Auch Griechen fürchten die nationalistischen Tendenzen in der Ukraine

Die Nachwirkungen des Euromaidan auf die östliche Region Europas

In der Ukraine wurde die Regierung von Viktor Janukowitsch gestürzt. Janukowitsch soll nach offiziell unbestätigten Angaben in die griechische, autonome Mönchsrepublik Athos geflüchtet sein. Nach anderen Gerüchten soll er in Moskau sein. Derweil begibt sich der bereits in Griechenland mit sozial einschneidenden Sparmaßnahmen bekannte IWF nun in die Ukraine.

Der russische Dauerpräsident Vladimir Putin fühlt sich auf den Schlips getreten und hat seine Truppen in Alarmbereitschaft versetzt. Der Kremlherrscher gibt Sorge um die russischen Interessen und die russische Minderheit als Grund für sein Eingreifen an.

Das seit Wochen von Unruhen gebeutelte Land steht womöglich vor einer Zerreißprobe. Es ist zu befürchten, dass sich die russisch dominierte Region der Krim vom der übrigen Ukraine abspaltet. In der Ukraine leben jedoch noch weitere ethnische Minderheiten, denen die neuen Machthaber bereits jetzt Angst einflößen.

Zu den ersten Maßnahmen, welche die neue Regierung plant, zählen außer

  • dem Verbot der kommunistischen Partei
  • der Bezifferung des "Schadens durch die sowjetische Besatzung"
  • der Aufhebung des Verbots nationalsozialistischer Propaganda
  • der Berufung von Arsen Avakov aus Julija Tymoschenkos Partei Batkivshchyna zum Außenminister
  • der Berufung von Mitgliedern des nationalistischen "Rechten Blocks" in Regierungsämter
  • der Schaffung eines "Pantheon der nationalen Helden"
  • dem Ergreifen von Sparmaßnahmen
  • der Ehrung der Helden des Maidan
  • der Ernennung von Oleg Mahnitskogo aus der rechtsextremen Partei Swoboda zum Generalstaatsanwalt
  • einer Neubestimmung der Aufgaben und Kompetenzen des Präsidenten
  • der Auflösung der berüchtigten Polizeieinheit Berkut und der Einstellung von Swoboda-Mitgliedern in den Sicherheitsapparat
  • der Berufung des Parteigängers Vladimir Klitschkos, Valentyn Nalivaychenko, zum Chef des staatlichen Sicherheitsapparats

auch das Verbot der Minderheitensprachen. Insbesondere soll den Russen, Rumänen, Ungarn und Griechen, die sich seit vielen Generationen im Land befinden, das Sprechen ihrer Muttersprache verboten werden.

Letztere, die Griechen, sind besonders in der östlichen Schwarzmeerstadt Mariupol präsent. Mit 105.000 Mitgliedern stellen sie dort mehr als ein Fünftel der 468.519 Einwohner. Die Griechen der Ukraine reagieren mit Sorge auf die aufkommenden nationalistischen Tendenzen.

Brandanschläge gegen Synagogen schrecken zudem die Israelis auf. Israel fürchtet ein erneutes Aufkommen alter antisemitistischer Tendenzen im Land.

Die neuen offiziellen Vertreter der Ukraine versuchen, das Aufkommen solcher extremistischer Tendenzen herunter zu spielen. Es sieht dennoch nicht danach aus, als ob sich die auf dem Maidan siegreichen Extremisten unter den Demonstranten so leicht in Zaum legen lassen werden. (Wassilis Aswestopoulos)

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