Auf einmal wollen alle APO sein

Bild, INSM, CSU, wir? - Ein Kommentar

Der Ausbruch der Großen Koalition hat in allen Kreisen und Schichten zur eigenen Neupositionierung geführt: Auf einmal versteht sich jeder als außerparlamentarische Opposition. Während Parteien wie AfD, Piraten und FDP daran verzweifelten, dass die Wähler in keiner Weise unangenehme Reformen oder Kursänderungen wünschten, während die Linke als letzte Oppositionspartei ohne Oppositionsführer als wandelnder Einspruchsroboter nur noch ihre Stammwähler erreicht, macht die neue APO die Schlagzeilen.

Die APO kennt kein "links" und "rechts", kein Bildungsbürgertum und Proletariat mehr. Stattdessen Schlagworte und Kürzel. Rentenbetrug. Maut. NSA. Einwanderer. Familie. Die CSU hinterfragt gar den Afrikaeinsatz der Bundeswehr. Kein Thema ist davor sicher, stolz von der neuen APO auf den Schreibtisch der Referenten von Merkel und Gabriel auf den Stapel "Einsprüche und Bedenken" gelegt zu werden.

Rein rechnerisch ist die gewaltige APO aus Ex-FDP- und Piraten-Wählern, aus BILD-, Focus- und Stern-Lesern, aus den Mitgliedsunternehmen der INSM (Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft) kaum möglich, denn wie hätte die Große Koalition ihre Mehrheit finden können, wenn nicht zwei Drittel der Wahlberechtigten jeder Opposition, parlamentarisch wie außerparlamentarisch, eine deutliche Absage erteilt hätten?

Die Wahrheit: Es sind gerade die Wähler und Profiteure der Großen Koalition, die sich nun in der Rolle der APO gefallen. Mit Merkel und Gabriel sowie mit deren meist nun lebenslang abgesicherten Kostgängern haben sie ein ideales Feld zur risikolosen Selbstprofilierung gefunden.

Inhalte spielen dabei keine Rolle. Bei den Medien, die sich mit ungewissen Geschäftsaussichten auf der Suche nach Massenpublikum gerne als Speerspitze der APO geben, führt dies dazu, dass nur noch winzige, mediengerechte Häppchen aus der Politik gemeldet werden. Die etablierten Medien werden von neuen APO-Online-Medien wie Compact, Nachdenkseiten und Mittelstandsnachrichten unter den Druck gesetzt, bisher nicht konforme Nachrichten, Meinungen und Meldungen zu bringen.

Es wird immer schwerer, den Mainstream zu verorten. Längst ist der ehemalige taz-Chefredakteur in gleicher Position bei der "Welt". Jakob Augstein, Besitzer des APO-Mediums "Freitag", holt einen Bild-Chef zum Spiegel und betätigt sich dort als APO-Chefkolumnist.

Für Bürger und Leser wird es immer schwerer zu unterscheiden: Was ist echte APO und was ist opportunistisches APO-Business?

Ohne Bild, INSM und CSU wäre die Große Koalition nie gewählt worden. Nun fehlt nur noch, dass sich Merkel und Gabriel selbst als APO bezeichnen. (Alexander Dill)