonisten des DFR und den Veranstaltern des Clean Tech Media Awards kam, der letztlich vor Gericht ausgefochten wurde.

Am 25. April 2019 berichtete das im VDI-Verlag erscheinende Onlinemedium Ingenieur.de über den DFR, merkt jedoch an, dass damit vielleicht das Problem CO2 lösbar wäre, der Reaktor allerdings erst in 10 oder 20 Jahren den Betrieb aufnehmen könne. Obwohl die Patentanmeldung inzwischen wohl erfolgreich war, existiert der DFR bislang nur als Konzept. Die Weiterentwicklung soll mehrere Milliarden kosten. Wer die aufbringen soll, ist derzeit nicht bekannt.

An der Fakultät für Maschinenwesen der TU München wurde am 27.06.2017 die Dissertation von Xiang Wang mit dem Titel Analysis and Evaluation of the Dual Fluid ReactorConcept angenommen. Prüfer der Dissertation waren Prof. Rafael Macián-Juan,Ph.D. sowie Prof. Dr. hab. Mariusz Dabrowski von der University of Szczecin/Polen. Prof. Macián-Juan wird auf der Seite des IFK als Berater geführt und Prof. Dabrowski hat mehrere Publikationen zum Thema DFR gemeinsam mit Dr. Armin Huke veröffentlicht.

Der Dual-Fluid-Reaktor als Atommüllschlucker

Die Tatsache, dass die deutsche Energiewirtschaft sich aus der Endlagerung ihrer Produktionsabfälle verabschiedet und diese dem Steuerzahler überantwortet hat, führt inzwischen dazu, dass man jegliche neuen Investitionen im Nuklearbereich zu vermeiden sucht. Nukleartechnik scheint nicht mehr zum Engagement in die Erneuerbaren zu passen und Erneuerbare liegen auch bei den Strom-Anbieter-Wechslern inzwischen wieder im Trend .

Da der Strom aus erneuerbaren Quellen deutlich günstiger ist, als der Strom aus neuen Kernkraftwerken sein könnte, haben die Unternehmen der deutschen Energiewirtschaft einen weiteren Grund ein erneutes Kernkraftabenteuer zu scheuen. Und so setzt man beim IFK auf die politische Schiene und hat wohl mit der AfD die letzte politische Partei in Deutschland gefunden, die in der Kernkraft noch ein Zukunftsprojekt sehen. Unterstützung erhält man dabei von Science Skeptical, den Klimawandelskeptikern von EIKE und ein wenig zurückhaltender von Sputniknews, die den Schwerpunkt auf die angedachte Reduzierung des des in Deutschland schon angefallenen Atommülls legen.

Der Fokus auf die Reduzierung des Atommüllvolumens könnte die staatlichen Stellen begeistern, welche die Kosten für eine dauerhafte Lagerung der Reste des Kernkraftabenteuers schultern müssen. Dass die Kernkraft mit Hilfe des DFR eine Wiederbelebung erfahren wird, scheint jedoch weitestgehend ausgeschlossen.