Auf der Suche nach dem neuen Internationalismus

Auf dem BUKO-Kongress "Tatort Globalisierung" ging es auch um das Verhältnis zum globalisierungskritischen Netzwerk Attac

Am vergangenen Sonntag endete ein viertägiger Kongress, zu dem unter dem Motto "Tatort Globalisierung - Internationalismus nach Seattle, Genua und dem 11. September" die "Bundeskoordination Internationalismus" (BUKO) geladen hatte.

Neben vielen jungen Leuten, die durch die Proteste der letzten Jahre politisiert wurden, hatten sich auch zahlreiche Politveteranen eingefunden. Kein Wunder, gehört doch der BUKO zu den ältesten linken Netzwerken in der BRD. Entstanden ist er 1977, als das sozialdemokratische Entwicklungshilfeministerium einen Ansprechpartner für die boomende Projekte- und Initiativenszene im Bereich der "3.Welt-Arbeit" suchte. Davon zeugte auch der gerade erst entsorgte Name "Bundeskoordination Entwicklungspolitischer Aktionsgruppen".

Erklärtes Ziel des Jubiläums-BUKO war, sich den bisher nicht in dem Netzwerk arbeitenden politischen Gruppen vornehmlich aus dem antirassistischen und antifaschistischen Spektrum zu öffnen. Schließlich will der BUKO dem globalisierungskritischen Netzwerk Attac nicht die Hegemonie in der Internationalismusdebatte überlassen. Das Verhältnis zwischen beiden Netzwerken wird von Kritik und Kooperation bestimmt, wie auf dem Kongress deutlich wurde.

So nahm etwa der mexikanische Soziologe John Holloway mit seinen12 Thesen über Anti-Macht eine Gegenposition zu Attac ein. Die globalisierungskritischen Bewegungen dürfen sich nicht positiv auf Nationalstaaten und den Staatsapparat überhaupt beziehen, lautete Holloways Credo. Der Entwurf einer Abschlusserklärung mit dem Untermotto: "Eine andere Globalisierung ist möglich" wurde dann aber auch stellenweise zu einem Attac-Plagiat, wie einige Kongressteilnehmer kritisierten. Um Attac wurde auch auf einer Podiumsdiskussion gestritten, deren Titel "Zwischen Straßenöffentlichkeit und Netzguerilla" eigentlich andere Fragestellungen vorsah..

Natürlich durfte auch der Israel-Palästina Konflikt nicht fehlen. Doch anders, als nach den Erfahrungen der letzten Wochen befürchtet werden musste, verlief die Diskussion in einer sachlichen Atmosphäre. Der Grund lag vielleicht auch darin, dass statt deutsche Befindlichkeiten die reale Situation vor Ort im Mittelpunkt einer Diskussionsveranstaltung unter dem Motto: "Wege aus der Sackgasse....... Der Nahost-Konflikt und die Solidaritätsbewegung" standen. Das Podium war mit dem exilirakischen Sabah Alnasseri, der palästinensischen Feministin und Kommunistin Aida Touma Souliman und dem israelischen Historiker Moshe Zuckermann hochkarätig besetzt.

BUKO-Sprecher Jo Hierlmeyer zog am Ende eine positive Bilanz des Politevents und wollte sogar eine Aufbruchsstimmung erkannt haben. Auf jeden Fall zeigte der Kongress in der Mainmetropole, dass die Suche nach Alternativen zu herrschenden Weltordnung nicht vorbei ist. (Peter Nowak)

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