Auf den Mars nicht ohne mein TV-Gerät

So stellt man sich bei der Nasa eine Marskolonie vor. Bild: Nasa

Nach einer Umfrage glaubt die Hälfte der britischen Kinder, dass es in ihrer Lebenszeit eine Kolonie auf dem Mars geben wird, fast ebenso viel, dass man bald im Weltraum nach neuen Lebensräumen suchen wird

Mit den Weltraumreisen wird es so schnell nichts werden. Möglicherweise wird demnächst eine bemannte Fahrt zum Mond stattfinden, möglicherweise auch zum Mars, was aber schon sehr exotisch ist. Der Mars ist ebenso wie der Mond unbewohnbar, die Menschen könnten beide nur besuchen und bestenfalls geschlossene Stationen errichten, um in beengten Siedlungen, die Gefängnissen gleichen, in einer Wüste zu leben.

Den Mars mittels Klimaerwärmung zu einem bewohnbaren Planeten zu machen (terraforming), ist technisch kaum möglich und eine langwierige Angelegenheit, für die die kurzatmige Menschheit wohl kaum die generationenübergreifende Geduld aufbringen wird. Und wer wird sich schon auf eine suizidale Fahrt ins Unbekannte in einem klaustrophobisch kleinen Weltraumschiff ohne Rückkehrticket und ohne Gewissheit, irgendwo auf einem bewohnbaren Planeten anzukommen, begeben? Das wäre nur denkbar, wenn die Erde als Lebensraum definitiv zerstört ist und in aller Verzweiflung kein anderer Ausweg bleibt. Mars One, das Menschen ohne Rückfahrtmöglichkeit in einer Mission auf den Mars bringen wollte, um dort eine Station aufzubauen, ist folgegerecht Konkurs gegangen.

Erstaunlich ist daher schon, wenn in einer von der Institution of Engineering and Technology (IET) beauftragten Umfrage unter britischen Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 6 und 16 Jahren im Juni 2019 fast die Hälfte sagte, dass es in ihrer Lebenszeit eine Kolonie auf dem Mars geben wird, 59 Prozent glauben, dass sie zumindest eine Weltraumreise unternehmen werden..

IET will die Technik und die technische Kultur, also auch das Studium der MINT-Fächer, fördern, um "ingenieursmäßig eine bessere Welt zu gestalten". Dazu müssen die Menschen an die Technik glauben, daher sollen die nächsten "Astronauten und Ingenieure" beworben werden.

Dass Kinder an eine Kolonie glauben, passt da, weniger wahrscheinlich jedoch, dass 60 Prozent Angst um die Umwelt haben, 36 Prozent meinen, es werde hierfür nicht genug getan, und 49 Prozent sagen, dass die Menschen sich im Weltraum umschauen müssen, um überleben zu können. 61 Prozent meinen, dass die Erde unbewohnbar wird, aber da käme es auch darauf an, an welche zeitlichen Dimensionen sie dabei denken. Die Kinder scheinen sich auf die technische Entwicklung zu verlassen, aber sehen gleichzeitig diese nicht als Garant dafür, die Lebensgrundlagen auf der Erde bewahren zu können.

Im Rahmen eines Wettbewerbs, Dinge zu gestalten, die sie unbedingt auf dem Mars dabei haben wollten, wurden britische Kinder gefragt, was sie denn mitnehmen würden, wenn sie die Erde verlassen sollten. Für die meisten ist nicht das Smartphone, wie man denken sollte, sondern ein Fernsehgerät unabdingbar, das offenbar eine Art Nabelschnur zur Erde darstellt, mit der man das vertraute Leben mit sich führt. Fast ebenso viele würden nicht auf Schokolade oder auf ihr Bett verzichten wollen. Dann erst kommt das Telefon vor Süßigkeiten und dem Computer oder einem Haustier. (Florian Rötzer)