Auf Handys in Krankenhäusern gedeihen auch gefährliche Bakterien

Nach einer Studie fanden sich auf fast allen Handys von Krankenhauspersonal in Operationsräumen und Intensivstationen Bakterienkulturen

Techniken, die etwa in Krankenhäuser einziehen, können nicht nur die medizinische Versorgung verbessern, sondern auch zu neuen Gefährdungen führen. Dass Tastaturen von Computern wahre Brüter für Keime sind, ist schon lange bekannt (Infektiöse Computer).. Jetzt haben türkische Wissenschaftler von der Medizinischen Fakultät der Universität Ondokuz Mayis aber auch festgestellt, dass Bakterien auch auf den Handys von Krankenhausmitarbeitern gut gedeihen und auch gefährliche nosokomiale Infektionen (Krankenhausinfektionen) verursachen können.

Methicillin-resistente Staphylococcus aureus gedeihen auch auf Handys, die in Intensivstationen und Operationsräumen benutzt werden. Bild: CDC

Die Wissenschaftler haben, wie sie in ihrer Studie ("Are we aware how contaminated our mobile phones with nosocomial pathogens?") schreiben, die in der Open Access-Publikation Annals of Clinical Microbiology and Antimicrobials erschienen ist, die Proben von Handys und Händen von 200 Ärzten und Krankenschwestern in den Operationsräumen und Intensivstationen gemacht und untersucht haben. Das Ergebnis ist beunruhigend. 95 Prozent der Handys waren kontaminiert mit unterschiedlichen Bakterien, darunter auch solchen, die Infektionen verursachen können. Eine Bakterienart lebte auf 49 Prozent der Handys, auf 34 Prozent fanden sich zwei Arten, auf 11,5 Prozent drei und mehr. 5,5 Prozent waren frei von Bakterien.

Auf über 31 Prozent der Handys (und 39,5 Prozent der Hände) wurden gegenüber dem Antibiotkum Zeftadizin resistente Gram-positive Bakterien gefunden. Die gefährlichen "Superbugs", die Methicillin-resistenten,Gram-positiven Staphylococcus aureus-Bakterien kamen noch häufiger vor. Sie befanden sich auf 52 Prozent der Handys und auf 37,7 Prozent der Hände.

Die Wissenschaftler sagen, dass Handys- wie andere tragbare Systeme - überall regelmäßig benutzt werden, eben auch in Operationssälen und Intensivstationen, sich dabei nahe am Körper befinden, aber kaum gesäubert werden. Nur 10,5 Prozent der Krankenhausmitarbeiter reinigen regelmäßig ihre Handys. Ebenso werden die Hände oft nicht so oft gereinigt, wie dies geschehen sollte.

Handys seien noch problematischer als andere Geräte wie Computertastaturen oder PDAs, weil sie bei Benutzung nicht nur in die Hände genommen werden, sondern auch an Mund, Nase und Ohren gelangen, wodurch Bakterien leichter vom Handy auf den Körper oder von diesem auf das Handy übertragen werden können. Zudem werden Handys auch zur persönlichen Kommunikation aus dem Krankenhaus mitgenommen und können so auch außerhalb zur Verbreitung von nosokomialen Infektionen führen. Die Wissenschaftler weisen deswegen darauf hin, dass das Krankenhauspersonal angewiesen werden müsste, strikter nicht nur Hände, sondern auch Handys regelmäßig zu sterilisieren. Empfohlen wird, künftig Handys aus antibakteriellen Materialien herzustellen. (Florian Rötzer)

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