Aufregung um den "Hadji Girl"-Song

Ein US-Soldat, der lieber nicht gesungen hätte

Dass Humor und Militär nicht so recht zusammenpassen, zeigt ein Fall, über den derzeit weltweit berichtet wird. Angeblich, melden gleich mehrere Nachrichtenagenturen (BBC, Reuters, AFP), soll ein amerikanischer Marinesoldat in einem Lied sich über den Tod von irakischen Zivilsten lustig gemacht haben.

Was vermutlich öfter vorkommt, aber kaum einen interessiert. Doch der Auftritt des singenden Soldaten wurde mitgefilmt und das Video bei YouTube.com anonym veröffentlicht. Und danach rauschte nicht nur in den USA der Blätterwald und der „Council on American-Islamic Relations“ forderte sofort eine Untersuchung des Falles. Stein des Anstoßes ist folgende Strophe:

“I grabbed her little sister and put her in front of me. As the bullets began to fly, the blood sprayed from between her eyes, and then I laughed maniacally.

Zuvor beschreibt der Soldat in dem Lied, wie er ein irakisches Mädchen kennen lernt, das in dem Text abwertend "Hadji Girl" genannt wird. Und wie die junge Frau, die sich in ihn verliebt hat, ihn dann ihrer Familie vorstellen möchte. Keine gute Idee, weil sie dabei von ihrem Vater und Bruder erschossen wird. Danach greifen die beiden erneut zur Waffe („They pulled out their AK's so I could see“) und es kommt zu der Situation, die die inkriminierte Strophe beschreibt. Und das Lied endet dann schließlich mit den Zeilen:

Then I hid behind the tv
And I locked and loaded my M-16
I blew those little ****ers to eternity
And I said:
'Dirka dirka Mohammed jihad, sherpa sherpa bakala
They shoulda known they were ****in' with a Marine

„Dirka, dirka, jihad” ist übrigens ein Zitat aus dem Film „Team America: World Police“.

So weit, so empörend. Und besonders empörend ist die Tatsache, dass die aufgeregten Nachrichtenschreiber zwar ständig die ganz oben zitierte Strophe erwähnen, aber konsequent verschweigen, dass die junge Frau in dem Lied von ihren eigenen Verwandten ermordet wird. Und in dem Forum der islamischen Seite Shiachat.com , wo der Song mittlerweile natürlich auch empört diskutiert wird, wurde der Text sogar geändert. Aus „her brother and her father shot her“ wurde dabei „her brother and her father shouted“. Und schon kann man sich wunderbar aufregen: „Iraqi Bush supporters, if this doesn't wake you up, then I don't know what will.“

Doch wer genau hinhört, der hört ein zwar witzig gemeintes, aber völlig misslungenes Lied über einen mörderischen Zwischenfall, bei dem der besungene Soldat nichts anderes macht, als sich in einer Notwehrsituation zu wehren. Und das ist alles andere als empörend. Empörend ist dagegen, dass Menschen überhaupt in solche Situationen kommen können.

Inzwischen hat sich der singende Soldat für sein Lied öffentlich entschuldigt. (Ernst Corinth)

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