Auch das havarierte AKW Fukushima ist weiterhin durch Tsunamis gefährdet

Einer der mittlerweile fast 700 Tanks für kontaminiertes Wasser auf dem AKW-Gelände. Bild (2013): IAEA/CC BY-2.0

Tepco will zum Schutz eine weitere Mauer bauen, um zu verhindern, dass große Mengen an radioaktivem Wasser aus den Reaktorgebäuden und den hunderten Tanks auf dem Gelände weggespült werden

Anfang September traf der Taifun Jebi auf den Westen von Japan. Es soll der stärkste Taifun seit 25 Jahren gewesen sein. Kurz darauf erschütterte ein Erdbeben der Stärke 6,6 die Insel Hokkaido im Norden. Beschädigt wurde ein Wärmekraftwerk, weswegen zeitweise Millionen von Haushalten keinen Strom mehr hatten. Auch das AKW Tomari war davon betroffen. Es ist zwar seit Anfang 2012 nicht mehr am Netz, doch in den Kühlbecken lagern über 1200 Brennstäbe. Der vorübergehende Stromausfall für die Kühlung musste von Dieselnotstromgeneratoren kompensiert werden.

Mag sein, dass dies auch für den Betreiber des durch ein Erdbeben und den dadurch verursachten Tsunami havarierten AKW Fukushima ein letzter Hinweis darauf war, dass man weiterhin mit Gefahren rechnen muss. Nach der Zeitung Asahi Shimbun würde Tepco auf die Warnung der Erdbebenbehörde reagieren, die berechnet hat, dass die Wahrscheinlichkeit für ein Erdbeben der Stärke 8,8 und mehr, also vergleichbar dem Tōhoku-Erdbeben 2011, innerhalb von 30 Jahren bei 40 Prozent liegt. Die Warnung wurde im Dezember 2017 ausgesprochen, die Behörde forderte zusätzliche Schutzmaßnahmen für die AKWs.

Jedenfalls gab Tepco jetzt bekannt, dass auf der Ostseite der vier Reaktoren, in dreien hatte sich eine Kernschmelze ereignet, eine 600 m lange Schutzmauer gebaut werden wird. Auf der Südseite wurde bereits 2011 eine 400 Meter lange Schutzmauer errichtet. Die Mauer soll auf dem Gelände auf einer Höhe von 8,5 m über dem Meeresspiegel errichtet werden, und ausreichen, das AKW vor einem Tsunami zu schützen. Allerdings ist noch nicht entschieden, wie hoch er werden soll, wann er fertiggestellt sein wird und wie viel Geld in den Bau investiert wird.

Der geplante Bau der Mauer erinnert daran, dass Fukushima weiterhin eine Gefahr darstellt. Überrollt ein weiterer Tsunami das AKW, könnten nicht nur viel Tonnen von radioaktiv kontaminiertem Wasser aus ihm abfließen und ins Meer gespült werden, auch die mittlerweile 680 Tanks auf dem Gelände, die jeweils 1000 Tonnen an kontaminiertem Grund- und Kühlwasser enthalten, könnten fortgespült werden.

Das Wasser wurde gefiltert, enthält aber weiterhin Tritium. Kürzlich wurden bekannt, dass auch Jod 129 mit einer Halbwertszeit von über 15 Millionen Jahren nicht herausgefiltert werden konnte. Nach Messungen ist der Liter mit 62,2 Becquerel belastet, der Grenzwert in Japan liegt bei 9 Becquerel. Überdies wurde Ruthenium 106 mit 92,5 Becquerel pro Liter (der Grenzwert liegt bei 100) und Technetium mit 59 Becquerel (Grenzwert liegt bei 1000) entdeckt. Dazu lagern weiter über 1500 Brennstäbe in den Kühlbecken der beschädigten Reaktoren. Wenn erneut das Kühlsystem durch einen Tsunami lahmgelegt würde, könnte sich wieder eine Kernschmelze ereignen.

Falls ein Tsunami aus dem Osten oder Norden käme, seien nach Tepco die Reaktorgebäude durch wasserdichte Türen geschützt. Nach dem Tsunami wurden viele Mauern am Meer gebaut, um Städte und Wohngebiete zu schützen. Bislang wurden sie auf einer Länge von 395 km für mehr als 12 Milliarden US-Dollar errichtet. Die massiven, bis zu 12,5 Meter hohen Betonmauern werden aber nicht nur als Schutz erlebt, manche Menschen fühlen sich damit auch wie in einem Gefängnis, weil sie nicht mehr darüber schauen und das Meer sehen können (Bilder). (Florian Rötzer)

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