Auch in Flughäfen und Flugzeugen gedeihen Bakterien und Pilze

Kolonien von Staphylococcus aureus. Bild: Matthias M./CC BY-SA-3.0

Touchscreens von Check-in-Automaten sind gut besiedelt, aber auch die Klapptische oder die Schnalle für den Sicherheitsgurt sind keine Einöden

Flughäfen, die Nicht-Orte par excellence, versuchen sich, als klinisch reine, spiegelnde und glänzende Orte des Durchgangs zu präsentieren, an denen Schmutz und anderes Negatives nicht haften bleibt, sondern sofort vernichtet wird. Aber was ist, wenn man in ein Flugzeug einsteigt und auf einem Sitz Platz nimmt, auf dem schon ungezählte Menschen gesessen haben?

Insurancequotes.com hat nicht sonderlich aufwändig den hygienischen Zustand untersucht und gerade einmal 18 Proben von sechs Oberflächen von drei großen Flughäfen und Flugzeugen genommen und nach Bakterien und Pilzen untersuchen lassen. Am schlimmsten sind danach die Check-In-Automaten in Flughäfen kontaminiert. Hier finden sich durchschnittlich fast 250.000 koloniebildenden Einheiten (KBE, englisch: CFU) auf einen Square Inch (6 Quadratzentimeter). Auf dem Bildschirm eines Automaten wurden sogar 1 Million KBE gefunden. Wäre also vermutlich gut, in Flughäfen Plastikhandschuhe anzuziehen, wenn man etwas berührt.

Offenbar geht man davon aus, dass in Toiletten größeres Risiko herrscht, weswegen diese auch öfter und besser gereinigt werden als etwa Bildschirme von Check-In-Automaten und andere Oberflächen. Nur noch ein Zehntel der Menge wie auf Bildschirmen fand sich auf Armlehnen (21.630 KBE), auch die Knöpfe von Wasserspendern sind mit 19.181 noch ein begehrtes Territorium für Mikrobenbesiedlung.

Verglichen damit sind Arbeitsplatten in der Küche geradezu Wüsten, sie sollen durchschnittlich gerade einmal 361 KBE aufweisen, noch dünner besiedelt sind mit gerade einmal 30 KBE Hebel für die Klospülung. Aber es kommt wahrscheinlich doch sehr darauf an, wo nachgeprüft wird. Eine andere Untersuchung kam zum Ergebnis, dass Arbeitsplatten in der Küche stolzen 5.500.000 KBE eine Heimat bieten können. Besonders schmuddlig sind auch die Türgriffe von Schubladen und Geschirrspülmaschinen

In den Flugzeugen ist allerdings der Knopf auf den Toiletten mit mehr als 95.000 KBE am meisten besiedelt, gefolgt von 11.600 auf dem Klapptablett oder lediglich 1116 auf der Schnalle des Sicherheitsgurts.

Aber glatte Touchscreens an den Check-In-Terminals dürften schon einmal deutlich besser sein als Tastaturen mit ihren zahlreichen Nischen, die schwer zu reinigen sind, aber in die Brösel oder Flüssigkeiten als Nahrung für Bakterien oder Pilze geraten. Nach einer Untersuchung aus dem letzten Jahr tummeln sich hier mitunter 3.543.000 KBE auf einen Square Inch, das sind 20.598 Bakterien mehr als auf einem Toilettensitz mit gerade einmal 172 KBE. Eine andere Zählung fand hingegen nur 23 KBE auf Computertastaturen.

Mit 1.600.000 KBE sind auch Smartphones gut bewohnt. Eine Computermaus hatte noch 45.670 mehr Bakterien als Hebel zur Klospülung. Ziemlich sauber ist hingegen Papiergeld, wo sich nur 5 KBE aufhalten sollen. Eine Untersuchung unter dem Titel "Dirty Money Project" hatte allerdings bis zu 3000 verschiedene Bakterienarten auf 1-Dollar-Scheinen gefunden. (Florian Rötzer)

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