Auch in den nächsten Jahren muss mit heißen Sommern gerechnet werden

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Nach einer neu entwickelten Methode der Vorhersagen gehen Wissenschaftler davon aus, dass die Jahre bis 2022 ungewöhnlich heiß sein werden und die Temperaturen höher als bislang gedacht ansteigen

Es war ein ungewöhnlich heißer und trockener Sommer in weiten Teilen Deutschlands, aber auch weltweit. Den Juli 2018, den fünftwärmsten Juli seit Messbeginn, charakterisierte der Deutsche Wetterdienst so: "Extrem warm und sonnig, gebietsweise enorme Dürre". Paul Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdiensts, erklärte zum Sommer 2018: "Wir erleben diesen Sommer an vielen verschiedenen Orten der Welt zeitgleich ein gehäuftes Auftreten von Hitzewellen und extremen Starkniederschlägen. Genau eine solche Häufung von meteorologischen Extremereignissen wurde von uns als Folge des anthropogenen Klimawandels prognostiziert."

Dass auch in den nächsten Jahren mit ähnlichen Sommern gerechnet werden muss, prognostiziert nun eine in Nature Communications erschienene Studie von Wissenschaftlern des Laboratory for Ocean Physics and Remote Sensing (CNRS/IFREMER/IRD/University of Brest) und der University of Southampton unter Leitung von Florian Sévellec.

Sie haben eine neue, angeblich zuverlässige Methode der Vorhersage entwickelt, nach der die Sommer bis 2022 noch heißer werden könnten, als nach den aktuellen Daten zur globalen Erwärmung erwartet wurde. Die Klimaerwärmung durch Treibhausgasemissionen verlaufe nicht linear, sondern in Sprüngen durch Kipppunkte, wie das vermutlich zu Beginn des Jahrhunderts geschehen ist, als die Temperaturen schneller als in der Vergangenheit gestiegen sind.

Die Vorhersage basiert nicht auf herkömmlichen Simulationen, sondern für sie wurden zehn verschiedene Simulationen für das Klima mit den Anomalien im 20. und 21. Jahrhundert statistisch ausgewertet, um darin Analogien zu den herrschenden klimatischen Bedingungen aufzuspüren. Zugrunde lagen die Daten zur durchschnittlichen globalen Oberflächentemperatur der Luft (GMT) und zur Meeresoberflächentemperatur (SST) seit Beginn der Messungen. Das eingesetzte Programm PROCAST (PRObabilistic ForeCAST) könne innerhalb von einigen Minuten lernen und daraus in Sekunden Vorhersagen zu machen - und das mit hoher Genauigkeit auf einem Notebook, nicht auf einen Supercomputer, wie er normalerweise für Klimasimulationen verwendet wird. Die Wissenschaftler meinen, mit der Methode könnten sich auch auf Smartphones in Echtzeit Wahrscheinlichkeitsvorhersagen machen lassen.

Mit der Methode haben man auch den Sprung der Erwärmung zu Beginn des Jahrhunderts nahvollziehen können. Beschränkt wurde die Vorhersage auf den kürzeren Zeitraum von 2018 bis 2022, Vorhersagen für längere Zeiträume würden ungenauer werden bzw. sich den Vorhersagen der Klimasimulationen annähern. Für 2018 ergab die Vorhersage eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine allerdings nur mäßige warme Temperaturanomalie, allerdings mit einer sehr geringen Wahrscheinlichkeit für stark oder extrem kaltes Wetter. Bis 2019 ergab sich eine Zunahme der Wahrscheinlichkeit für extrem heiße Wetterlagen. Für die Vorhersage über 5 Jahre bis 2022 ist die Wahrscheinlichkeit für die Lufttemperatur (GMT) ausgewogen zwischen warmen und kalten Ereignissen, allerdings mit dem Trend zur weiteren Erwärmung, aber es gibt eine hohe Wahrscheinlichkeit bei der Meeresoberflächentemperatur (SST) für erhöhte Wärme und eine Zunahme von 400 Prozent für extreme Hitzewellen, was zu häufigeren und stärkeren Tropenstürmen führen kann.

Insgesamt wird für die nächsten 5 Jahre vorhergesagt, dass die aktuelle Anomalie weiter anhalten wird, es würde also heiß bleiben oder heißer werden. Mit PROCAST konnten bislang nur die wahrscheinlichen globalen Durchschnittstemperaturen berechnet werden. Die Wissenschaftler äußern aber die Hoffnung, auch regionale Vorhersagen machen zu können, die dann neben Temperaturen auch Dürreperioden und Niederschläge einschließen. (Florian Rötzer)

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