Aufstellung vor den Suchmaschinen: "audience: mankind"

Wie sich Parteien und Medien auf ihren Websites mit Metatags schmücken - oder auch nicht

Manchmal kann es auch ganz interessant oder amüsant sein, hinter die Oberfläche von Websites und in den Quelltext zu schauen. Große Geheimnisse wird man dort nicht finden, vermutlich haben diejenigen, die die Erstellung einer Website in Auftrag gegeben haben, dort auch kaum jemals hineingeschaut. Interessant jedenfalls kann sein, wie eine Website mittels der Metatags, also der Beschreibung und der Keywords, den Robots der Suchmaschinen präsentiert wird.

Natürlich sind Metatags nicht wirklich besonders wichtig, wenn es um den Erfolg einer Website im Ranking der Suchmaschinen geht. Google etwa beachtet die Keywords gar nicht, auch die Beschreibung findet kaum einen Eingang. Es hat also wenig Sinn, 100 Mal Sex in die Keywords zu schreiben, um daraufhin beim meist beliebten Suchwort auch wirklich weiter oben im Ranking zu erscheinen. Bei manchen Suchmaschinen spielen aber Beschreibung, die manchmal von Suchmaschinen bei der Trefferangabe übernommen wird, oder Keywords doch eine Rolle.

Die Bundesregierung gibt sich dezent und ganz sachlich. Nicht einmal der Bundeskanzler wird erwähnt. In Bayern etwa überrascht der Blick in den Quelltext der Website der bayerischen Landesregierung. Hier findet man zu den beiden wichtigsten Metatags gar keinen Eintrag, was darauf hinweisen könnte, dass die CSU mit ihrer Zweidrittel-Mehrheit auf die Suchmaschinen sowieso pfeift.

Allerdings scheint das doch nicht ganz zu stimmen, denn bei der CSU selbst wurden die Metatags brav angegeben: "Auf www.csu.de stellt die Christlich Soziale Union aktuelle Nachrichten, Personen, Struktur und das Programm der Partei vor", heißt es da, unter den Keywords findet man die üblichen Kombinationen "CSU, Christlich Soziale Union, Christlich Soziale Union Bayerns, Christlich Soziale Union in Bayern ...", an Namen steht allen voran natürlich Edmund Stoiber, sonst findet man nur den Generalsekretär, allerdings noch den inzwischen entmachteten Goppel. Selten schaut man halt mal auf den Page Source. Sonst gibt es nur noch die toten Heroen wie Strauß, Streibl oder Schäffer.

Bei den Grünen ist man eher knapper, weist aber die Robots darauf hin, dass sie doch alles beachten sollen: "all, follow". Daher erübrigen sich wohl auch die Keywords, man ist einfach zuständig für "Politik; politics". Die SPD beschreibt wie die CSU ihr Angebot, auch bei den Keywords gibt es nichts Auffälliges, es sei denn, dass als einzige Person nur Gerhard Schröder aufgeführt wird - und man sich ansonsten noch im "Wahlkampf" befindet, was allerdings für alle Parteien zutrifft. Bei der CDU ist man bei der Beschreibung sehr knapp: "Homepage der CDU Deutschlands". Bei den Keywords darf neben Angela Merkel immerhin auch Generalsekretär Laurenz Meyer auftreten.

Die FDP ist eifrig. Hier wurde selbst ganz unbescheiden der Metatag "audience" verwendet, die Zielgruppe also soll sein: "mankind". Noch allerdings ist man auf Deutschland beschränkt, schiebt in den Keywords Guido Westerwelle nach vorne, will auch über "gelb" und "Friendraising" gefunden werden. "Kampagnen", insbesondere "Spendenkampagne", scheinen wichtig zu sein. Auffällig also ist, dass Parteien sich in aller Regel von einer prominenten Person vertreten lassen, nur bei den Grünen ist man vorsichtiger und vermeidet trotz Star Joschka Fischer die Personaldebatte im Quelltext.

Bei der PDS ist man zurückhaltend, auch mit Namen, ebenso bei der Schill-Partei. Bei den Republikanern wird hingegen bei den Keywords voll zugelangt, auch wenn man sich noch im Wahlkampf 2002 befindet:

... Zuwanderung, Sozialmißbrauch, Jugendarbeit, Familie, Heimat, Arbeitslosigkeit, Patriotismus, Bundestag, Bundeskanzler, Kommunalpolitik, Stadtrat, Kommunalwahl, Demokratie, demokratisch, Bundestag, Landtag, Parlament, Wechsel, Erfolg, Freiheit, Zukunft, Asylmißbrauch, Scheinasylanten

Auch bei der NPD ist man sendungsbewusst. Selbst der Autor der Website wird namentlich genannt: Bundesgeschäftsführer Frank Schwerdt. Ansonsten darf sich jeder aus der Palette der Begriffe etwas auswählen, die als Sprungbrett zur Website dienen sollen:

...Widerstand, Berlin, frei, sozial, national, Freiheit, Patriot, Patriotismus, Naionalismus, Nationaldemokratie, Ordnung, Sicherheit, Ehrlichkeit, Frieden, Naturschutz, Umweltschutz, Tierschutz, Natur, Gerechtigkeit, Gesetz, Naturgesetz, Recht, Naturrecht, Ordnung, Wahrheit, Familie, Volk, Vaterland ...

Natürlich nehmen die "Kleinen" die Aufgabe wichtiger, mit jedem verfügbaren Mittel um die knappe Aufmerksamkeit mit den "Großen" zu konkurrieren. Und beim Wettkampf der Aufmerksamkeitsfänger, also bei den Medien, lässt sich auch die eine oder andere Wahrnehmung machen. Die FAZ hört mit der Aufzählung von Keywords gar nicht mehr auf. "Fitness" wird gleich zwei Mal aufgeführt, zu "Daimler" und "Chrysler" scheint man besondere Affinitäten zu haben, bei den Politikern werden Bush, Fischer (und noch extra: Joschka), Schröder und Merkel aufgeführt, was möglicherweise manchen Übergangenen aus dem Süden missfallen könnte. Auch für solche Dinge fühlt man sich zuständig: "katastrophe, unglück, unfall, kriminalität, prozesse, seuchen ...", irgendwie hat es auch "mp3" in den Aufmerksamkeitskatalog geschafft.

Bei Bild zählt man weniger auf, dafür aber auch das, wodurch sich die Zeitung von anderen unterscheidet. Da weiß man eben, was man liest, auch wenn Kombinationen wie gratis mit Shop kollidieren. Immerhin gibt es offenbar eine Verbindung zwischen Sex, Erotik, Fun und Frauen, Männer sind aber darin nicht als Suchobjekte enthalten: "Download, Dvd, Erotik, Frauen, Fun, Games, Geld, Gewinnen, gratis, Handy, Kino, kostenlos, kostenlose, Mp3, Musik, Nachrichten, News, Promis, Reise, Sex, sexy, Shop, Show, Sms, Software, Spiele, Sport, T-online, Video." Sachlich und zurückhaltend hingegen etwa die SZ, die Zeit oder die tageszeitung, aber auch Spiegel, Focus oder Stern, ganz karg die Frankfurter Rundschau. Die Netzeitung will über die üblichen Rubriken auch für "hochschule, gentechnik, entertainment, film, stars" zuständig sein und nennt sich stolz: "Die Netzeitung ist die erste deutsche Tageszeitung, die es nur im Internet gibt. Die Netzeitung liefert schnell und zuverlässig aktuelle Nachrichten und Hintergrundinformationen."

RTL beschreibt sich so: "Mehr als Fernsehen: Es wird heiß im Internet." Ansonsten sind die größeren deutschen Fernsehsender, gleich ob privat oder öffentlich-rechtlich, erstaunlich knapp. Die Aufmerksamkeit, die man sowieso schon außerhalb des Web hat, reicht offenbar aus.

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