Aufrüstung im Weltall

Die geheimnisvolle Weltraumdrohne X-37B. Bild: USAF

Nach China und den USA hat auch Russland eine Antisatellitenrakete getestet

Die Aufrüstungsspirale ist in vollem Gange. Die USA, Russland und China modernisieren ihr Atomwaffenarsenal, bauen ihre Cyberwar-Kapazitäten weiter aus und bereiten sich auch auf einen Krieg im Weltraum vor. Der wurde bereits zum Amtsantritt von George W. Bush beschworen und diente dazu, dem unter Clinton stillgelegten Raketenabwehrschild neues Gewicht zu verliehen, unter Bush wurden dann Milliarden investiert (Pearl Harbor im Weltraum). Inzwischen haben die USA und China demonstriert, dass sie in der Lage sind, Satelliten abzuschießen.

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2007 hatte China als erster Staat einen alten Wettersatelliten aus einer Höhe von 850 km abgeschossen und damit für Unruhe gesorgt (China testete Antisatellitenwaffe). Die USA zögerten nicht lange und schossen 2008 mit einer SM-3-Abfangrakete vom Aegis-Zerstörer USS Lake Erie einen alten Spionagesatelliten vor dem Eintritt in die Atmosphäre ab. Das war neben der Demonstration auch ein Beweis für die Funktionsfähigkeit des Raketenabwehrsystems, das auch für den Krieg im Weltraum eingesetzt werden kann (Update: Erfolgreiche Demonstration). Auch schon der testweise Abschuss von Satelliten im Weltraum ist gefährlich, da selbst kleine Teile andere Satelliten, Raketen und Weltraumgleiter beschädigen könnten, auch diejenigen, die zur oder von der Weltraumstation unterwegs sind.

Aegis-Flugtest einer Standard Missile-3 (SM-3) am 25. Mai 2016. Bild:.mda.mil

Russland und China hatten immer mal wieder gefordert, ein Abkommen abzuschließen, um die Militarisierung des Weltraums zu verbieten. Daran hatte sich die USA niemals interessiert gezeigt (China wirft der US-Regierung Doppelzüngigkeit vor). Die Haltung war stets, auch im Weltraum die militärische Vorherrschaft anzustreben bzw. aufrechtzuerhalten (US-Regierung betont "Recht auf Selbstverteidigung" im Weltraum).

Die Aufrüstung ging weiter. So dürfte China 2013 ein mögliches Antisatellitenwaffensystem getestet haben. Es wurden 3 Satelliten in den Weltraum befördert, die dort koordiniert agiert haben. Zweck könnte es sein, gegnerische Satelliten zu zerstören, zu beschädigen oder aus der Umlaufbahn zu schieben (Testet China eine neue Antisatellitenwaffe?).

Das Pentagon experimentiert hingegen seit 2010 mit der weiterhin geheimnisumwitterten Weltraumdrohne bzw. dem wiederverwendbaren Raumgleiter X-37B, der derzeit auf seiner vierten Mission ist. Gestartet am 15. Mai ist er nun mehr als ein Jahr unterwegs, vermutlich in einer Umlaufbahn in 250 km Höhe. Ob damit nur bestimmte Techniken getestet werden, jetzt soll es um einen neuen Antrieb (XR-5A) und das Verhalten verschiedener Materialien (Materials Exposure and Technology Innovation in Space - METIS) handeln, oder ob es sich auch um eine Antisatellitenwaffe und/oder eine Möglichkeit geht, die eigenen Satelliten einzusammeln, zu reparieren etc., ist nicht bekannt.

Vermutet wird, dass Russland 2014 ebenfalls begonnen hat, mit einer Waffentechnik im Weltraum zu experimentieren. Mit drei Satelliten wurde auch ein Objekt 2014-28E in eine Umlaufbahn gebracht, Beobachtet wurde, dass es seine Höhe mehrmals geändert hatte, was Vermutungen ausgelöst hat, dass es sich um eine Antisatellitenwaffe handelt (Testet Russland Weltraumwaffen?).

Jetzt wird berichtet, Russland habe am 25. Mai zum zweiten Mal erfolgreich den Start einer Antisatellitenrakete Nudol vom Kosmodrom Plessezk nördlich von Moskau getestet. Zweimal war es auch danebengegangen. Mit der Rakete soll Russland Satelliten zerstören können, die für jede Art von Kriegsführung mittlerweile entscheidend geworden sind. Nach Bill Gertz sei der Test mit US-Satelliten verfolgt worden. Am 19. Mai hat das Pentagon die Militärübung Schriever Wargame 2016 begonnen, bei der es um Weltraumszenarien im Bereich des Europäischen Kommandos geht. Insbesondere wird ein Gegner ins Spiel gebracht, der strategische Ziele im Weltraum und im Cyberspace erreichen will.

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Im Pentagon wird gewarnt, dass Russland ebenso wie China Weltraumwaffen entwickelt. So sagte Generalleutnant David J. Buck von der Luftwaffe im März vor dem Streitkräfteausschuss des Repräsentantenhauses, dass die USA nicht mehr sicher sein könnten, über Vorsprünge der Weltraumkapazitäten zu verfügen. Mögliche Gegner könnten "Weltraumeffekte" beeinflussen, was deswegen besonders bedenklich sei, weil die US-Verteidigung immer abhängiger von den Weltraumkapazitäten werde, was die Gegner erkannt hätten. Seit 2014 würde Russland hier besonders aktiv werden und habe etwa die Zahl neuer Satelliten verdoppelt. Da Russland und China "counter-space technologies" entwickelten, müsse auch das Pentagon eine "aktive Verteidigung unserer Weltraumsysteme" voranbringen.

Russland entwickelt daneben das Luftabwehrsystem S-500 Prometey. Mit Tests soll dieses Jahr begonnen werden. Die Reichweite der Abfangraketen soll 600 km, die Höhe 200 km betragen, es sollen gleichzeitig 10 ballistische Raketen und solche abgeschossen werden können, die mit Hyperschallgeschwindigkeit fliegen. Neben Raketen können auch Flugzeuge, Drohnen, Satelliten in niedrigen Umlaufbahnen oder Weltraumwaffensysteme abgeschossen werden. S-500 gilt als Antwort auf das US-Raketenabwehrsystem. (Florian Rötzer)

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